Guckt nicht so! Irgendwer muss ja die Lücke füllen solange Lars seinen Samstagsgruß aussetzt!

Nein Scherz, aber wenn ich ehrlich bin, ist das zum einen ein Versuch meine Sprecherqualitäten zu trainieren, zum anderen, ja, Lars Samstagsgruß hat mich auf die Idee gebracht. Wer die Text-Version will, klickt einfach auf “Weiterlesen”.

Wir haben August 2010 und immer noch gibt es keine fliegenden Autos… und eigentlich habe ich keine Ahnung.

Einer der Glauben, die unsere Gesellschaft in den letzten Dekaden geprägt haben und welcher mittlerweile den Weg der Ernüchterung fast komplett beschritten hat, ist der Glaube an den Fortschritt. Eben der Fortschritt der alles besser machen wird, das die Technik alle unsere Probleme lösen wird. Hätte man meine Eltern 1975 gefragt, wie denn die Welt in 35 Jahren aussehen würde, hätten sie vermutlich von Reisen zum Mars, fliegenden Autos und Haushaltsrobotern gesprochen.

Fragt man mich heute nach _meinen_ Zukunftsvisionen, was denn in 35 Jahren alles machbar sein wird, rede ich von _einer_ Reise zum Mars, Leuten die Ihre Smartphones im Kopf haben und hoffentlich einer sauberen Art nachhaltig Energie zu erzeugen… und das sind nur die positiven Visionen. Denn wer möchte schon hören, dass ich mich in einer schrumpfenden Gesellschaft sehe, in der die Überfettung das Überalterungsproblem gelöst hat, da sich niemand mehr eine Krankenversicherung leisten kann;

Dass man sich in Deutschland im Sommer nicht entscheiden können wird, ob es nun ‘zu überschwemmt’ oder ‘zu heiß’ ist, während man überall von persönlich optimierten Werbespams verfolgt wird. Dazu kommt, dass man keinen Schritt machen kann, ohne dass eine zuständige Behörde oder Firma daraus ihre Rückschlüsse zieht… denn wegen der Anti-Terrorgesetze muss jeder kontinuierlich die Positionsdaten seines implantierten Smartphones übermitteln.

Es ist für mich etwas beängstigend zu sehen, dass von allen Utopien und Dystopien die hätten wahr werden könnten, scheinbar die Dystopien die Nase vorn haben. Ein wenig 1984, ein wenig die Umweltapokalypse, ein wenig viel von mächtige Konzerne die die Fäden an korrupten Politikern ziehen. Da fragt man sich doch wo die vollmundigen Versprechungen der Sci-Fi Autoren vom Schlage eines Isaac Asimov geblieben sind die sagten, dass wir mit Hilfe der Technik handwerkliche Arbeiten niederlegen können werden, um uns geistig fordernden Dingen zu widmen.

Natürlich kann man nun damit kontern, dass Haushaltsroboter die metallene Blechschürzen umhaben und fliegende Autos von unserem Standpunkt aus so albern sind, wie es für meine Eltern 1975 geklungen haben muss, sich mit einer Kanone auf den Mond zu schießen – sechs Jahre nachdem die Amerikaner auf selbigen waren. Doch es ist nicht gesagt, dass unsere technische Entwicklung zwangsweise die einzig mögliche sein muss.

Ich frage mich, ist die Richtung in die sich die Technik der Menschheit entwickelt die einzig mögliche? Und was ist eigentlich das bessere 2015, eines in dem man mit einem sauberen, fliegenden Auto zu Arbeit gelangen kann, oder eines in dem man sich im Zug HD Filme aus dem mobilen Breitbandnetz herunterladen kann und immer und überall mit dem Rest der Welt in Kontakt steht? Wirklich wissen, werden wir das wohl erst, wenn man Statistiken darüber erstellen kann, wie viele fliegende Gefahrengut-Laster pro Jahr in Waisenhäuser und Streichelzoos einschlagen…

Noch will man es nicht offen in den Medien zugeben, aber wenn wir ehrlich sind geht es gefühlt doch irgendwie nach ‘unten’. Von all den Innovationen die in den letzten 30 Jahren das tägliche Leben als solches in meinen Augen verändert haben, kann ich allenfalls die Email, das Handy und die Tatsache benennen, dass man nun kein Tipp-Ex mehr benutzen muss, wenn man sich in seinen Briefen verschreibt… was mir zumindest sehr gelegen kommt.

Der Rest sind dann nur noch Kleinigkeiten, die das Leben ein wenig erleichtern: Fotos gehen schneller, Terminkalender müssen nicht mehr im Beamtenköfferchen herum getragen werden und bevor man einen Kinofilm sieht kann man Millionen Meinungen dazu lesen, ob er sich überhaupt lohnt. Prinzipiell hat sich aber sonst nicht viel am menschlichen Leben geändert, außer dem Fakt das es nun irgendwie mehr gibt – mehr von allem. Mehr Arten sich zu informieren, mehr Arten seine Zeit zu verschwenden, mehr Dinge die einem die Arbeit erleichtern.

Doch möchte hierbei eine etwas vermessene Frage stellen, und das auch auf die Gefahr hin wie ein kleines, faules Kind zu wirken: Hat uns die Technik wirklich ‘so wenig’ gebracht oder ist es die Gesellschaft die noch nicht mit der Technik nicht mitgezogen hat? Warten wir insgeheim immer noch fälschlicher Weise auf den Roboterhelfer, ohne zu sehen, dass wir doch schon ganze Hundertschaften von Arbeitern durch eine Fertigungstrassen und zwei Techniker ersetzen können? Ist das nicht ein erster Schritt in Richtung weniger Arbeit und mehr Freiheit durch Maschinen?

Tatsächlich leben wir in der ‘westlichen Welt’ in einer Situation an der wir an Grenzen stoßen. Allein in Deutschland haben wir nicht genug offene Stellen für alle Leute die Arbeiten wollen und kratzen dennoch an den Grenzen des Wachstums und der Produktion. Es geht nur noch untergeordnet darum, in welcher Qualität man produziert und wie viel man produzieren kann. Tatsächlich kann man mit relativ geringen Aufwand jede weltliche Nachfrage befriedigen und so ist die primäre Frage des Marktes wie man am billigsten produzieren kann.

Dazu leben wir in einer Gesellschaft in der momentan die Informationelle Selbststimmung boomt, in der die Unterhaltungsmöglichkeiten boomen, in der der Grad der Sozialen Vernetzung boomt und in der die Möglichkeiten sich über neue Dinge zu bilden boomt – doch all das kostet Zeit. Sich zu informieren kostet Zeit, Freundschaften zu pflegen kostet Zeit, sich abzulenken kostet Zeit und sich zu bilden natürlich kostet Zeit.

Ganz abgekoppelt von der Regeln des allmächtigen Marktes frage ich mich doch, warum muss in einer Welt, in der man diese Möglichkeiten hat und zugleich diese Arbeitserleichterungen immer noch 8 Stunden am Tag, fünf Tage die Woche und 11 Monate das Jahr arbeiten?

Zugegeben, man darf unsere westliche Gesellschaft hierbei eigentlich nicht alleine betrachten. Denn diese ist auf dem Rücken anderer Gesellschaften und mittlerweile sogar Untergesellschaften aufgebaut. In diesen ist das durchschnittliche Individuum weniger Finanziell kompetent als wir das sind, die die Vorzüge von Breitband Internet und Pizzaservice genießen; Würden morgen China, Indien oder – mittlerweile auch – die Ein-Euro-Jobber von der Landkarte verschwinden, sähen wir alle ziemlich alt aus.

Doch da sehe ich wieder – abgekoppelt von allen Regeln und Gesetzen – abermals die Möglichkeit etwas zu tun. Wäre es nicht besser eben diese freie Zeit die man offensichtlich hat, besser einzuteilen? Die Welt besser zu machen mit Hilfe der ‘überflüssigen’ Menschen, die die hochheilige Produktivität in diesem Land auch nicht mehr steigern können? Ich meine ja nur, es wäre ein Anfang… aber von sowas habe ich eigentlich keine Ahnung.

ZachDenktNach: 2010 und immer noch keine fliegenden Autos, 4.4 out of 5 based on 10 ratings