Dass der Bericht über die Plagiatsaffäre der Bayreuther Uni fast fertig ist, sollte niemanden verwundern. Nicht nur die Arbeit des Projektes Guttenplag, als auch die offensichtliche Menge die Guttenberg abgekupfert hat wird hierbei die Aufgabe recht einfach gemacht haben einen Bericht zu seiner Doktorarbeit zusammen zu stellen. Nun klagt aber Guttenberg mit seinen Anwälten gegen die Vorabveröffentlichung des Berichtes und damit auch gegen etwas, das wir alle bereits gewusst haben.


Bild via guttenplag

Der Bericht soll Ende April fertig sein und bestätigt das, was alles bereits geahnt, selbst gesehen haben und wissen. Guttenberg hat bewusst getäuscht, so der Bericht, etwas das man alleine an der schieren Menge der Plagiate erkennen kann. Dass das Ergebnis dieses Berichtes bereits durchgesickert ist, passt den Anwälten Guttenbergs natürlich nicht, denn das kommt einer Vorverurteilung gleich. In anderen Worten: Man beschwert sich bei der Uni, dass sie einen Bericht über das haben durchsickern lassen, was jeder schon gewusst hat. Eine Vorverurteilung ist im öffentlichen Sinne ist bereits vor Wochen geschehen.

Tatsächlich ist es sogar richtig, dass Guttenberg hier im “gerichtlichen” Sinne vor-verurteilt wird, ganz egal wie offensichtlich seine Tat ist, er hat jedes Recht die Anwälte darauf anzusetzen. Und es ist in der Tat unprofessionell von der Uni Bayreuth, das Ergebnis dieses Berichtes vorab durchsickern zu lassen – ganz egal ob man diesen Bericht nun lesen muss um zu wissen zu welchen Ergebnis er kommt, oder nicht. Allerdings ist auch vielleicht zu viel verlangt von einer Uni, die nicht gemerkt hat, dass ein 300 Seiten starkes Buch auf großen Strecken abgeschrieben wurde, die Füße still zu halten.

Die ganze Angelegenheit hat etwas von einem Kind, dass in der Woche vor Weihnachten im ganzen Haus herum schnüffelt und dann zu Weihnachten ganz überrascht tut, wenn es die Geschenke aufmacht. Auf der anderen Seite tritt Guttenberg hier selbst nochmal nach, den das Klagen gegen die (Vor-)Veröffentlichung des Berichtes (sowie die Behauptung von Vorverurteilung) kommen für die Öffentlichkeit vermutlich geradezu albern herüber. Aus so einem öffentlichen Standpunkt heraus sehe ich eher jemanden mit viel Geld, der mit seinen Anwälten panisch versucht das letzte Bisschen seines Images zu retten, anstatt jemanden der sein gutes Recht einfordert. Mit etwas mehr Misanthropie im Herzen könne man auch hier von einer Diskreditierung der Uni ausgehen, welcher man so im Falle eines Gerichtsverfahrens dann fehlende Sorgfalt vorhalten könnte.

In jedem Fall ist Guttenbergs Verhalten geradezu prädestiniert einen Streisand-Effekt auszulösen. Jetzt schon ist das Interesse was die Uni dazu im Detail zusagen hat bei mir geweckt worden, hätte ich vorher nur das Fazit wissen wollen.

via Spiegel / Zeit

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