Die Griechen können einem richtig leid tun. Aber scheinbar haben sie einen gravierenden Fehler gemacht, der ihnen nun richtig kräftig anhängt:

Sie sind nämlich hier in Deutschland wesentlich leichter zu erkennen und über einen Kamm zu scheren, als der gemeine Bankenmanager.

Wieder einmal kann ich nur noch den Kopf darüber schütteln, wie mit in diesem Fall mit den Griechen umgegangen wird. Allen voran ist es abermals das Springer-Blatt mit den vier großen Buchstaben, welches mir beim bloßen Anblick der Schlagzeiten das Mittagessen wieder zwischen die Zähne zurücktreibt. Aber dieses schlechtere Toilettenpapier ist nicht der Grund meiner Verwunderung, sonder wiedermal die gesamte Presse an sich – man kann nicht immer nur auf den schmuzigsten Jungen zeigen, wenn im Prinzip fast alle im Matsch spielen.

Peanuts!
Griechenland hat jede Menge Schulden – okey, notiert. Griechenland hat Zahlen gefälscht und Misswirtschaft betrieben – okey, auch notiert und das bezweifelt auch keiner. Und richtig war das natürlich auch nicht, keine Frage. Also steht nun eine Summe von bis zu 135 Milliarden im Raum, das wären 25 bis 30 Milliarden Euro die Deutschland tragen müsste. Das ist Geld die der griechische Staat braucht um einen Staatsbankrott abzuwenden, seine Beamten und Angestellten zu bezahlen und so weiter und so fort…

Hatte man nicht in Rekordzeit und ohne zu Zögern jede Aufstockung des Rettungspakets durchgewinkt, dass zum Erhalt von Hypo-Real-Estate und Co nötig war? Lag das Rettungspaket nicht am Ende bei 480 Milliarden für die Banken? Fällt da Griechenland überhaupt noch ins Gewicht? Sicherlich, wurde von den 480 Milliarden bis jetzt (so vermute ich) nur ein Teil bis jetzt in Anspruch genommen…

Aber wenn ich daran denke, dass man nach der Bereitstellung einer solchen Summe, noch ein solches Aufhebens über die ‘popeligen’ 30 Milliarden an Griechenland machen kann, verkanten sich einige Zahnräder bei in meinem Gehirn. Mit Griechenland sind wir in einer Gemeinschaft die sich gegenseitig stützen soll, bei Banken im Kaliber der HRE würde es mich noch nicht mal wundern, wenn diese mit Sklaverei Geld verdienten, wenn sie ungeschoren könnten. Dabei ist sollte es doch für den Normalbürger, eben in diesem Fall, viel einleuchtender sein warum Griechenland dieses Geld bekommen sollte… während man doch bei dem Rettungspaket für die Banken mehr oder minder das ungute Gefühl gehabt hatte, man könne die Geldscheine genauso gut in einen Vulkan hineinwerfen.

Jetz lass’ ma gut sein
Irgendwo und irgendwann “muss ja auch mal gut sein” – so haben meine Großeltern mal gesagt. Man hat sich (zu Recht) über die Misswirtschaft der griechischen Regierung aufgeregt und jetzt sollte man besser in den sauren Apfel beißen, denn schließlich hat man sich ja auch irgendwo dazu verpflichtet… Europa und so.

Etwas das mich aber ebenfalls stört ist, ist dass ich immer mal wieder sehe wie (auch Abseits von “Springer-Territorium”) von “Die Griechen haben/müssen/leben/sollen…” lese, wenn es doch eigentlich um das Land und die Regierung geht und nicht um die einzelnen Personen an sich. Ich verstehe schon, wenn der giechischstämmige Deutsche mit leichtem Zucken im Auge an jemanden vorbei geht, welche ein Blatt mit einer Solchen Schlagzeile in den Händen hält… zumal wenn so eine solche Pauschalisierung bereits bis in die Köpfe der anständige(re)n Journalisten gesickert ist.

Des Weiteren würde ich liebend gerne unserer Kanzlerin (als auch diversen Leuten von der SPD) einige deutliche Worte erzählen. Ich verwette meinen nächsten Morgenkaffee darauf, dass all das Zögern und all der Protest, welcher gerade aus den Parteien zu hören ist (und gefühlt viel lauter als beim hereinbrechen der Finanzkrise ist) nur mit den Wahlen in NRW zu tun hat… und dass danach mit einem mal die Hilfe beschlossen wird. Wer mag auch schon Staatshilfen für einen Bündnispartner zusagen, wenn man dadurch die BILD-Leserschaft vergraulen könnte, welche doch (vermutlich, angeblich, so behauptet es wenigstens das Blatt) deutlich dafür ist den Griechen ihre Drachmen wieder zu geben.

ZachDenktNach: Die Armen Griechen, 5.0 out of 5 based on 8 ratings