Das mag irgendwie seltsam klingen, aber eigentlich tut er mir ja Leid…. okey  irgendwie auch nicht, aber das Ganze ist halt ein… seltsames Gefühl. Gab Guido Westerwelle bereits am Wochenede seinen Posten als Parteivorsitzender der FDP ab, so hat er nun gesagt er wolle auch den Posten des Vize-Kanzlers abgegeben und für den nächsten “FDP-Kalif an der Stelle des FDP-Kalifen” freigegeben.

Der Fisch stinkt nicht nur vom Kopf her

Ich muss sagen, dass ich Westerwelle zwar seit “anno Klappstuhl” nicht leiden kann, aber finde dass die Demontage seiner Person mehr wie die Immunreaktion eines… kann man sagen “wie die Immunreaktion einer Krankheit auf sich selbst wirkt”?

Tatsächlich glaube ich wirklich nicht, dass es hier mit personellen Konsequenzen getan ist, wieso auch? Was hat Westerwelle in den letzten Jahren getan, was die FDP nicht nach Außen hin jubelnd abgenickt hätte? Wenn auch die FDP meiner Meinung nach “nicht viel konnte” (und kann), “einig sein” konnten sie verflucht gut. Ganz egal was die Außenwelle vor sich hin blubberte, alle anderen offiziellen Stimmen standen augenscheinlich fest hinter ihm; Oder zumindest taten sie dies bis nach diesen fatalen Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Natürlich kann ich das nicht belegen, aber ich glaube das mit Westerwelle durchaus eine Person an der Spitze war, die die jetzige FDP sehr gut repräsentiert. Auf der anderen Seite ist es schon relativ schwer zu glauben, dass jemand der zehn Jahre eine demokratische Vereinigung vorsaß, diese im Verlauf von wenigen Tagen nicht mehr repräsentiert.

Obgleich sein Verhalten als Außenminister stellenweise unter aller Sau war (Mitnahme von Personen auf Auslandsreisen, die ihm nahe stehen und die davon profitieren, Hartz 4 Debatte, etc.) denke ich nicht, dass es mit einem entfernen der Causa Westerwelle getan ist. Vor allem wie plötzlich sich die FDP gegen ihr Gesicht wendet lässt nichts Gutes erahnen. War er noch zu den letzten Bundestagswahlen der gefeierte Sieger mit Wahnvorstellungen auf einen gelben Kanzler, kommt das alles trotz Wahlschlappen doch sehr plötzlich. Es wirkt wie eine Panikreaktion auf den Machtverlust, es ist der alt-bekannte, politische Reflex: “Wahlen schlecht? Kopf ab.”

Kopf ab!
Es wirkt als würde man sich im Angesicht der verlorenen Wahlen nach außen hin ein neues Gesicht geben wollen, während man nach innen immer noch die gleiche Partei ist. Fragen wie “Ist unsere Politik richtig?” “Haben _wir_ etwas falsch gemacht.” “Sollten wir unseren Kurs überdenken?” “Wo liegen die Fehler?” sind zumindest nicht an die Presse gelangt und ich bin mir sicher, dass dieses auch nicht wirklich passiert ist. Machtkampf, heißt es einhellig in den Medien, Westerwelle ist geschwächt, die anderen Aasfresser zerreißen ihn nun.

Man sagt zwar der Fisch Stinke vom Kopf, aber in diesem Fall ist es auch für den rest des FDP-Tieres definitiv zu spät.

Wer nun?
Wer auch immer von den jetzigen FDP-Ministern an die Spitze der FDP wird auch in den Posten des Vizekanzlers rutschen und wir werden mit großer Wahrscheinlichkeit in beiden Stellen einen (oder ein und den selben) Guido-Abnicker bekommen. Sauron anstelle von Morgoth ist nicht gerade eine großartige kursmäßige Änderung. Tatsächlich habe ich dieses lauernde Gefühl, das jetzige “Vizekannsnichtmehr” es auch nicht mehr lange als Außenminister macht. Schließlich gibt es keine repräsentativere Position im ganzen Land und kaum eine, die mehr ihr Gesicht in die Kameras hält und ihn als “Gesicht der FDP” in den Köpfen der Menschen bleiben lässt.