Dieser Post wurde einfach zu lang für den kommenden UwhCdzt?!, drum koppele ich ihn aus:

Umgang mit Schwulenhass – Westerwelles moralisches Harakiri (spiegel.de)

Außenminister Westerwelle, Partner Mronz: “Wir wollen die Toleranz in der Welt befördern” – Guido Westerwelle ist schwul und nimmt seinen Freund gern mit auf Reisen. Doch Länder, in denen Homosexualität strafbar ist, besucht er solo. Er wolle die Toleranz in der Welt fördern, aber nicht “unüberlegt” handeln, sagt der Diplomat. Eine Schande, meint Henryk. M. Broder.

Ich finde ja, dass fast alles was Westerwelle sagt moralisch in irgendeiner Weise verwerflich und eine Schande ist, aber mich fragt ja keiner. Ich möchte das aber etwas anders beleuchten, denn überraschender Weise befindet sich Guido Westerwelle hier in einer Situation die ich niemanden Wünsche, nicht mal ihm.

Je nachdem wie man es dreht, begeht Westerwelle entweder einen ‘Affront’ gegenüber Ländern wie den Iran, oder er zeigt diesen gegenüber ’Schwäche’. Einen Kompromiss gibt es in diesem Fall nicht, entweder er nimmt seinen Lebensgefährten in Länder wie Saudi-Arabien,  Sudan und den Iran mit, oder nicht – Stückchenweise funktioniert halt nicht. Natürlich stellt sich hier die Frage, ob es diplomatisch nun wirklich einen Unterschied macht, dass Ahmadinedschad nicht nur ein schwuler Außenminister gegenüber sitzt, sondern noch zusätzlich dessen schwuler Lebensgefährte hinter den Kameras wartet.  Da die Entscheidung Westerwelles darauf aber hindeutet, werde ich einfach mal für den Rest des Textes davon ausgehen.

Tolerance or Death?
Es ist wieder einmal die Frage, wie tolerant wir eigentlich sein sollen, wenn um die Interaktion mit anderen Kulturen geht. Eben die Frage “Wie Tolerant dürfen wir sein.” über die in Deutschland nicht diskutiert werden darf, es sei denn man möchte sich selbst in die braune Ecke abschieben. Dazu kommt, dass es eine  Grundregel der Diplomatie ist sich nicht wie die Axt im Walde zu benehmen: Man geht nicht als Han Solo verkleidet auf eine Star-Trek-Only-Convention (ohne dass man sich mit dem nächstbesten Spock auf ein gefaketes Duell einlässt und verliert).

Auf der anderen Seite muss man in seiner Position als Diplomat auch die Interessen seines Landes vertreten und das geht nun mal nicht, wenn man offenkundige Schwäche zeigt, erst Recht wenn man mit Leuten diskutiert, die es für völlig legitim halten bestimmten Bevölkerungsgruppen mit der Todesstrafe zu drohen. Für Westerwelle formt sich, dass zu einer No-Win-Situation, aus der er den deutschen Standpunkt aus nur schwächen kann.

Ich sagte damals schon, dass gerade weil ein großer Teil der Welt in dieser Hinsicht schlicht und ergreifend ‘moralisch rückständig’ ist (ja ich weiß, gefährliche Wortkombo) war Westerwelle für das Amt nicht die Idealbesetzung. Natürlich sollte es das nicht so sein und natürlich ist das eigentlich zu Verurteilen, aber diplomatisch ist so etwas ein Hinderniss, wenn man in ein Land reist in dem Hassprediger Frauen und Homosexuelle Menschen unterdrücken.

Ein dicker, rosafarbener Elefant im Raum (pun intended)
Der Kern der Sache liegt aber darin, dass dieser Elefant überhaupt in den Raum gebracht wurde… oder besser gesagt, dass Westerwelle seine Klappe nicht halten konnte und den Dickhäuter gleich auch noch in der Öffentlichkeit abstach. Seine Aussage seinen Lebensgefährten nicht mehr in bestimmte Länder mitzunehmen unterstrich er auch noch mit einem: “Wir wollen den Gedanken der Toleranz in der Welt befördern. Aber wir wollen auch nicht das Gegenteil erreichen, indem wir uns unüberlegt verhalten.” Der Spiegel-Kommentar hat hierbei Recht, wie will er “den Gedanken der Toleranz in der Welt befördern”, wenn er auf die Intoleranz seiner Gastgeber Rücksicht nimmt?

Ich sage: “Ganz einfach, in dem man die Klappe hält oder seinen Lebensgefährten von Anfang an nur auf ausgesuchte Reisen mitnimmt.”

Ich habe nichts gegen einen schwulen Außenminister, aber sehr etwas gegen einen Außenminister der es nicht schafft  solche elementaren Überlegungen am Anfang seiner Amtszeit zu machen.

Westerwelle, sein Freund und die Fanatiker, 5.0 out of 5 based on 3 ratings