29 Apr

Die Griechen können einem richtig leid tun. Aber scheinbar haben sie einen gravierenden Fehler gemacht, der ihnen nun richtig kräftig anhängt:
Sie sind nämlich hier in Deutschland wesentlich leichter zu erkennen und über einen Kamm zu scheren, als der gemeine Bankenmanager.
Wieder einmal kann ich nur noch den Kopf darüber schütteln, wie mit in diesem Fall mit den Griechen umgegangen wird. Allen voran ist es abermals das Springer-Blatt mit den vier großen Buchstaben, welches mir beim bloßen Anblick der Schlagzeiten das Mittagessen wieder zwischen die Zähne zurücktreibt. Aber dieses schlechtere Toilettenpapier ist nicht der Grund meiner Verwunderung, sonder wiedermal die gesamte Presse an sich – man kann nicht immer nur auf den schmuzigsten Jungen zeigen, wenn im Prinzip fast alle im Matsch spielen.
Peanuts!
Griechenland hat jede Menge Schulden – okey, notiert. Griechenland hat Zahlen gefälscht und Misswirtschaft betrieben – okey, auch notiert und das bezweifelt auch keiner. Und richtig war das natürlich auch nicht, keine Frage. Also steht nun eine Summe von bis zu 135 Milliarden im Raum, das wären 25 bis 30 Milliarden Euro die Deutschland tragen müsste. Das ist Geld die der griechische Staat braucht um einen Staatsbankrott abzuwenden, seine Beamten und Angestellten zu bezahlen und so weiter und so fort…
Hatte man nicht in Rekordzeit und ohne zu Zögern jede Aufstockung des Rettungspakets durchgewinkt, dass zum Erhalt von Hypo-Real-Estate und Co nötig war? Lag das Rettungspaket nicht am Ende bei 480 Milliarden für die Banken? Fällt da Griechenland überhaupt noch ins Gewicht? Sicherlich, wurde von den 480 Milliarden bis jetzt (so vermute ich) nur ein Teil bis jetzt in Anspruch genommen…
Aber wenn ich daran denke, dass man nach der Bereitstellung einer solchen Summe, noch ein solches Aufhebens über die ‘popeligen’ 30 Milliarden an Griechenland machen kann, verkanten sich einige Zahnräder bei in meinem Gehirn. Mit Griechenland sind wir in einer Gemeinschaft die sich gegenseitig stützen soll, bei Banken im Kaliber der HRE würde es mich noch nicht mal wundern, wenn diese mit Sklaverei Geld verdienten, wenn sie ungeschoren könnten. Dabei ist sollte es doch für den Normalbürger, eben in diesem Fall, viel einleuchtender sein warum Griechenland dieses Geld bekommen sollte… während man doch bei dem Rettungspaket für die Banken mehr oder minder das ungute Gefühl gehabt hatte, man könne die Geldscheine genauso gut in einen Vulkan hineinwerfen.
Jetz lass’ ma gut sein
Irgendwo und irgendwann “muss ja auch mal gut sein” – so haben meine Großeltern mal gesagt. Man hat sich (zu Recht) über die Misswirtschaft der griechischen Regierung aufgeregt und jetzt sollte man besser in den sauren Apfel beißen, denn schließlich hat man sich ja auch irgendwo dazu verpflichtet… Europa und so.
Etwas das mich aber ebenfalls stört ist, ist dass ich immer mal wieder sehe wie (auch Abseits von “Springer-Territorium”) von “Die Griechen haben/müssen/leben/sollen…” lese, wenn es doch eigentlich um das Land und die Regierung geht und nicht um die einzelnen Personen an sich. Ich verstehe schon, wenn der giechischstämmige Deutsche mit leichtem Zucken im Auge an jemanden vorbei geht, welche ein Blatt mit einer Solchen Schlagzeile in den Händen hält… zumal wenn so eine solche Pauschalisierung bereits bis in die Köpfe der anständige(re)n Journalisten gesickert ist.
Des Weiteren würde ich liebend gerne unserer Kanzlerin (als auch diversen Leuten von der SPD) einige deutliche Worte erzählen. Ich verwette meinen nächsten Morgenkaffee darauf, dass all das Zögern und all der Protest, welcher gerade aus den Parteien zu hören ist (und gefühlt viel lauter als beim hereinbrechen der Finanzkrise ist) nur mit den Wahlen in NRW zu tun hat… und dass danach mit einem mal die Hilfe beschlossen wird. Wer mag auch schon Staatshilfen für einen Bündnispartner zusagen, wenn man dadurch die BILD-Leserschaft vergraulen könnte, welche doch (vermutlich, angeblich, so behauptet es wenigstens das Blatt) deutlich dafür ist den Griechen ihre Drachmen wieder zu geben.
Schlagworte: Griechenland, Politik
9 Kommentare for "ZachDenktNach: Die Armen Griechen"
Mhhh ich kann dein Mitleid nicht ganz verstehen.
Die Griechen haben richtig scheiße gebaut in der Hinsicht.
Die Koruption in Griechenland ist unglaublich groß und wird bei Teilen der Bevölkerung fest mit eingerechnet. Es gibt unglaublich viele Beamte da jede neue Regierung ihre Anhänger mit Posten belohnt hat. Die Renten sind gigantisch und es wird ein Lebenstandart geführt der nicht zu halten ist. Trotzdem zeigt sich keine Bereichtschaft in der Bevölkerung etwas daran zu ändern.
Klar war es ein Fehler der anderen Länder das Griechenland überhaupt aufgenohmen wurde (Es wurde Landwirtschaft angeben die rein rechnerisch gar nicht in das Land passt und das war bekannt) es wurden halt einfach die Augen zugemacht.
Zudem ist es soweit ich weiß eigentlich gar nicht erlaubt Wirtschaftshilfe zu leisten (Maatstrich-Regelung wenn ich mich nicht irre.
Mfg Rebellchen
Oh Mann, mir waren die Zahlendimensionen nicht bekannt.
Ich denke auch, dass das ganze Gezöger viel mit der NRW-Wahl zu tun hat, aber auch mit der Angst vor dem Rest der PIGS(=Portugal, Italien, Griechenland, Spanien), also als gewisse Abschreckung dienen soll.
Andererseits schockiert mich das Ausmaß…nun wie soll man sagen, der Schwarzarbeit, die in Griechenland ja fast den Stellenwert der normalen Wirtschaft zu haben scheint. Unter diesen Umständen kann der Haushalt ja nicht funktionieren.
Da wäre der irische Weg nicht ganz dumm…öffentlich dem eigenen Volk ganz nüchtern und ungeschönt die Zahlen vorknallen…DANACH den SParkurs beschliessen.
@Rebellichen
Eben das meine ich ja, was du gerade (ohne böse Absicht) machst. Das was da an Korruption und Misswirtschaft war, kannst du nicht einfach auf alle Griechen pauschalisieren. Man kann doch nicht einfach jeden Griechen als ‘korrupt wenn er könnte’ hinstellen, deshalb sollte man einfach von “der Griechischen Regierung” am besten sprechen – IMHO.
Ich finde es gut, dass die Griechen ihrer Regierung den Daumen zeigen und sich nicht kampflos kaputtsparen lassen.
Und um die paar Milliarden die es da geht sind ja nun wirklich Peanuts. Jede Bankenrettung hat wahrscheinlich mehr Geld verschlungen, als Griechenland an Staatsdefizit hat…
Aber irgentwas muss ja immer zur Sensation gemacht werden.
Und @Rebellchen:
Eigentlich lebt jeder westliche Staat über seine Verhältnisse. Bisher lief aber alles Prima damit, und selbst Bankenkrisen sind ja schon wieder längst vergessen, so wie das Immobiliengeschäft momentan läuft.
Also alles Bestens eigentlich.
Da Griechenland niemals die Voraussetzungen besaß an dem Euro-Raum angemessen teilzuhaben, sehe ich den Ausstieg aus der Währungsunion doch als probates Mittel gerade Entlastung und Stabilität in die restlichen ärmeren Euro-Länder zurückzubringen.
Wenn volkswirtschaftlich gesehen das um einiges bedeutsamere Spanien erst einmal ernsthaft ins Wanken geraten sollte sehe ich das als recht große Bedrohung für den Euro-Raum im gesamten.
Zumal ich nicht sehe wie man mit bald 25% MwSt., erneut höhere Abgaben auf Mineralöl, Zigaretten usw. und dem teuren Euro im Nacken ein angemessenes Wirtschaftswachstum generieren will. Ist da eine Abwertung der Währung, Wiedereinführung des Drachme, fleißiges Ackern (will ich dem jetzigen Normalo-Griechen nicht absprechen) nicht die (vor allem für die Griechen SELBST) volkswirtschaftlich klügere Lösung? Anstelle einer Subventionierung, welche Milliardengeschenke anderer Länder beschließt?
Ich habe da so meine Zweifel an dem Weg der EU, wobei speziell in Deutschland das Warten bis zur NRW-Wahl natürlich eine Farce ist und ein klares Wort ruhig schon viel früher hätte kommen können.
Eine Hilfe für die Griechen wäre durchaus machbar und auch angebracht.
Was mir allerdings gegen den Strich geht, ist dass in Grienchenland die Leute auf die Straße gehen, weil sie jetzt nichtmehr mit 50 in Rente gehen können/dürfen sobald die “Sparkurse” durchgebracht sind. Und wegen ähnlicher Sachen wird ja auch protestiert.
Jemand sollte der Bevölkerung Griechenlands mal klarmachen was es heißen würde wenn ihre Regierung nichts ändert. Dann steht das Land nämlich in spätestens 10 Jahren wieder vor dem Bankrott und dann wird niemand mehr helfen.
Ich glaube wenn man Griechenland nicht rettet ist der Schaden für den Euro viel größer. Ob Länder wie Spanien oder Portgal kippen hängt vor allem mit ihrer Kreditwürdigkeit zusammen. Solange sie ein gutes Rating haben können sie sich selbst sanieren und es kostet uns keinen Cent. Wenn man Griechenland jetzt allerdings fallenläßt, werden die anderen bedrohten Staaten ebenfalls in ihrer Kreditwürdigkeit zurückgestuft was dazu führt, dass sie tatsächlich Pleite gehen.
Und das war ja bei den Banken nicht anders. Man hat gewalte Summen für den Fall des Falles Geboten damit die Kredite erschwinglich bleiben. Ich denke das meiste davon wurde nie ausbezahlt. Allein die Möglichkeit das es bezahlt werden würde hat viele Banken gerettet.
Und bei Griechenland hat man das selbe versucht: Als man das erste mal davon gehört hat, hat ganz Europa gesagt “Kein Ding, wir retten euch”. Die haben gehofft allein durch die Zusage könnte man das schlimmste verhindern. Jetzt wo man tatsälich zahlen muss rudern plötzlich einige zurück.
Es bleibt uns gar nichts anderes über als zu zahlen, alles andere würde alles nur noch viel schlimmer machen.
gingen die potentiellen ~500milliarden für die banken nicht nur von den usa aus? mal ganz davon abgesehn, 500 milliarden. ALTER. mir wär eine schon genug. also guthaben, nicht schulden. wobei. selbst auf ne millarde SCHULDEN wär ich schon verdammt stolz. da würd ich mir direkt noch peter zwegat ins haus holen, einfach um seine fresse zu sehn, wenn er meine schulden prüft :D
aber das ist nicht das thema. ne, des feindbild heute heißt griechenland. und ich finde, sie habens verdient. wenn du dir gibst, was die sich gegeben haben, und zwar reichlich, wovon unsereins nur träumen kann, was aber auch verständlich ist, immerhin sind DIE ja nicht das land, das sich dadurch in den bankrott getrieben hat – ..oh, wait. – ..stellt sich doch zwangsläufig die frage, wieso wir hier die finanzkrise ausbaden müssen, während die griechen sich das geile leben auf pump finanzieren, und wenns irgendwann eng wird, uns einspringen lassen?
kleinvieh – bei 30mrd. irgendwie ein scherz – macht auch mist, und wenn ih mir überleg, dass es ursprünglich eben nur um 30 mrd für die GANZE eu ging und wir davon 8 zahlen sollten, was schon ein riesendrama war, wie bitte sollen wir 30 mrd von 130 mrd zahlen? oder noch mehr? immerhin, mit blick auf die restliche eu, sind die anderen ja auch nicht grad zahlungskräftig. und wenn spanien, portugal und die ganzen andren grenzwertigkeitsgänger erstmal auch game over anmelden, dann sitzen wir so richtig in der scheiße.
griechenland muss raus, so einfach ist das. das ist weder sozial noch moralisch vertretbar, aber hier gehts nicht drum, einen auf philanthrop zu machen, hier gehts um unser aller ärsche, die ich ungern auf grundeis sehen würd.
ajo, und bildleser gehen eh nicht wählen. höchstens das seite1girl des jahres.
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