Bayerns Justizministerin Merk hat einen Verantwortlichen für die Fälle sexuellen Missbrauchs in einem Ferienlager auf Ameland ausgemacht: den eigenen Koalitionspartner. Weil die Liberalen Kinderpornografie im Internet lieber löschen als sperren wollen.

Liebe Frau Merk, bei ALLEN Fehlern die die FDP hat, suchen Sie sich eines der wenigen, vernünftigen Statements raus, dass sie in den letzten Jahren gegeben haben und machen das auch noch schlecht? Jetzt wirklich? Ich meine etwas Schlechtes über die FDP zu sagen ist einfach. Aber ausgerechnet das?

Mhh… So gesehen, wenn man mal CSU mit der FDP vergleicht, warum haben Sie nicht schon längst die FDP-Landeszentrale gestürmt… und wenn Sie das wirklich noch vorhaben, versuchen sie es mit weiß-blau karierten Ninjas in Lederhosen, das wäre so unglaublich dämlich und so unfassbar cool zugleich.

“Wenn man sich ansieht, welche Folgen der Konsum von schädlichen Videos haben kann, …

Ja schon, die Dinger SIND schrecklich, aber welcher Jugendliche schaut sich schon freiwillig die Promotionvideos der FDP an?

… ist die Laissez-faire-Politik der FDP bei Kinderpornos im Netz grob fahrlässig”, sagte die stellvertretende CSU-Vorsitzende laut dpa.

Ach DAS meint sie. Genau, das Internet ist mal wieder an allen Schuld – besonders Fußpilz. Es stimmt schon, wenn ich daran denke, wie viele arglose Geistliche der katholischen Kirche sich täglich verklicken, dabei von einer Flut von Kinderpornographie überrollt und so zu Pädophilen werden… früher oder später musste ja auch ein Jugendlicher damit äh … halt, eine Sekunde:
Sagen Sie mal Frau Merk, wo waren sie eigentlich als der ganze Missbrauchsskandal bei der Kirche war? Und hilft es ihrer Ansicht nach dann auch, wenn wir den Gotteshäusern in Bayern einfach die Türen zunageln. Da würde ich glatt mithelfen, ich spende sogar Bretter!

Die Missbrauchstaten Jugendlicher zeigten Verrohungstendenzen, die “auch deshalb geschehen, weil man heutzutage im Netz problemlos alle erdenklichen Formen von Gewalt und Pornografie ansehen kann”, sagte Merk.

Genau, wenn die Jugendlichen nach christlichen Werten und unter kirchlicher Aufsicht erzogen würden, würde nie ein junger Mitmensch missbraucht noch misshandelt worden… oh Moment mal.

Tatsache ist: Im Internet gibt es Pornografie, und viel davon ist geschmacklos bis unerträglich.

Was? Im Internet gibt es Pornographie? Und das sagt mir keiner? Gleich mal googlen!

Illegal ist sie aber nicht – in Deutschland existiert, wie in vielen anderen Ländern der westlichen Welt, kein Pornografieverbot. Auch Darstellungen von “Fisting” sind nicht verboten – einer besonders rabiaten Sexualpraxis, die auch im Zusammenhang mit den Übergriffen auf Ameland genannt wird.

Sehen Sie Frau Merk, das wird sie nun erstaunen, aber eine Vergewaltigung hat nichts mit Sexualpraktiken zu tun. Demnach führt das Anschauen stink-normaler Pornographie auch zu dem Verlangen Frauen zu Vergewaltigen und der Konsum von Softpornos dazu, sich illegal an jemanden zu auf- und ab zu reiben… Na, Frau Merk, wissen Sie mit Sicherheit ob Ihr Hund abends nicht doch VOX und Kabel 1 schaut… oder wo immer die Softpornos von den Call-In Shows hin verdrängt wurden?

(…) Um solche Darstellungen aus dem Netz und dem Land zu verbannen, müsste man ein Pornografieverbot aussprechen oder den derzeitigen Pornografiebegriff strenger fassen.

Das aber fordert Beate Merk nicht, wohl nicht einmal innerhalb der CSU würde man für eine solche Position eine Mehrheit finden.

Das kann ich mir gut vorstellen:
Da ist sie auf der CSU Parteisitzung und fordert: “Wie müssen die Pornographie aus dem Internet verbannen!” und jede/r andere CSU Abgeordnete sitzt mit gefalteten Händen auf seinem Platz und schielt teilnahmslos und unschuldig in die Gegend.

Die Ministerin hält ohnehin nicht einfach Pornografie, sondern Kinderpornografie und “Killerspiele” für verantwortlich für die Exzesse im Jugendcamp.

Entschuldigung, was war das gerade? Ich war gerade viel zu beschäftigt bei Analrapist 3D, dass Ass-plosion Achivement zu farmen.

Und zieht daraus den Schluss, dass alle Debatten über die Untauglichkeit des von-der-Leyenschen Sperrgesetzes offenbar doch Unsinn waren.

…mit der gleichen Logik schließe ich aus diesem Satz, dass Sie ein schweres Gehrin-Aneurysma haben, welches kurz vorm Platzen steht… dass Mäuse am besten in Karamellsoße frittiert werden und das “Unten” jetzt neuerdings “Blau” ist.

Dabei steht im Koalitionsvertrag, man sei sich einig, “dass es notwendig ist, derartige kriminelle Angebote schnellstmöglich zu löschen statt diese zu sperren”. Das hat die CSU so mitverabschiedet.

Bayerns Justizministerin Merk meine Damen und Herren, stellen Sie sich vor wie sie eine Seite mit Kinderpornographie entdeckt hat, diese meldet, dann neben dem Rechner mit einer Stoppuhr sitzt und dabei immer wieder auf Reload drückt.

Nun aber geht Merks gedanklicher Kurzschluss so: Könnte man Seiten mit Kinderpornografie im Internet hinter einem Stoppschild verstecken, wären auf Ameland keine Kinder sexuell misshandelt worden. “Wenn ich feststellen muss, dass ich eine bestimmte Seite nicht löschen kann, darf ich nicht einfach mit den Schultern zucken und zur Tagesordnung übergehen. Dann muss ich diese Seite wenigstens sperren.”

Wenn die Ermittler übrigens feststellen, dass die Jugendlichen welche den Jungen vergewaltigt haben, nur normale Pornographie auf ihrem Rechner angesehen haben, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder zieht Frau Merk ins “Land of Denial” um oder ihr Kopf explodiert.

Und, weil das ja auch irgendwie mit Computern zu tun hat, wird auch gleich noch mal die alte Forderung wiederholt, “Killerspiele” zu verbieten. Obwohl es hierzulande keine “Killerspiele” zu kaufen gibt, in denen Menschen sexuelle Gewalt angetan wird.

Puh geschafft. Das war aber auch ein schweres Achivement. Ich meine versucht Ihr mal in einer Minute 10 japanischen Schulmädchen mit einem Presslufthammer…

Die Logik von Beate Merk ist die des Reflexes: Wenn etwas Entsetzliches passiert, muss man handeln, und zwar, indem man etwas anderes, was man selbst entsetzlich findet, möglichst schnell aus der Welt schafft, oder das wenigstens öffentlichkeitswirksam fordert.

Dabei hätte sie viel wirkungsvollere Dinge tun können. Wie alle Reiniger unter ihrer Spüle auszutrinken. Eine in den Bahnhof einfahrende Lok umarmen. Mit der Zunge überprüfen, ob in allen Steckdosen im Haus Strom fließt. Nur unter Zuhilfenahme ihrer Stirn ein Baumhaus zusammen nageln….

Den Opfern sexueller Gewalt wird mit solchen Forderungen nicht geholfen, im Gegenteil: Sie werden auf plumpe Weise instrumentalisiert, um diffuse Gefühle zu bedienen, die man innerhalb der eigenen Wählerschaft vermutet.

Word!

Quelle: Spiegel.de

Bayerns Justizministerin Merk: "FDP + Killerspiele = Missbrauch", 5.0 out of 5 based on 3 ratings