24 Apr

In Scharen treten sie aus der katholischen Kirche aus. Es scheint fast so als hätte ein Haufen guter U-Boot Christen nur darauf gewartet, dass sie auch nur irgendeinen Grund finden, endlich von der Kirchensteuer befreit zu werden. Natürlich verständlich, man glaubt schließlich nicht an die Kirche als Institution, sondern daran, dass die Art und Weise in der die Kirche den Glauben praktiziert die Richtige ist. Misshandelt nun eine Kirche (in mehr als einer Weise) diesen Glauben, ist es natülich mehr als verständlich, dass die Leute sich abwenden.
Schlagworte: Käßmann, Kirche, Mixa, ZachDenktNach
24 Feb
Ich weiß gar nicht, wie ich dem momentanen Drama um Bischöfin Margot Käßmann gegenüberstehen soll. Wie hart man auch zu „Alkohol am Steuer“ eingestellt seien mag, die momentane Coverage melkt das Thema so sehr, dass man meiner Meinung nach beruhigt einen dicken „Drama Lama“-Sticker drauf pappen kann.
10 Feb
Im Rahmen des Trubels um die konservative Pius X Bruderschaft – ich muss mich selber beherrschen es in Gedanken nicht englisch, als „Pei-Us Äks“ Brotherhood auszusprechen – wurde mir folgender Spiegel-Online-Artikel verlinkt.
“Es unterliegt keinem Zweifel, dass jüdische Autoren an der Zersetzung der religiösen und sittlichen Werte in den zwei letzten Jahrhunderten einen beträchtlichen Anteil haben.” beginnt sie mit einer absolut antisemitischen Aussage, und einem Bild von Williamson, als wollte er gerade die Schlümpfe in Gold verwandeln und Schlumpfine misshandeln. Keine Frage, reinster Bullshit der Satz – braucht man nicht drüber zu reden. Aber muss man von Williamson gleich ein so unvorteilhaftes Foto nehmen, bei dessen Betrachtung man eilig aufstehen möchte und nach schauen, ob die Kinder noch alle im Bett sind? Nicht gerade ein glanzvoller Anfang für einen Artikel, in dem man versucht die Toleranz gegenüber anderen Menschen wachzurütteln, wenn man dafür den Intoleraten gleich wie einen Kinderschänder erscheinen lässt.
Auch wenn wieder viel Vorurteil-behafterter Dünnpfiff in den Aussagen der Pius X Brüder zu finden ist wird abermals übersehen, dass man deren Weltanschauung nun mal in gewissen Punkten von dem eines U-Boot-Christen einfach abweicht:
Im deutschen Piusbrüder-Zentralorgan heißt es weiter: “Und dieser furchtbare Fluch ist eingetroffen. Die Juden wurden aus ihrem Land vertrieben, vielmals abgelehnt und noch bis in unsere Zeit verfolgt.” Deshalb müsse “das Judentum als Volk sich zu Christus bekehren”. So sei die “allgemein theologische Lehre”, denn: “Einmal wird die Barmherzigkeit Gottes auch über den Starrsinn und die Blindheit des jüdischen Volkes triumphieren.”
Das sei keine ethnische, sondern eine religiöse Aussage, rechtfertigte Schmidberger nun die entsprechende Passage gegenüber “Report Mainz”: Schon der Heilige Paulus spreche “von einem Schleier, der über dem jüdischen Volk liegt (…) und dass sie so gehindert sind, den Erlöser, den Messias anzuerkennen und anzunehmen”.
Meine Güte, wir reden hier von erzkonservativen Christen. Religionen sind leider Exklusiv-Produkte und das heißt man hat immer nur eine gleichzeitig. Jede Religion – bis auf den Buddhismus – glaubt von sich den einzig wahren Weg zum Seelenheil gefunden zu haben und vom einzig wahren Gott/Göttern das einzig wahre Handbuch für die Welt bekommen zu haben. Die Tatsache, dass man sich heute in Kriegen mehr um Ressourcen streitet, denn um religiöse Weltanschauungen hat nichts daran geändert, dass für jede Religion, alle anderen Religionen UNGLÄUBIGE sind. Und im Anbetracht eines allmächtigen Gottes, was sollte logischer sein als alles Schlechtes was Glaubensgemeinschaft X passiert ist, darauf zurückzuführen, dass diese den falschen Glauben haben und der richtige Gott es ihnen ‘dezent mitteilen’ möchte?
Natürlich ist ein tief religiöses Mitglied des katholischen Glaubens der Überzeugung, dass alle Nicht-Katholiken für ihren Unglauben zur Hölle fahren… oder zumindest das Fegefeuer besuchen, sofern das nicht abgeschafft wurde. Und so glauben die Erzkonservativen von Pius X, dass alle Juden Christen werden sollten, genau so wie jeder andere Nicht-Katholik – gerade damit die Juden nicht mit allen Moslems, Buddhisten, Hindus, Atheisten (und Protestanten) ihr Nachleben auf Satans-Mistgabel fristen müssen.
Nebenbei fiel mir übrigens diese Stelle auch noch gesondert auf:
An anderer Stelle werde formuliert: “Das Ausleihen von Geld gegen hohe Zinsen und der so betriebene Wucher (…) machten die Juden verhasst.”
Die Crux eines Artikels, der nicht 10 Seiten lang ist, ist dass man bei Zitaten meist nicht den umliegenden Kontext ausreichend beschreiben kann. Und ohne weiteren Kontext drumherum ist diese Aussage weder antisemitisch, noch sonst etwas. Wer auch nur ein klein wenig geschichtliches Hintergrundwissen hat, weiß dass im Mittelalter die Juden gezwungen waren Geldverleih zu betreiben, da es den Christen damals nicht erlaubt war. (Add.: Und es den Juden untersagt war ‘anständige’ Berufe zu ergreifen) Man erinnert sich vielleicht noch an die Geschichte wo Jesus die Geldverleiher aus dem Tempel herauswirft.
Das führte dann dazu, dass schon im Mittelalter die Juden von den Christen in Ghettos gepfercht wurden, stellenweise gelbe Mützen tragen mussten um sich kenntlich zu machen und ihnen darüber hinaus ohnehin die Schuld am Tod des Heilands, der Pest und sonstigem Übel in der Welt hatten. Natürlich haben die unaufgeklärten Christen von anno dazumal eben diese Menschen gehasst und als Sündenbock für alles ausgenutzt, bot sich ja an. Und der überlieferte ‘Wucher’ ist in der damaligen, Christlichen Glaubensvorstellung bereits die Tatsache, überhaupt Zinsen für sein verliehenes Geld zu fordern.
Schlagworte: Kirche
6 Feb
Ach, dieser ganze Medienrummel um den Antisemitismus-Skandal „im“ Vatikan ist schon irgendwie lustig mit anzusehen. Papst Benedikt der XVI sagt zu Richard Williamson, dass er wieder im Club mitspielen darf und die Welt hat ein neues Thema über, dass sie sich aufregen kann. Viel lustiger ist, dass jetzt gleich ein Evangelischer für einige Katholiken die Geschichte mal aus einer anderen Perspektive beleuchtet.
„Wie kann Ratze nur jemanden als Bischof wieder einsetzen, der exkummuniziert wurde weil er den Holocaust leugnet – geht ja gar nicht!“ sagen die Leute, schlagen die Hände über den Kopf und finden sich nicht mehr ‘Papst’ sondern ‘peinlich’. Dann erst denken sie darüber nach, ob sie überhaupt katholisch sind und wissen zudem nicht, dass sie gleich zwei Fehler gemacht haben.
Erstens, Williamson ist kein Bischof, er hat nur eine neue Clubkarte bekommen und darf wieder Kirchensteuern zahlen (wenn man das da drüben überhaupt tut) und sich einen Pass ordern in dem wieder eine Religion steht.
Zweitens, Johannes-Paule der Zweite hat ihn deswegen auch überhaupt nicht aus der Kirche geworfen. Tatsache ist viel mehr, dass die Bruderschaft Pius X (FSSPX), das zweite Vatikanische Konzil und dessen Beschlüsse (1962-65) nicht anerkannt hat, was dazu führte das der Vatikan wiederum die FSSPX seit 1975 nicht mehr als Teil der römisch-katholischen Kirche anerkennt. Da man ohne Segen des Papstes aber keinen Bischof weihen darf, Williamson aber durch den Gründer der Priesterbruderschaft St. Pius X., Erzbischof Marcel Lefebvre die Weihe empfing (gegen den ausdrücklichen Wunsch des Papstes) exkommunizierte JP 2.0 die vier falschgebackenen Bischöfe – darunter auch Williamson.
Mit der …reexkummu… Aufhebung der Exkommunikation von Williamson gab es natürlich nun Stress, der Papst nimmt den Rauswurf zurück von jemanden der offiziell den Holocaust leugnet. Wir brauchen nicht darüber reden, dass Leute die den Holocaust leugnen einen gewaltigen Sockenschuss haben oder in einer Märchenwelt aus bunten Einhörnern und lustigen Gnomen leben müssen. Tatsache ist allerdings, das Williamson nun auf eine – kirchlich abgesegnete – letzte Ölung hoffen darf und es nicht bedeutet, dass er wieder Bischof ist. Das war er aus Sicht der Kirche nämlich nie wirklich und hat dieses Amt spätestens mit der Exkommunikation verloren. Somit ist Williamson kein Bischof der den Holocaust leugnet sondern einfach ein irgendwer, der nicht glaubt dass es den Holocaust gegeben hat. Wenn die Katholische Kirche jeden herauswerfen würde der jemals eine Lüge verbreitet hat oder sonst ein Gebot gebrochen hat… dann wäre die katholische Kirche mit einem mal auf einen kleinen erlauchten Kreis aus „Ned Flanders“-Klonen reduziert.
So gesehen, was haben wir da? Wir haben ein Haufen Leute der sich darüber aufregt, das irgendein ‘Schäfchen’, welches unrechtmäßiger Weise zum Bischof geweiht wurde, noch eine zweite Chance bekommt – welches aber nebenbei noch den Massenmord an mehreren Millionen Menschen nicht wahrhaben will. Ja meine Güte, das ist zwar Bullshit was er da redet, aber der Mann bekleidet nun mal kein wichtiges Amt. Ist das ein Grund ihn nicht in die Glaubensgemeinschaft wieder aufzunehmen? Selbst ein mehrfacher, atheistischer Mörder, welcher in Haft sitzt, sagt dass er bereut und der katholischen Kirche beitreten will mag diese Chance bekommen. Worüber dann die ganze Aufregung?
Der Zentralrat der Juden explodiert mit Empörung, und Staatscheffs bellen hinterher der Papst solle sich entschuldigen. Da kann man doch nur den Kopf schütteln. Das Problem ist, er wird es nicht, denn der Papst ist im christlichen Glauben unfehlbar. Würde der Papst einen Fehler eingestehen, kann er gleich den lustigen Hut nehmen und einen Nachfolger ernennen. Nicht, dass ich mich mit der katholischen Religion per du bin aber das Tohuwabohu das da gerade läuft nimmt lächerliche Züge an, wenn der Bundesdackel mit Topfschnitt sich auch noch einschaltet, was hat diese Frau überhaupt in Kirchenangelegenheiten zu suchen? Oder kommt auf die Idee etwas vom Papst zu fordern?
Mal davon abgesehen, ist es falsch – wenn man bei so etwas in Empörung gerät. Williamson hat sich bei einem Interview stellenweise recht viel Zeit genommen um seine Position zu erklären. Wenn man nun sich da hinstellt, sich die Fäuste in die Seiten drückt und patzig meint: „Du bist ein Arschloch, weil alles was du sagst ist unwahr! Entschuldige dich gefälligst“ Spielt dass doch Williamson und allen anderen Holocaust-Leugnern direkt in die Tasche. Jemand der in relativer Ruhe argumentiert – und selbst wenn er den letzten Nonsense erzählt – muss mit Gegenargumenten bei gekommen werden. Ein „Du lügst!“ untermauert nur seine eigene Überzeugung und die aller anderen die genau so denken.