Ich wollte eigentlich das Thema Guttenberg ausklingen lassen, für mich war eigentlich alles gegessen und verdaut. Eventuell noch ein hämischer Kommentar, dachte ich mir, aber die Dreistigkeit in mit  der seine “Entschuldigung”  Bürger für dumm verkaufen will bringt mich fast zum platzen. Lest selbst!

Folgende Aussagen wurden von Guttenberg bei einem Wahlkampfauftritt in Kelkheim gemacht:

“Und nach dieser Beschäftigung – meine Damen und Herren – habe ich auch festgestellt wie richtig es war, dass ich am Freitag gesagt habe, dass ich den Doktor-Titel nicht führen werde. Ich sage das ganz bewusst, weil ich am Wochenende, auch nachdem ich mir intensiv diese Arbeit noch einmal angesehen habe, feststellen musste, dass ich gravierende Fehler gemacht habe;”

Will der uns eigentlich verarschen? Er hat eine 400-seitige Arbeit geschrieben, das sechs Jahre lang und ihm ist beim wiederholten Durchlesen nicht aufgefallen, dass er in (vermutlich) in über 70% der Seiten un-zitierte und abgekupferte  Textpassagen hat? Ihm ist nicht ein einziges mal wieder eingefallen, dass er scheinbar eine Ganze, mehrere Seiten lange  Passage fast ungeändert vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestages übernommen hat? Und wenn dann kam ihn nicht in den Sinn, dass das Betrug sein könnte? Sechs Jahre lang ist ihm selbst entgangen, dass er  kopiert wie ein Laserdrucker, aber erst dann als er dann am Wochenende mal eben vor Kamin die Arbeit durchgelesen hat, ist es ihm aufgefallen?

Mittlerweile kann man sich wirklich, ernsthaft fragen, ob Guttenberg da nicht tatsächlich hat abschreiben lassen!

Gravierende Fehler, die den wissenschaftlichen Kodex, den man so ansetzt, nicht erfüllen.

Genau, der Kodex der Wissenschaftlichen Arbeit ist auch nur etwas, dass “man so” ansetzt. Das hat nichts mit Forschungsethik oder Wissenschaft zu tun, das setzt man nur so an… wenn man es okey finden würden, dass man seine Arbeit, macht in dem man Zeitungsausschnitte durch einen Xerox-Kopierer schickt, wäre das alles kein Problem. Wissenschaftler sind ja nur Leute die sich viel zu ernst nehmen und starren den ganzen Tag Tafeln voller mathematischer Formeln an, bis ihnen eine Idee kommt – die auch Otto-Normalbürger hätte haben können.

Ich habe diese Fehler nicht bewusst gemacht. Ich habe auch nicht bewusst oder absichtlich in irgendeiner Form getäuscht und musste mich natürlich auch selbst fragen, meine Damen und Herren: Wie konnte das geschehen, wie konnte das passieren?

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich nur die Wahl zwischen einen Lügenbaron habe, der seine Arbeit in Auftrag gibt und intelligent zusammen kopiert hat und einem Verteidigungsminister, der tatsächlich so dämlich ist, dass er in sechs Jahren nicht einmal merkt wie er massiv abschreibt, dann nehm’ ich doch den Lügenbaron. Der weiß nämlich bestens über die militärische Taktik der Täuschung beschied.

So ist es, dass man nach – einen Blick dann zurückwirft und feststellt, man hat sechs, sieben Jahre an einer solchen Arbeit geschrieben und hat in diesen sechs, sieben Jahren möglicherweise an der einen oder anderen Stelle, an der einen oder anderen Stelle auch zu viel, auch den Überblick über die Quellen verloren.

Wie kann man von jemanden, der es nicht schafft über seine eigenen, wissenschaftlichen Erarbeiten den Überblick zu behalten, eine Bundeswehr zu reformieren?

Wen will dieser Mann eigentlich verarschen?

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Quelle Spiegel.de