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Gleich zweimal lässt der Internetriese Google ungute Nachrichten verlauten: Zum einen wird das ambitionierte Online-Tool Google Wave eingestellt, zum anderen – und das ist viel beunruhigender – möchte man die Netzneutralität umgehen und für eine Bevorzugung der Google-Dienste in die Tasche greifen.

Abschaffung der Netzneutralität, Vorfahrt für Google
Die Netzneutralität ist die Idee, dass im Netz jedes Datenpaket mit der gleichen Wichtigkeit behandelt wird, ganz gleich wohin es geht, woher es kommt und was es enthält. Google hingegen gefällt das nicht (mehr) und man möchte nun für seine Datenpakete eine Bevorzugung haben, dass heißt andere Webseiten werden im Verhältnis langsamer und Google wird schneller.

Die Verhandlungen laufen momentan nur in den USA ab, wo Google zusammen mit dem Provider Verizon in der Verhandlung ist. Zwar mag diese Entwicklung nicht so dramatisch klingen, aber wie wirkt sich diese Vereinbarung auf den Rest der Welt aus? Noch problematischer wird es, wenn man sich überlegt, dass Youtube nicht die einzige Seite im Netz ist, welche große Datenmengen wie zum Beispiel Videos hostet. Wie sich das auf andere Services und Podcasts auswirken wird, kann man noch nicht sagen. Muss man sich bald als ambitionierter Vlogger und Podcaster sich Gedanken machen, ob man seinen Kram nicht doch bei Youtube einstellt?

Das Ganze scheint sich allerdings mehr auf das (immer wichtiger werdende) mobile Internet zu konzentrieren und nicht auf die altbekannte Leitung, so scheint Google sein Android-OS für Smartphones boosten zu wollen… denn die bereits zehn-monatigen Verhandlungen fingen kurz nach einer Meldung an, welche besagte dass Google und Verizon einen Andriod-Telefon-Deal abgeschlossen hatten. Das heißt, dass Google (vermutlich) nicht unbedingt den heutigen Netzbewohnern an die Karre fahren will, dafür aber mit Blick in die Zukunft schon einmal die Regeln zu seinen Gunsten anpassen möchte.

Ich glaube wir sind jetzt offiziell in einer Periode die als die “Smartphone-Wars” in die Geschichte eingehen wird.

Speed gegen Geld
Große Anbieter (wie auch die Deutsche Telekom) liebäugeln schon lange mit der Vorstellung, Geld daraus zu schlagen gewissen Dienstleistern gegen Cash eine bestimmte Übertragungsgeschwindigkeit zuzusichern. Dieses würde dann von Quelle, Dienst und Bandbreitenverbrauch abhängen. Interessanterweise gehörte Google bislang zu einer Allianz aus Firmen (darunter auch Amazon, eBay, Microsoft und Yahoo), die sich für eine gesetzliche Verankerung der Netzneutralität einsetzen und notfalls auch einklagen wollten. Die Befürchtung, die diese Firmen damals zusammen mit Verbraucherschützer hatten, war dass Telekommunikationskonzerne im Internet eine Zwei-Klassen-Gesellschaft bilden könnten. Nach vier Jahren scheint diese Einstellung als auch das Firmenmotto “Don’t be evil” wieder vergessen zu sein.

Google versuchte sich hierbei damit herauszureden, dass man natürlich eine ganz andere Vorstellung von Netzneutralität habe als der Rest der Welt. (Ehrlich die Gründen eine Allianz und diskutieren nicht, was sie eigentlich verteidigen wollen? Das ich nicht lache.) Aber auch von einem logischen Standpunkt aus machte das Statement von Google-Chef Eric Schmid nicht wirklich Sinn macht, denn jede Priorisierung eines oder mehrerer Dinge benachteiligt immer alle anderen.

Momentan ist die amerikanische FFC (Federal Communications Commission) mit dabei in die Verhandlungen einzugreifen und dabei eventuell neue Regeln für Netzneutralität aufzusetzen… was mit aber bei der amerikanischen Plutokratie eigentlich nur Sorgen macht.

Update:
Google hat mittlerweile auf ihrem Twitter-Account dementiert, dass es derartige Absprachen zwischen ihnen und Verizon gibt.

@NYTimes is wrong. We’ve not had any convos with VZN about paying for carriage of our traffic. We remain committed to an open internet.


Google Wave
Google Wave, ein ambitioniertes Projekt aus dynamischen Dokumenten, welche meiner Meinung nach ideal für das Online-Brainstormen von Ideen waren, wird eingetütet. Der Internetriese versprach den Nutzern, dass man noch Tools hinzufügen wolle, damit man die dort abgelegten Informationen exportieren könne, allerdings würde der Service nicht mehr in dieser Form weiterentwickelt, die Technologie könne aber in anderen Bereichen weiterhin verwendet werden.

Die offizielle Begründung war, dass Wave nicht von den Nutzern angenommen worden sei. Die Idee von Wave war, dass man damit die Email ablösen wollte – allerdings scheint man da etwas zu ambitioniert gewesen sein. Ich habe Wave bis jetzt mit sehr viel Enthusiasmus genutzt, aber damit keine Mails geschrieben und hatte das auch nicht vor.

Quellen:
heise.de (2), golem.de, netzpolitik.de

Andere Blogs:
Tutsi.de,

Zwei Mal Google (Update), 3.5 out of 5 based on 2 ratings