ZachSeinBlog

...rescuing the plumber is pretty stupid!

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dieses ein gutes Jahr oder ein schlechtes Jahr für die deutsche Einheit ist. Wenn man sich den ganzen Kram anschaut, der momentan in diesem Land am laufen ist, ist Einigkeit das letzte Wort was mir in den Sinn kommt.
Allerdings klappt auf der Seite anderen dadurch die Einigkeit zwischen Ost und West um so besser. Die Frage ob Ost- und Westdeutsche 20 Jahre nach dem Mauerfall ein Volk sind kommt momentan kaum auf, bei all den Problemen die Momentan auf der gesamtdeutschen Volksseele liegen.

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”Unterm Strich zähl’ ich”

Wenn ich nach meinen Lieblings-Radiosender gefragt werde und merke dass den Leuten weder Chromanova noch Real Industrial Radio etwas sagt, antworte ich seufzend: “WDR 3″, “WDR 5″ und “DKultur”.

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Wenn ich mir mein Alter und meine aktuelle Situation vor Augen halte, bin ich momentan in einer Phase meiner Lebensführung in der ich repräsentativ für einen ganzen Eimer voller Zielgruppen befragt werden kann.

Über Werbungsresistenz:
Es ist nicht so, dass ich befragt werden möchte, ich sehe mich nur als Zielgruppe für diverse Werbung. Doch mittlerweile kommt bei einer Telefonumfrage folgender Satz über meine Lippen: “Es tut mir leid, aber ich nehme nicht an Umfragen teil und gleiches gilt für alle anderen Bewohner dieses Hauses, für jetzt und bis in das Jahr 2259, in dem das Telefon vollständig durch einen Kommunikationschip im Kleinhirn abgelöst wurde.”
Nicht, dass das die Leute im Callcenter davon abhalten würde, 15 Sekunden nachdem ich aufgelegt habe auf der zweiten Nummer gleich nochmal anzurufen. …wobei ich doch gerne das Gesicht der Leute sehen würde, wenn ich sage: “Wie jetzt? Sind schon 250 Jahre rum?” Ja ich weiß, die machen auch nur ihren Job. Aber in Zeiten in denen in der Woche sechs Gewinnmitteilungen und vier Umfragen anrufen wird man etwas gereizt auf die Dauer.

Anyway, der Grund für diesen Post ist die Tatsache, dass ich scheinbar – trotz innerhalb mehrere Zielgruppen – so werbe-resistent bin, dass mir alle Werbung kilometerweit am Hintern vorbeigeht. Also diese Tatsache und Atze Schröder.
Als ich heute Morgen ein paar Brötchen vom Bäcker geholt habe, war ich gezwungen direkt vor einem Werbeplakat anzuhalten, auf dem mich dieser untergehende Stern der deutschen Comedy angrinste. Na wunderbar, jetzt ist der Kerl auch noch auf Plakatwänden in Übergröße, dabei schalte ich ‘eh schnell um, wenn ich den in der Glotze sehe.

Über Komiker:
Um mal kurz etwas abzuwschweifen:

Vielleicht werde ich alt, aber die Tatsache, dass mir zumindest mein jüngerer Bruder beipflichtet, gibt mir die Hoffnung das ich entweder zu intelligent oder kultiviert für diese Art des Humors bin – vielleicht sogar beides. Atze Schröder leidet bei mir unter dem, was ich als den “Mario Barth”-Effekt bezeichne. Man kann ihn sich einmal ansehen, vielleicht noch ein zweites Mal – und dann hat es sich mit dieser Art von ‘Comedy’. Ich finde die beiden nicht witzig. Beide reiten zu sehr auf ihrer Masche herum, sind zu vorhersehbar und abgenudelt.

Nachdem ich Barth in seiner Anfangszeit zwei bis drei Mal im „Quatsch-Comedy-Club“ gesehen hatte, habe ich seine Art des Humors mit: “Meine Freundin Ehehehehehe! MEINE FREUNDIIIIIN! AH-HAHAHAHA!” zusammengefasst, und daran hat sich bis heute kaum etwas geändert. Klar gibt es in einem zweistündigen Programm von ihm durchaus noch lichte Momente… aber meiner Ansicht nach nicht genug, um damit ein zweistündiges Programm zu rechtfertigen.
Der Mann stellt sich auf die Bühne, erzählt -gefühlt- zu 90% überzogene Geschichten über die lustigen Probleme zwischen Männer und Frauen und verlacht dabei jede zweite Pointe. Meine Theorie, warum der Mann trotzdem so erfolgreich damit ist, ist das Jürgen von der Lippe seiner Zeit einfach voraus war und die meisten der “Mario Barth”-Fans dessen Programme eben nicht kennen.

Über Werbung:
Aber zurück zu Atze Schröder, den ich noch unlustiger finde als Barth, einfach weil ich über den “Tante Käthe-Proll mit dem Porsche” nicht länger als zwei kurze TV-Auftritte lachen konnte. Selbige, Fliegerbrillen tragende Kunstfigur macht nun Werbung auf Plakatwänden.

Tja, wofür kann diese Perücke nun Werbung machen? Autoteile? Baumarkt? Softdrinks? Amerikanische Fresstempel-Ketten? Nee, es ist tatsächlich die Sparkasse. “Dick doppelt was drauf.” (oder so) steht dort als Slogan und man sieht eine Pommes-Schachtel mit doppelt Majo, sowie Schröder der die frittierte Feinkost grinsend in die Kamera hält.

In Zeiten der Finanzkrise, in der Bänker wie aufgescheuchte Hühner im Kreis laufen, die Politiker hinterher und Autobauer verwundert spüren müssen, dass in finanziell unsicheren Zeiten die Menschen seltsamerweise ihren alten Wagen lieber nochmal ein Jahr länger fahren, macht Atze Schröder Werbung für die Sparkasse. Die Sparkasse, vermutlich neben der Volksbank die einzige Bank, welche zumindest PR-technisch an den ganzen Pleiten der vergangenen Monaten nicht total das Gesicht in den Augen der deutschen Öffentlichkeit verloren hat.

Das ist ja genau so falsch wie Heidi Klum, die mit ihrer Über-Idealfigur für herzkranzverengendes und hüftumfangerweiterndes Fastfood Werbung macht. Wie genau soll mich Kunstfigur und Proll Atze Schröder (und die viel ansprechende Schachtel Pommes) überzeugen mein Geld bei der Sparkasse anzulegen? Weil die dargestellte Figur so vertrauenswürdig wirkt, dass ich ihm mein Geld blindlinks anvertrauen würde, oder weil ich dieser Figur Kompetenz darin zuspreche, wie er sein eigenes anlegt? Da kann man ja gleich mit Che Guevara, Fidel Castro, Mao Tse-Tung, Karl Marx, Lenin, Martin Luther King, Rosa Luxemburg, Ho-Chi Minh und Mahatma Gandhi für einen Billig-Kombi Werbung machen, der… oh Moment Mal…

90% der Werbung erreicht mich einfach nicht. Zum einen schaffe ich es meistens nicht, mir die Marke zu merken, sondern ich weiß nur noch, dass es sich z.B. um ‘Einen Kombi’ handelt – und diese Erinnerung kommt auch nicht zurück, wenn ich eben diesen Wagen in echt vor mir sehe. Zum anderen schaffen es viele Werbespots nicht, bei mir die passende Assoziation zu erschaffen.

So gibt es zum Beispiel momentan einen (Name vergessen) Tütenfutter-Werbespot im TV, bei dem Frau Jung-und-Dynamisch für sich und Herren Jung-und-Dynamisch zum Abendessen Tütenfutter kocht. Beim Probieren macht sie dann ‘aus Versehen’ den ganzen Topf alleine leer. Das erste was ich, sowie alle anderen Rezipienten, gedacht haben war nicht: “Oh das ist also so lecker, dass man gleich das Doppelte isst.” sondern: “Jo stimmt, in diesen Tüten ist teilweise nicht mal genug drin, dass es für eine Person reicht.”

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