25 Feb

Grundsätzlich gibt es bei den Verkehrsbetrieben der RLG, meines örtlichen Nähverkehrsdienstleisters, ein offenes WLAN in fast allen Bussen. Interessanter Weise habe ich nie zu irgendeinem Zeitpunkt gehört oder gelesen, dass das überhaupt offiziell angeboten wird, so bleibt natürlich die Unsicherheit, ob da nicht einfach jemand vergessen hat einen Router in den Bussen zu sichern… Router die vielleicht eigentlich dafür da sind, den Bus-eigenen Nachrichtenticker schön aktuell zu halten und es dem Busfahrer zu ermöglichen in der Pause seine E-Mails zu checken.
Interessanterweise gibt es dafür das beworbene Radioprogramm schon länger nicht mehr. An Haltestellen und sogar auf den Werbeeinblendungen im Bus-Monitor wird damit geworben, dass es doch mehrere öffentlich-rechtliche Radiosender zu hören wären und es sogar einen eigenen Kabarettkanal gäbe. Steckt man allerdings seinen Kopfhörer im Bus in die Buchse über dem Sitzplatz ein, merkt man, dass alle Sender tot sind und auf dem ganzen Gedöns kein Saft befindet. Warum das so ist, habe ich aber bis jetzt nicht ergründen können… da ich in meiner Schulzeit am Gymnasium im Nachbarort eine starke Aversion entwickelt habe mit diesen Personen zu kommunizieren.
Das liegt übrigens weder an meinen Respekt vor “Nicht während der Fahrt mit dem Busfahrer sprechen”-Schildern (wer nicht während einer entspannten Autofahrt kommunizieren kann, sollte nicht berufsmäßig ein Personenbeförderungsmittel fahren) sondern eher daran, dass alle Bssfahrer in meiner Schulzeit schreiende Unsympathen waren…
…in jedem Fall, dieses offene WLAN kommt zu einem gewissen Preis:
Den Creep.
Seitdem ich drauf geachtet habe, hat sich bis jetzt in jedem der Busse der RLG fast immer einen Creep wiedergefunden. Zwar nicht jedes Mal die gleiche Person, aber in jedem Fall ein Creep. Stoppeliger Oberlippenbart eines Kinderschänder Azubis? Check. Alte Fliegerbrille bzw. ein Modell das allenfalls noch an Derrick aussieht? Check. Fleckige, hell-farbige Stoffhose? Check. Und nicht zu vergessen, das ausdünnende, speckige Haar das einheitlich, einer unsichtbaren Strömung folgend, nach vorne rechts, bzw. vorne links ausgerichtet hat.
Gehört diese Person zusammen mit den WLANs zur geheimen Ausstattung des Busses? Ist er vielleicht der Ein-Euro-Jobber der mit Gedankenkraft seine Hypothenuse mit 2.4 GHz zu schwingen bringt und so das WLAN generiert? Kann ich nicht sagen, aber diese Häufung der Subspezies Homo Sapiens Creepicus wundert mich schon etwas. Wenn er tatsächlich zu einem geheimen Inventar des Busses gehört, was gibt es dann noch?
Gibt es eine Sitzheizung, die man im Winter mit einem geflüsterten Passwort aktivieren kann? Hat man in der Nähe der hintersten Bank einen geheimen Ypshefte- und Pokemonspiele-Verteiler eingebaut, dass sich dort immer eine gewisse Altersgruppe von Schülern sammelt? Vielleicht gibt es irgendwo beim Busfahrer einen geheimen Spinnenbeinmodus statt der Räder zu aktivieren… aber ich schweife ab, der Creep.
Nicht das ich etwas auf Aussehen gebe – oder zu geben versuche, ich bin ja selbst ein Modeopfer, dass zum erschrecken seiner Kollegen ‘diesen abscheulich gelben Pullover!’ mag (er ist warm!)- aber bei diesen Leuten hat man einfach ein unwohliges Gefühl. Dass ich damit nicht alleine bin, sieht man daran, dass oftmals – selbst in einem vollbesetzten Bus – der Creep alle anliegenden Sitzplätze gleich mit frei hält.
Dazu kommt es das zumindest einer der drei mir bekannten Creeps die Eigenart hat in einem unverständlichen Murmeln kontinuierlich vor sich hin zu murmeln, so dass ich mir nie sicher bin ob dort gerade Gollum Integralgleichungen im Kopf löst, oder er nochmal seinen Plan durchgeht gleich seinen ureigenen Zombivirus in genau diesem Bus loszulassen… könnten aber auch die Statusmeldungen vom WLAN-Protokoll sein.
In jedem Fall kann ich behaupten, dass es bis jetzt die ‘befremdlichsten’ Personen sind, die mir im Bus bis dato begegnet sind – die Frau die direkt neben mir in Tränen zerfloss mal ausgenommen. Tatsächlich war ich schon mehrmals am überlegen, ob man beim ignorieren dieser Person nicht unwissentlich Teil eines verschrobenen Streetartprojekts wird, dass versucht die Mine der Abneigung in der heutigen Gesellschaft zu ermitteln, aber auf der anderen Seite wirken diese Leute zu authentisch, als das diese Hoffnung möglich erscheint.
P.S.:
Post wurde gestern auf der Hinfahrt nach Osnabrück geschrieben und heute auf der Rückfahrt im Bus abgeschickt.
Der Creep sitzt gerade drei Reihen vor mir…
..und stiert die ganze Zeit mein MacBook an.
Schlagworte: Bahngedanken
Ein Kommentar for "Bahngedanken: Creepy"
Als jemand der zur Uni pendelt, weiß ich genau was du meinst, nur das “meine” Creeps kein WLAN generieren :)
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