Ich muss mit roten Ohren eingestehen, dass dieses Thema bis eben an mir vorbei gegangen ist, allerdings wusste ich dafür sofort, welche Partei den Oberbürgermeister von Stuttgart stellt (CDU), nachdem ich die erste Zeilen der beiden Heise-Artikel (1, 2) gelesen hatte.

Doch daraus wird nichts: “Angesichts der Ereignisse und des schrecklichen Amoklaufs in Winnenden und Wendlingen, bei dem 15 Menschen getötet wurden, können wir eine solche Veranstaltung derzeit in unserer Stadt nicht akzeptieren”, begründete Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) die Absage. Das sei man den Familien, Angehörigen und Freunden der Opfer schuldig.

Ich verstehe die Stadt Stuttgart mit ihrer Entscheidung, die ESL am kommenden Freitag abzusagen, einfach nicht! Überlegt doch einmal was dort für Möglichkeiten verschenkt werden, um Amokläufen in Zukunft vorzubeugen! Da befinden sich mehrere hundert, potentielle Massenmörder in einer Halle und all das könnte man mit zwei bis drei geschulten GSG-9 Scharfschützen perfekt abdecken. Die von mir geschätzte Zahl der Toten liegt, bei einem CounterStrike-getriebenen Amok-Ausbruch, allenfalls bei einer oder zwei Personen – und dabei würde es sich dann allenfalls nur um andere potentielle Amokläufer handeln.

Oder man mach es noch eleganter und wählt den sogenannten “amerikanischen Ansatz”. Man legt jedem Sitzplatz eine voll beladende Desert Eagle bei, wartet man 24 Stunden und schiebt anschließend mit einer Planierraupe den Elektroschrott und die Leichen zusammen.

Sozusagen eine perfekte Win-Win-Situation.

So soll die Stadt bereits in der vergangenen Woche versucht haben, Turtle Entertainment dazu zu bewegen, zumindest in der baden-württembergischen Hauptstadt andere Spiele zu verwenden. Doch der Veranstalter bestand auf Warcraft und den beiden Counter-Strike-Versionen.

Was mal wieder beweist, wie weit die Politiker von dem eigentlichen Thema entfernt sind. Das ist so, als wäre ein LKW-Fahrer in selbstmörderischer Absicht mit einem Lastkraftwagen voller Fußbälle in ein Stauende gerast… und nun müssen die Teams in der Bundesliga eine Woche lang Tennis spielen. Die Weltfremdheit, mit der manche Politiker an dieses Thema herangehen erschreckt mich immer wieder. Ebenso ist die Tatsache bemitleidenswert wie einfach man es sich doch macht, um drei Ecken die Computerspiele als Auslöser für Gewalt abzustempeln, erschreckend.

Die Absage sei auch das Ergebnis moralischer Überlegungen gewesen, erklärte der Sprecher der Liederhalle, von denen allerdings nicht nur die eSport-Veranstaltung betroffen sei. Die Messe Stuttgart hat auch die für April geplante Internationale Waffenbörse (IWB) abgesagt. Turtle Entertainment vermutet hinter diesen Signalen noch andere Motive: “Das war eine politische Entscheidung der Stadt”, sagt der Turtle-Sprecher unter Verweis auf die am 7. Juni stattfindenden Kommunalwahlen in Baden-Württemberg.

Ja vermutlich sogar… der Knackpunkt an der Sache ist, dass ich nicht denke, dass diese Entscheidung etwas am Wahlverhalten des stuttgarter Wählers ändert. Jemand der sich über die ESL als Killerspieler-Versammlung aufregt, wird in der Wahlkabine sein Kreuz nicht anders setzten.

Warum fragt Ihr…?

Einfach:
Leute die ‘Computerspiele’ mit streitbaren und durchdachten Argumenten kritisieren (die ich durchaus respektiere), sind eben die Menschen, welche sich durch das Stattfinden oder das Nicht-Stattfinden der ESL nicht in ihrer politischen Wahl beeinflussen lassen. Darüber hinaus schätze ich diese intellektuelle Gruppe im Allgemeinen als ‘zu klein’ ein, um bei einer Wahl entscheidend zu sein.

Die andere Anti-Killerspiel-Gruppe – also diejenige, die ihre Argumentation vorbehaltlos aus reißerischen TV-Magazinen und der Bildzeitung übernimmt und nicht in der Lage ist, sich eine eigene Meinung zu bilden – könnte Wahl-entscheidend sein… Allerdings ist das Gedächtnis eines Menschen, welcher vorbehaltlos die Inhalte von “Frontal 21″ und “Sterin TV” nachplappert ohne eigene Überlegungen anzustellen so ökonomisch bemessen, dass dieser im Juni keine Ahnung mehr davon hat, dass sowas wie die ESL im Mai trotz des Amoklaufes stattgefunden hat…

…es sei denn natürlich die Bildzeitung schreibt bis dahin darüber. Dennoch kann man den Stadthaltern zumindest keine Inkonsequenz vorwerfen, da sie auch die IWM abblasen…. und diese hätte vermutlich noch mehr Geld in die Stadtkasse gespült als die ESL.

Das Ganze rumgezicke zwischen der Stadt Stuttgart und der dem Ausrichter Turtle-Entertainment will ich nicht ausbreiten, wer, was, wann, wo und wie gesagt hat, sind alles nur Kleinigkeiten. Ich denke wir sind uns gesammelt einig, dass eine Schweigeminute wohl das kleinste Problem gewesen wäre. Eben so ist die Tatsache traurig, dass Computerspielen abermals um drei Ecken die Schuld an der (angeblichen) ‘Verrohung’ der Gesellschaft zugeschoben wird. Interessant finde ich nur die Tatsache, dass die Absage weniger als eine Woche vor dem eigentlichen Termin offiziell wurde – da hätte man sich von beiden Seiten wohl intensiver zusammensetzen können.

Quelle: Heise.de (1, 2)