8 Aug

Wir müssen hierbei ein klein wenig ausholen, denn diese Idee ist angeheizt durch das Urteil des Europäischen Menschengerichtshofes (EGMR, hat nichts mit der EU zu tun, der heißt nur so), dass die deutsche Strafvollzugspraxis die Sicherungsverwahrung eines Gefangenen nachträglich zu verlängern, illegal ist.
So ich mich nicht verlesen habe (korrigiert mich wenn ich falsch liege), tritt die Sicherungsverwahrung nach der lebenslänglichen Strafe eines Täters in Kraft, wenn dessen Gnadengesuch zwar stattgegeben wurde, aber ein psychologisches Gutachten den Täter immernoch als ‘gefährlich’ einstuft.
~70 kleine Schwerverbrecher, saßen nicht mehr eiiiin…~
Dieses Urteil hat nun also zur Folge, dass ca. 70 Schwerverbrecher, welche von der deutschen Justiz immer noch als gefährlich angesehen werden und eine solche ‘Sicherungsverwahrungsverlängerung’ erfahren haben, auf freien Fuß gesetzt werden müssen. Die Begründung ist, dass es sich laut Auffassung des EGMR bei der Sicherungsverwahrung um eine Strafe handelt und Strafen dürften nicht im Nachhinein verlängert werden. Karlsruhe hingegen hält dies für eine ‘Maßregel der Besserung und Sicherung’, hat aber hierbei nicht das letzte Wort.
Das ist natürlich – gelinde gesagt – überhaupt nicht schön, dass nun 70 Menschen (meiner Meinung nach aber aus einer nachvollziehbaren Argumentation heraus) frei kommen, welche die deutsche Justiz als ‘gefährlich’ wähnt …
Die Presse dazu
…doch in der Presse und in der Öffentlichkeit kommt dies natürlich ganz anders an und wird stellenweise bewusst noch kritischer dargestellt, so dass man als Fernsehzuschauer glauben mag, die lokale Nachbarschaft würden bald von Kinderschändern überschwemmt. Während die Minister und Länder nun panisch versuchen allgemeingültige Lösungen aus diesem Debakel zu finden und Fußfesseln hierbei bisher der heiße Vorreiter sind, nutzt die deutsche Polizeigewerkschaft die den allgemeinen Zustand der Beklemmung für ihre eigene Propaganda und fordert einen Internetpranger für Schwerverbrecher.
Es handelt sich hierbei um eine Plattform, auf der man nach amerikanischen Vorbild sich das Foto, den Wohnort und die Daten freigelassener Triebtäter oder sonstigen Schwerverbrecher ansehen kann – nur für den Fall das der nette neue Nachbar von gegenüber nicht doch der deutsche Charles Manson ist. Damit zu rechnen, dass dieses auf Dauer nur für die 70 Sonderfälle gemacht wird, wäre schon etwas naiv.
Der Pranger, menschliches Kulturgut
Ach ja ein Pranger, selten hat die Menschheit ein solchen Pfeiler der Hochkultur entwickelt. Es ist mir ein Rätsel, warum man keine Schüler mehr mit der Idiotenkappe in die Ecke des Klassenraums verweisen darf. Ein Pranger ist ein gesellschaftliches Ereignis, so konnte man schon im Mittelalter sich mit seinen Freunde versammeln, um gemeinsam mit ihnen Eier und Faules Obst auf den Angeprangerten zu werfen. So etwas kann problemlos auch als Familienerlebnis durchgeführt werden und trainiert zudem den Wurfarm.
Was die moderne Internetversion angeht, sind die Möglichkeiten noch mannigfaltiger, was den Pranger zu einer herausfordernde Version des alleseitsbeliebten Geocachings werden lässt. Der Pranger ist kein stationäres Ziel mehr, sondern muss aktiv verfolgt und eingekreist werden, was aus dem Solo-Vergnügen mit Sozialaspekt einen Mannschaftssport macht.
Aktionismus ist per Definition dämlich
… ist das eigentlich eine Krankheit unter Polizisten, dass deren Wahrnehmung von Menschenrechten irgendwie geschädigt ist? Man merkt meiner Meinung nach hierbei eine sehr problematischen Fehler im angeblich resozialisierenden, deutschen Justizsystem. Zwar ist es nicht schön, dass nun diese 70 Gefangenen auf Freiersfüßen wandern, aber ein Internetpranger ist die sozialwissenschaftlich rückständigste Idee, die irgendjemand in den letzten 20 Jahren gehabt hat.
Ein Gefangener, der seine Strafe abgesessen hat, darf nicht an einen Pranger gestellt werden – das ist einfach falsch, ganz gleich warum seine Strafe vom Justizsystem beendet wurde. Wenn allerdings, auf einer regulären Basis Gefangene auf freie Füße gesetzt werden, die immer noch unter einer asozialen, psychischen Veranlagung leiden, dann ist etwas faul hinter den schwedischen Gardienen.
Denn das jemand “gefährlich aber frei” ist, ist der einzige Grund warum man so einen Pranger überhaupt braucht – und das nicht mal ein Guter. Entweder gibt es einen Grund die lebenslängliche Strafe auszusetzen oder es gibt keinen – was meiner Ansicht nach die Sicherungsverwahrung und die Kriterien für die Aussetzung einer lebenslangen Strafe in Frage stellt.
Natürlich sage ich nicht, dass jeder Gefangene irgendwann freigesetzt werden sollte, aber wenn man sich um einen resozialisierenden Strafvollzug bemüht, gibt es meiner Ansicht nach nur drei Optionen, entweder man belässt einen Lebenslänglichen im Strafvollzug, man lässt ihn frei, weil er sich gebessert hat oder man entlässt ihn in eine kontrollierte Umgebung in der er therapiert werden kann, da sein Verhalten durch eine kranke Psyche bedingt ist.
Internetpranger sind per Definition dämlich
Darüber hinaus ist es nicht Aufgabe des Staates in diesem Maße Verbrechensprävention zu betreiben, dies ist eine Tendenz die mir persönlich in den letzten Jahren immer mehr aufstößt. Es ist die Aufgabe des Staates Verbrechen aufzuklären und so zu ahnden, dass die Verbrecher sich nach dem Vollzug wieder in die Gesellschaft integrieren können.
Ein Internetpranger ist dagegen ein Mittel, das als präventive Maßnahme zu sehen ist, welche der ganze Idee der Resozialisierung und Reintegration einmal quer durch das Hirn fickt… laut meiner Auffassung wird so ein Pranger sogar viel mehr das Gegenteil erreichen, indem er Angst bei der Bevölkerung schürt. “Ein entlassener Kinderschänder wohnt in unserer Nachbarschaft, wunderbar! Warten wir bis er zu nah an einen Spielplatz kommt und schon ist er Freiwild!”
Jemand der seine Strafe abgesessen hat, sollte so behandelt werden – und jemand der seine Strafe abgesessen hat sollte eigentlich auch wieder gesellschaftsfähig sein oder sich in Behandlung befinden. Wer seine Strafe abgesessen hat, hat seine Strafe abgesessen – ob das deutsche Strafsystem allerdings dafür geeignet ist, Verbrecher wieder in die Gesellschaft einzugliedern und zu entscheiden, ob ein Verbrecher besser frei kommen sollte, im Knast bleiben oder therapiert werden… das ist eine ganz andere Sache.
Schlagworte: Internetpranger, Politik, Polizei, Schwerverbrecher, Sicherungsverwahrung
13 Kommentare for "Polizeigewerkschaft fordert Internetpranger für Schwerverbrecher"
Jetzt mal im Ernst, das mit der Eingliederung in die Gesellschaft läuft meistens nicht so toll, viele werden rückfällig, bei dir klingt es so als wäre das kein Problem und alle die ausm Knast kommen sind dann gesetzestreue Bürger…
…du hast den letzten Satz gelesen, oder?
So nen Pranger wäre schon ne witzige Sache. Ganz einfach weil schon ohne Pranger muss die Polizei ja so manchen Freigelassenen Schwerverbrecher überwachen und “schützen” vor den Rechtschaffenden Gut Menschen Mob. Und wenn man ganz weit denkt könnte es sogar potenziellen Straftätern die möglichkeit geben ihre Taten jemand anderen unter zuschieben, weil ein Rückfall wäre ja durchaus möglich.
waaah wirre gedanken.
Ich glaube auch das ein Internetpranger die betroffenen Personen weiter destabilisiert, auch weiterhin Straftaten zu vollziehen. (Angst, Druck, Nötigung, Leid, alte Erfahrungen)
Auch stört es mich, dass wir noch keine Strafmaßnahmen gegen Politiker oder solche Gruppen einleiten die Ideen aus dem Mittelalter wieder aufgreifen.
Als nächsten Schritt, könnte man ja die Geo-Daten der Fußfesselträger über Google-Maps für alle zugänglich machen. Oder auch ne gute Idee wäre, quasi so im Big Brother Stile, die Wohnungen der Straftäter der Wohnungen sind komplett Videoüberwacht und wenn er das Haus verlässt muss er so en lustigen Hut mit Kamera drauf tragen. Natürlich dürfen alle rechtschaffenden Bürger 24/7 auf die Kameras per Internet zugreiffen mit Ton! Das ist öffentlich-RECHTLICHES-Fernseh wie ich das sehen will.
Tja, Europäscher Menschen Gerichtshof, so wie man es sehen will.
Für alle nochmal die Informationen: Diese 70 Personen haben ein Gutachten vorliegen von Psychologen das besagt: Die Leute sind nicht krank genug das sie in die Geschlossene gehören, aber wenn man sie Freilässt wird ihre geringe Soziale Hemmschwelle dazu führen das sie sehr wahrscheinlich erneut Morden oder ihren Trieben nachgehen..
Den Leuten wurde in den letzten 5 Jahren meist eine
resozialisierungs Therapie zu geben, das sie halt nicht rückfällig werden, wenn der Psychodoc aber sagt: Es hat nichts gebracht, dann werden sie in Sicherungsverwahrung gegeben. Das heißt dort werden sie weiter vom Psychodoc betreut damit sie als: “Sozialgefestigt” Entlassen werden können.
Das heißt aber auch das sie Freigang haben etc etc und in geringer Sicherheitsstufe leben, wenn sie Einsichtig sind und sich behandeln lassen wollen…
Das ganze kostet nen Heidengeld und ne Fussfessel ist deutlich billiger, dennoch wollte der Dt Staat es nicht…
Das sollten alle bedenken die da was sagen: Den Leuten in Sicherheitsverwahrung haben die Psychodocs ne Rückfallwahrscheinlichkeit von über 70% zu einem erneuten Verbrechen gegeben… erst wenn die Wahrscheinlcihkeit unter 50% ist kriegen sie freigang und wenn sie als Sozialgefestigt gelten ( unter 10% ) kommen sie raus.
Das die Polizei Gewerkschafft das fordert… Ist relativ klar, sie wollen die Verunsicherung der Bevölkerung senken, und die Leute in den Wahnsinn treiben das sie möglichst schnell wieder hinter Gittern landen…
Weil dann kann man ja Nachlesen wer seine Frau vor 25 Jahren vergewaltigt hat und wieder rumläuft…
Und diese Wissen es das es jeder weiß und das führt in Paranoia und erneute Zwänge, nach 6 Monaten kommt ein Psychodoc hat mit der Person ein Gespräch und er kommt in die Geschlossene.. Das ist der Plan der Polizei.
Vielleicht solltest du noch dazuschreiben, welcher Polizeigewerkschaft dieser Hirnfurz entwichen ist. Es gibt derer nämlich drei, und bis vor kurzem war es bloß der Bund Deutscher Kriminalbeamten (BDK), der sich durch brilliante Einwürfe Marke Internetresetknopf hervorgetan hat.
Ehm… ich sag mal so… ich hab so die Vermutung, dass dann mehr Strafttäter auftreten, wenn es so einen Pranger gibt und zwar die Leute die sich bei denen rächen wollen
(Im Beispiel von Sardo der Mann der vergewaltigten Frau)
Wäre nicht die einfachste in eigentlich auch naheliegendste Lösung, einfach die lebenslange Haftstrafe zu dem zu machen, was das Wort aussagt? Lebenslang?
Eigentlich ne gute Idee Plainswalker, nur wer soll das zahlen? Und wohin mit den ganzen Leuten?
Die werden doch schon lange nichtmehr (nur) wegen guter Führung frühzeitig entlassen, sondern (auch) weil die Gefängnisse einfach zu voll sind.
Und bitte jetzt keine Vorschläge die zur Todesstrafe führen!
Fußfesseln oder wirkliche Lebenslange strafen wären meine Wahl!
die sollten ihre Kosten selber erarbeiten und wenn sie nicht arbeiten bestraft werden zb weniger essen ; keine belustigung besuche etc
Arbeitstrupps gibts in Amerika schon und ich weiß ned aber ich find das ganz sinnvoll. Ich mein sie sind selbst schuld, dass sie im Knast sitzen, und wenn sie da eh schon sitzen dann können se sich ja nützlich machen :D
(Und man kann nie genug Autobahnen haben ^.^
Vorallem unbeschränkte <3)
Ich wünsche mir eine Seite ala Ratemycop.com für Deutschland.
Dort kann man Polizisten mit Klarnamen und Dienstelle eintragen.
Da liest man dann z.B. von einem Polizisten der einem Mann dessen Auto abgeschleppt wurde mit einem Schlag das Genick brach. Mit Klarname und Dienststelle.
Der Mann hatte wohl unvorsichtigerweise auf seine Schulter getippt bzw. gefasst.
Die sind wie Raubtiere…..
Ich sehe einen Unterschied bei meiner Forderung. denn meine Forderung wäre so legal wie Spickmich.
Auch wenn Reiner “Goebbels” Wendt das wahrscheinlich kriminalisieren würde.
Daher sollte die Seite im Ausland gehostet werden.
Ich würde das sofort machen (Kosten und Risiko tragen, welches über einen Safehoster gemindert ist), mir fehlt leider ein Script.
Also so wie ein Forum (wie phpBB) oder Blog oder CMS (wie Drupal), dass ich nur hochladen und installieren muss.
Codet etwas. ladet es irgendwo hoch und informiert mich.
Ich habe nichts zu befürchten, kann sich da ja jeder runterladen und so eine Seite aufmachen :) .
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