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Es ist schon irgendwie traurig, von allen bedenklichen Dingen die Google macht und welche der Bevölkerung aufstoßen könnten (oder sollten) ist es gerade das Street View Programm, welches die Gemüter erregt… und bester Indikator eines Weltverständnisses von Vorgestern.

Datensammlung durch die Google-Suche, -Mail und -Buzz, das herum schnippeln an der Netzneutralität und diverse Aussagen die Eric E. Schmidt getroffen hat sind Dinge, die mir persönlich mehr Angst machen als Street View. Ehrlich gesagt machen mir manche dort einsehbaren Straßen mehr Angst als Street View selbst. Dennoch, die Vorstellung einer großen Datenkrake, welche Informationen über mich sammelt und damit recht genau mein Privatleben nachzeichnen kann, ist natürlich auch mir unangenehm.

Warum denn so Datenschützerisch?
Ich verstehe die Bedenken und die Beschwerden, welche im Falle von Google-Street View auf dem Tisch sind. Wenn es nach dem deutschen Datenschutzgesetz ein Problem ist in jemandes Vorgarten zu schauen und das zu veröffentlichen, oder man gewisse Momentaufnahmen nicht im Netz haben will, dann sollte man diese auch herausnehmen können – vor als auch nach der Veröffentlichung des Dienstes.
Trotzdem ist die Vehemenz mit der das Sommerloch mit dieser Thematik gefüllt wird schon ein wenig befremdlich. Man könnte das meinen dass die in der Öffentlichkeit stehenden Gegner des Projektes ihren Arbeitsalltag damit beenden, dass sie die Veilchen im Vorgarten aus Eigenproduktion frisch düngen.

Populismus Hooooooo!
Gerade dass eine Datenschutzdebatte ausgerechnet um Street View entbrennt zeigt, wie schwer sich die meisten unserer “Obersten Beamten” mit den Möglichkeiten und Problemen der Neuen Medien tun. Es ist für einen Politiker scheinbar leichter zu verstehen, dass da eine Wahrscheinlichkeit besteht, jemanden mit herunter gelassenen Hosen im Garten aufgenommen zu haben… als zu verstehen, dass man gegenüber Google jeden Tag die Hosen ein wenig mehr symbolisch herunter lässt.
Zudem kommt das Ganze ja wirklich passend, zum Ende des Sommerlochs – die ganze Street View-Thematik hängt schon seit Wochen und Monaten in der Luft, aber jetzt erst kommen diverse Personen dazu ihre Backen dick zu machen und ihre Meinungen darüber zu äußern. Die schönsten und aufrichtigsten Meinungen sind halt die, die getroffen werden bevor jedermann eine Meinung dazu hatte.
Bei all der Diskussion kann endlich auch einmal Verbraucherschutzministerin Aigner ihr Gesicht in die Kameras halten. Sie und jede Menge weiterer Politiker rudern nun mit den Armen und stimmen der vermeidlichen Volksmeinung (AKA BILD-Meinung) zu, dass Street View doch bööööse sei. Böse Zungen mögen da behaupten, diese Personen befänden sich in der Sorge das Volk könnte nun sehen, wass man sich so alles von einem Abgeordnetengehalt leisten könne.
Selbst unsere Aussenwelle konnte mal wieder nicht an sich halten und meinte sich melden zu müssen: Er wollte doch nicht, dass sein Haus für jeden Proletarier (Ausschmückung des Autoren) vom heimschen Sessel aus ansehbar sei – ich frage mich hingegen einfach nur, wann der Mann endlich etwas Markantes in der Aussenpolitik tut.

Ich wette, dass dem Großteil der Bevölkerung es vermutlich egal ist, ob sie ihr Haus im Internet sehen können, oder nicht. Wer wohnt schon in einem Haus, dass so eine hohe Mauer um den Vorgarten hat, dass nur noch das Street View-Auto drüber schauen kann… mhh vermutlich Politiker und Chef-Redakteure…

Es gibt VIEL schlimmere Dinge
Finde ich Street View schlimm? Nein nicht wirklich, aber zugegeben ich mache ja auch nichts auf der Straße, dessen ich mich schämen müsste (meistens jedenfalls). Verstehe ich hingegen, dass es für manche Leute ein Problem ist? Durchaus.
Dennoch könnte ich mir gerade im Falle von Goole dutzende Dinge vorstellen, die man sich als Staat zuerst anschauen sollte. Denn gerade die Street View-Daten von Google sind nichts, was (bis jetzt) irgendeiner Datenkrake helfen könnte euer Privatleben nachzuzeichnen und sind nicht im geringsten so delikat wie die Zusammenführung von Name, Adresse und Kaufverhalten.

Selbst die von Real engagierten Datenjonglierer wissen weit mehr über ihre braven Payback-Kunden als Ihr Euch vorstellen könnt – Statistiken und Datamining sei Dank. Mittlerweile kann man beim bloßen Blick in einen Einkaufswagen -auch ohne Payback- abschätzen, wie alt ein Kunde ist, was er Beruflich macht, wo er arbeitet, wo er in Urlaub fahrt, wie viel Gehalt er bekommt, ob er ledig ist und wie Fit er vermutlich ist…
…und daher kann man auch Abschätzen wie hoch seine Leistungsfähigkeit ist, ob er für Herzkrankheiten anfällig sein wird und wie lange er in etwa leben wird, wenn er sich weiter so ernährt.
Gleiches gilt natürlich für die von Google mitgeloggte Surf-Statistik, die Schlagwörter in den Emails, das Klickverhalten auf AdWords, welche Videos man sich so anschaut und so weiter und sofort. In Anbetracht dessen wäre es mir ganz egal ob jeder in meinen Vorgarten gucken kann, denn die einzigen die sich das Maul darüber zerreissen ob man seinen Rasen mäht oder nicht, sind die eigenen Nachbarn – und die brauchen kein Street View um in Euren Vorgarten zu schauen.

Zugegeben, sicherlich sind es Privatverträge, wenn man mit Google interagiert und in Fall von Street View liegt ein Eintauchen in Privat- und Öffentliche Räume vor… dennoch, die Information “Wie sieht das Haus der Adresse XY aus.” gibt nicht viel her, es ist eine Momentaufnahme eines Hauses, wer weiß ob dort überhaupt das gleiche steht.  Alle wichtigen und interessanten Daten gibt es schon auf Google-Maps. Man kann zudem noch nicht einmal sagen wer in einem abgelichteten Haus zum Zeitpunkt der Aufnahme gelebt hat. Darüber hinaus ist es meiner Ansicht nach einfach nicht möglich solche Daten in irgendwelche verwertbaren Informationen umzuarbeiten.

Weitere Artikel zu dem Thema:
netzpolitik.org
spiegel.de
spiegelfechter.com


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