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Ohne Worte.

Der folgende, gewaltige Gastbeitrag wurde mir von meinem Kumpel Joa (Bloodshade) zugesendet der sehr viel Energie und Zeit in diesen Post gesteckt hat. Ich habe wie gehabt nichts Inhaltliches Geändert, nur hier und da eventuell einen Satz angepasst und das Layout für das Blog verbrochen.

Eventuell packe ich zu einem späteren Zeitpunkt noch Bilder dazu, allerdings ist die Bildbearbeitung auf diesem Laptop ein echtes Kreuz… (Nope, keine neuen Details von meinem PC). Eventuelle Flattr-Einnahmen für diesen Post gehen an Joa.

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    “Mach doch mal wieder einen Artikel über PnP-Rollenspiel.” sagt der Yrgav.

    Na denn… Soll ich über die verscheidenen Rollenspielsysteme schreiben? Nein, das kommt später. Versuchen wir erstmal den Leuten, die gerne richtiges Rollenspiel machen möchten, aber bis jetzt noch keine Chance dazu hatten auf die Beine zu helfen.

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  • Also, wat is en PnP-Jollenspiel?

    “Da stelle mer uns janz dumm. Und da sage mer so: En Jollenspiel, dat is ene jroße dunkle Raum, da sitz hinten un vorn Nerds. Der ene Nerd, dat is de Leita. Und de andere Nerds, de krieje mer später.”

    Ok, ok, ok… ich denke wir haben eine gewisse Notwendigkeit zu klären.

    Und zwar habe ich mir nochmal die letzte Umfrage dort oben angeschaut und bin zu dem Schluss gekommen, dass – bei der Menge der Leute die gerne mal PnP spielen würden, aber noch nie dazu kamen – man eventuell einen kleinen Exkurs gibt. Also ich. Etwas ausführlicher. Und auf meine Weise.

    Damit die “alten Hasen” hierbei nicht zu kurz kommen, will ich einfach mal so beginnen:
    Ich erinnere mich noch an eine gewisse Party, die vor ein paar Jahren in der Wohnung eines Kollegen stattfand. Dabei begab es sich, dass mir dort überraschender Weise ein Rollenspiel Regelwerk im Regal auffiel. Ein Buch welches eigentlich dem Bruders des Partyschmeißers gehörte, der auch anwesend war und selbiges vorher beim Aufräumen kurzerhand in den Schrank geschoben hatte.

    Gut, normalerweise ist man auf sozialen Konvents mit Unterhaltungen, Alkohol trinken und Knabberkram vertilgen beschäftigt… aber ich hatte an bewusstem Tage kein Glück darin, einen Punkt zu finden bei dem ich mich mit in die Unterhaltung, der mir bis dato zum Großteil fremden Personen, stürzen konnte. Da ich nicht mehr hervorbrachte als ein bis zwei Sätze, beschloss ich mir ein weiteres Bier zu besorgen um meine Zunge zu lösen. Eben dann sah ich dieses Regelwerk („Arcane Codex“). Ich hatte davon gehört, es auch schon mal gespielt aber nie wirklich in das Buch hinein geschaut, daher nahm es nach einmaligen Nachfragen aus dem Schrank und klappte in der Mitte es auf. Die folgende Unterhaltung ist meinen Erinnerungen entnommen, muss also nicht mehr unbedingt wortwörtlich korrekt sein:

    „Oh, du bist ein Rollenspieler?“

    Etwas überrumpelt blickte ich von dem Bild der soeben aufgeschlagenen und leicht (oder besser gar nicht) bekleideten Frau auf, in das Gesicht ein realen aber bekleideten Pendants, welches mit einem Sektglas in der Hand unvermittelt vor mir stand. Ich blätterte schnell weiter und hoffte sie dachte nun nichts Falsches.

    „Äh, ja ein- bis zweimal die Woche. Ich bin übrigens…“
    (…mandatorischer Namensaustausch…)
    „…ich bin die Freundin von (SagteMirNichts) …“

    Verdammt, schon weg – schade eigentlich.

    „…äh…“ meine rhetorischen Künste sind nicht gerade von Spontanität gezeichnet, wenn ich überrumpelt werde… vor allem nicht wenn ich mehr als ein Bier getrunken habe und ich unerwartet von einer hübschen Frau angesprochen werde, kurz nachdem ich eine nackte Frau in einem Regelwerk angegafft habe. Ich bin in solchen Situationen mehr damit beschäftigt mich in die bewusste Situation erste einmal hinein zu assimilieren.

    „…ach den kennst Du bestimmt nicht, er arbeitet mit (KannteIchAuchNicht) und (DasMussDerTypMitDerRotzbremseSein) zusammen bei (Partygeber) in der Abteilung.“
    „Ahh…“
    kurze Pause: „Kenn’ ich auch nicht, ich kenne ihn aus dem Studium her.“ meine ich und will das Buch unauffällig zurück in das Regal schieben.
    „Also ein bis zwei Mal die Woche? Das ist aber viel.“

    Naja, sie hatte schon einen Freund und ich hatte mich bei ihr in die Nerd-Schublade geschoben in dem Moment, als ich das Buch in die Hand nahm, aufschlug und zufällig auf den Vorbau der einzigen Klasse starren musste die laut Regeln nichts trägt. (Ja, das System wird von zwei Kerlen entwickelt.):
    Naja andere Leute gehen ein bis zwei mal die Woche zum Badminton, oder haben einen Brettspiele-Abend – so viel anders ist das auch nicht.“
    „Ja zumindest bist du dann in der Freien Natur. Wo bekommt man eigentlich die Klamotten dafür her?“

    Oh-Mein-Gott. Ich war nicht nur in der Nerd-Schublade, ich war sogar in der NERD!-Schublade eins drunter abgelegt… und in dieser ganz hinten in einem Umschlag, auf welchem mit großen Lettern „Könnte nicht mehr menschlich sein!“ notiert war.

    Vor meinem inneren Auge spielten sich die Szenen ab, die sie gerade vor ihrem inneren Auge haben musste: Entweder eine Szene wie ich mit einer Plastikrüstung bekleidet durch den Sauerländer Wald laufe und dabei mit einem Gummischwert auf Leute in Ork-Latexmasken einhaue… oder wie ich mit angeklebten Elfenohren durch die Gegend hüpfe und Gummifeuerbälle auf arglose Passanten werfe.

    „Was? Nein nein, das ist LARP, das hat nur bedingt was mit diesem Rollenspiel zu tun. Das hier ist mehr wie ein Brettspiel – wenn man so will.“
    „LARP?“
    „Ja, da wo die Leute im Sauerland verkleidet durch den Wald hüpfen und sich mit Gummischwertern eines auf die Nase geben.“

    Dem darauf folgenden Lachen entnahm ich, dass ich mit meiner vorhergehenden Vermutung Recht hatte. Dem Ganzen folgte eine Erklärung über “Pen und Paper”-Rollenspiele und einige Auszüge daraus, wie sich so etwas abspielte. Nicht gerade der Brüller auf einer Party, aber im Prinzip wurde jeder Versuch von mir das Thema zu wechseln von ihr schlicht weg ignoriert. Zumindest hatte ich sie am Ende so weit, dass sie nicht mehr annahm, dass jeder Rollenspieler durch den Wald hüpft, oder mit Elfenohren und Zipfelmütze am Tisch sitzt und dabei mit geschwollener Stimme in einer pseudo-mittelalterlichen Sprache spricht.

    Aber nun, die Rollenspieler können – müssen aber nicht – etwas scrollen, hier einmal einige Erklärungen für die bis dato dahingehend Unbedarften unter Euch:

    Was brauch man für ein Pen und Paper – Rollenspiel?

    • mindestens 3 nette Menschen (max 5), die alle etwas Fantasie haben.
    • Papier, Bleistift UND einen Radiergummi
    • Ein Rollenspielregelwerk
    • Charakterbögen (Vorlagen im Regelwerk enthalten)
    • Würfel  (welche steht im Regelwerk)
    • Mehrere Stunden Zeit
    • Einer der sich das Regelwerk durchliest und die Runde leitet

    Was ist ein Rollenspiel?
    Ein Rollenspiel ist ein Erzählspiel, generell hat jeder Spieler die Aufgabe sich einen Charakter auszudenken, den er verkörpern möchte, während der Spielleiter die Welt gestaltet, in der die erstellten Charaktere dann agieren sollen. Der Spielleiter spielt normalerweise keinen Spielercharakter, da er eigentlich schon genug mit den Beschreibungen der Umgebung, den NPCs (Nicht Spieler Charaktere) und deren Verhalten beschäftigt ist.

    Wie funktioniert ein Rollenspiel?
    Generell gibt es immer eine Aufgabe die die Charaktere der Spieler zu lösen haben, es ist vergleichbar mit einer Geschichte, in der die Handlungen Hauptakteure nicht in der Hand des Autoren liegen. Die Herausforderung die der Spielleiter dabei hat ist, dass die Spieler sich grundsätzlich NIE so verhalten wie der Spielleiter sich das gedacht hat, man muss als Leiter also flexibel sein. Grundsätzlich gilt für einen Spielleiter :

    • Die Spieler werden die offensichtlichen Hinweise übersehen.
    • Die Spieler werden die Hinweise und Möglichkeiten finden, an die man selbst nicht gedacht hat.
    • Die Spieler werden irgendetwas tun, was den ‘geplanten’ Verlauf der Handlung unmöglich macht.

    …das passiert immer, egal wer Spieler sind und wer Spielleiter ist.

    Haben die Spieler erfolgreich Hürden bewältigt kann es dafür Erfahrungspunkte geben. Wie die Erfahrungspunkte an die Spieler verteilt werden bleibt dem Leiter überlassen; Hinweise dazu stehen im Regelwerk. Grundsätzlich sollte man aber nicht wie in Online-Rollenspielen Punkte für nur stupides Monsterklopfen und das Lösen des Abenteuers vergeben, es erhört zum Beispiel den Reiz für die Spieler sich in ihre Rollen einzufinden, wenn man zum Beispiel für gelungene Interaktion mit den NPCs und gutes Charakterverhalten (in der Rolle sein) ebenso Erfahrungspunkte an die Spieler gibt. So finde ich es zum Beispiel viel gelungener einen Charakter, der laut Beschreibung ein „Sturkopf“ ist, Punkte dafür zu geben, dass er sich auch wie ein Sturkopf verhält… und andere Spieler ihn erst zu gewissen Handlungen überreden müssen.

    …und Technisch?
    Generell gibt es in den meisten Rollenspielen neben den eigentlichen Regeln, zwei wichtige Grundlagen, den Charakterbogen und den Zufall.
    Zuerst zu dem Bogen. Auf diesem stehen alle Werte und Gegenstände die der Charakter besitzt. In den Regelwerken stehen dazu Richtlinien, wie man für eine bestimmte Klasse die Fähigkeiten zu verteilen sollte oder gar muss. Generell versucht man natürlich für seine Klasse die sinnigste Kombination aus Attributen und Talenten für seine Klasse auszusuchen, wenn man sich nach dem Regelwerk einen neuen „Stufe 1“-Charakter erstellt. (Sicherlich MUSS man das nicht, so kann man ein ungeschickter Dieb sein, der nichts von Taschendiebstahl versteht… dafür aber über viel Ausstrahlung und Überredungskunst verfügt, um arglose Bürger um ihr Geld zu bringen.) Hat man erst einmal alle Startpunkte verteilt, kann es losgehen.

    Hier kommt dann der Zufall ins Spiel. Bei vielen Aktionen wird ein ‘Wurf’ abverlangt, beispielsweise der genannte Taschendiebstahl, eine Aktion in einem Kampf, das Überreden von NPCs, das Durchsuchen eines Raumes, das Singen eines Liedes und so weiter. Wie gut das Ergebnis auf den Würfel/n ist, bestimmt den Erfolg des Charakters bei einer bestimmten Aktion.
    Wie gut der einzelne Charakter bei diesen Aktionen abschneidet, hängt nicht nur vom Wurf, sondern auch von seinen Werten ab, die oben auf das Würfelergebnis addiert werden. So kann ein Dieb, der Punkte in Taschendiebstahl investiert hat, natürlich besser klauen als ein Krieger – der dabei nur auf seine Geschicklichkeit angewiesen ist, während der Gauner seinen Wert in Taschendiebstahl noch oben auf bekommt. Ebenso ist es natürlich schwerer eine Person zu etwas zu überreden, sie zu belügen oder Ähnliches, wenn man die sozialen Fähigkeiten eines russischen Kampfpanzers hat.

    „Fissif der Dieb hat eine Geschicklichkeit von 18, was ihm auf alle Aktionen die Geschicklichkeit erfordern +4 Punkte bringt, er hat dazu 3 Talentpunkte in Diebstahl investiert, was sich insgesamt auf +7 addiert. Um der betrunkenen Wache den Schlüssel zu klauen, muss er mindestens eine 10 Auf einen zwanzigseitigen Würfel würfeln. Da er schon 7 Punkte hat, muss nur mehr als eine 3 Würfeln.“

    Natürlich führt das auch zu seltsamen Begebenheiten bei manchen Rollenspielen: So kann ein Experte bei etwas aus seinem Bereich absolut Versagen, weil er einfach schlecht würfelt, während der Laie mit einem guten Wurf Erfolg hat.

    …und Sozial?
    Tja, hier wird es wieder für diejenigen interessant, die Charakterwerte bereits mit dem Rückenmark addieren und die Geschichte jedes Vampire-Clans auswendig kennen. Meiner Meinung nach gibt es beim „Pen und Paper“-Rollenspiel zumindest zwei Extreme. Zum einen gibt es Leute, die generell weniger Rollenspiel machen, mehr steht das soziale Zusammensein im Vordergrund. Dass hat zur Folge, dass man mittendrin einfach den Spielfluss unterbricht, sich über alles Mögliche unterhält, rumalbert und Dinge sagt, die der Charakter sich gerade vielleicht denkt oder nicht wirklich sagt und man einfach gute Laune verbreitet… bis irgendjemand auf den Tisch klopft und sagt: „Leute wir hatten hier eigentlich etwas Rollenspiel vor.“ und man sich dann wieder auf die Sache konzentriert.

    Auf der anderen Seite gibt es Leute, die Rollenspiel mehr wegen des Rollenspiels machen. Das heißt es gibt nach dem anfänglichen Quasseln einen Schnitt, in dem man sich wirklich auf’s Rollenspiel konzentriert und auch ‘OutOfCharakter’ Kommentare nicht gerne gesehen werden – es sei denn es handelt sich um Regelfragen. Natürlich kommt es immer auf die Subtöne an, die dabei mitschwingen – aber ich muss ehrlich sagen, dass mir persönlich die Menschen wichtiger sind als das Rollenspiel, ich deshalb gerne einfach mal das Rollenspiel unterbreche und auch mal rumblödele oder über etwas anderes rede. Klar, ich kann mich anpassen, aber ich hatte auch ein bis zwei Gruppen bei denen mir der Abend einfach ‘zu steif’ war, genau so wie ich Leute kennen die meine jetzige Gruppe verlassen haben, weil wir diesen ‘zu locker’ waren.

    Dahingehend sei gesagt, wenn es euch beim ersten Mal nicht gefällt – schau doch einfach mal ob es bei einer anderen Gruppe klappt.

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