Freude, Freude!
Ach, diese von Wiki-Leaks veröffentlichen Depeschen sind ein Quell unsagbarer Freude. Auch wenn man bei dem, was bis jetzt herauskam  sagen muss, dass die USA auch nicht so viel mehr ‘Insight’ in die deutsche Politik-Elite haben als der Rest von uns. Nichts Neues im Staate Teutonien und auch kein großartig anderes Licht, dass die Amis auf unsere Politiker werfen könnten: Merkel lässt alles an sich abtropfen und Westerwelle hat keine Ahnung von seinem Job. Ja, Das hab ich schon mal gehört. Aber natürlich ist es einfach unbezahlbar, dass uns dieses eine Papier den Nickname ‘Angela “Teflon” Merkel’ gebracht hat.

Internationale Freude!
Ganz anders sieht das natürlich auf dem internationalen Niveau aus. Wir bekommen Details über Staatschefs und Politiker mitgeteilt, die man so nie gehört hätte. Persönliche Einschätzungen der Diplomaten, Dossiers und Interna werden hier Preis gegeben. Hierbei sind nicht nur Interaktionen mit Amerika aufgeführt, sondern auch Berichte über das Verhalten dritter Staatsmänner: Welcher Staatschef wird wie eingeschätzt, wie hat sich ein Diplomat aus Land X gegenüber dem Außenminister aus Land Y verhalten? Wie kann man am besten die deutschen Zweifel an den USA beseitigen? Das sind stellenweise natürlich hoch zwar interessante Details, Details die Fragen aufwerfen werden… aber zum Teil Dinge, die meiner Meinung nach einfach nicht zu interessieren haben. Dinge deren Formulierung mehr Unmut anrichtet, als deren Inhalt.

Freude für die ganze Familie!
Nebenbei, ich denke dass gerade bei diesem ersten Veröffentlichung (weniger als 300 von 250.000 Datensätzen) von Wikileaks genau darauf geachtet wurde, dass man besonders viel internationale Aufmerksamkeit damit auf sich zieht. Das Westerwelle ein außenpolitischer Blindgänger und “No Genscher” ist, ist nichts Neues und nichts was man sich nicht auch ohne die Depeschen hätte zusammen reinem können.
Diese Depeschen über Merkel, Brüderle und wurden allein deswegen gewählt, damit der Spiegel und die restlichen Medien schon einmal was zu schreiben haben und nun alle Welt versucht auf die WikiLeaks Seite einzustürmen.

The Dark Side Of Freude
Neben all den Einsichten die wir bekommen wird hier nun auch viel von dem Preis gegeben was die USA “hinter verschlossenen Türen” über andere Staaten und Menschen denken. Sicherlich hat man nichts zu verbergen, wenn man seine Depeschen möglichst nüchtern hält und einfach nicht schlecht redet. Aber ich würde mit Sicherheit auch nicht wollen, dass alles was ich über manche Personen denke an die Öffentlichkeit gelangt. Der Mensch kann nun mal nicht immer seine Meinung ‘nett’ ausdrücken.

Echt? Vermutlich.
Die schiere Menge der Dokumente und die Menge der abgedeckten Themen ist eine Art von Echtheitsbekundung. Und natürlich ist z.B. die Tatsache, dass US-Außenministerin Hillary Clinton alle 30 Botschaften der USA angehalten haben soll über UN-Mitarbeiter Daten zu sammeln eine der Sachen, die meiner Meinung nach an die Öffentlichkeit gehören…

…aber muss wirklich jede private Meinung eines Botschafters und Konsuls an die Öffentlichkeit? Klar mag man sagen “Ganz oder gar nicht”, damit man sich einen ungefilternten Überblick über das Material verschaffen kann. So kann sich WikiLeaks auch nicht vorwerfen lassen eine Pre-Selektion des Materials gemacht zu haben, die ein einseitiges Licht auf die USA wirft, aber wiegt der veranstaltete diplomatische Schaden nun die aufgedeckten Skandale auf?

Beim Irakkrieg habe ich mir aufgrund des Themas wesentlich weniger Sorgen gemacht, ob die Veröffentlichung dieser Dokumente richtig ist, als es hier der Fall ist. Hier bin ich mir wirklich nicht sicher, ob die Welt nicht ohne diese Informationen so gut davon gekommen wäre.

Ich weiß auf jeden Fall, was ich vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten mit diesen Daten gemacht hätte …und um mal Akiwuff zu zitieren: “Ich weiss nur, das die russen, damals im kalten krieg, fuer so ein datenpaket alles gezahlt haetten was du willst, inklusive 10 kilo rohdiamanten.”

P.S.:
Laut Spiegel, ist übrigens derjenige der den Amerikanern (teils vertrauliche) Informationen aus den Schwarz-Gelben Koalitionsgesprächen mitteilte ein “junger, aufstrebender FDP-Politiker”… Ich begrüße hier schon mal den nächsten FDP-Parteichef. denn einen besseren Opportunisten und Kapitalisten als einen (Hoch-)Verräter kann ich mir gar nicht vorstellen.