Ich finde es ja immer wieder erschreckend mit welchen unausgegorenen Vorschlägen die Politik daher kommt, wenn es um Reizthemen geht. Hauptsache man tut ‘schnell irgendwas’ um seine eigene Beliebtheit zu fördern… seien es nun Stoppschilder oder härtere Strafen. Hauptsache der Idiot Volk(er) versteht es.

Ja, es geht um die momentan heiß diskutierten “längeren Verjährungsfristen bei Kindesmissbrauch”. Und warum dieses Vorschlag leider wieder einmal nur Augenwischerei und Aktionismus ist, erkläre ich Euch jetzt mal …

Vorweg möchte ich nochmal anmerken, dass es doch wieder einmal interessant anzusehen ist, wie die Politiker fast schon gleichzeitig wieder aus ihren Löchern geschossen kommen – jetzt wo man den ersten Fall eines Kindesmissbrauchs an einer nicht-katholischen Schule gesichtet hat. Wieder einmal wirkt es, als haben die Politiker zum einen Teil zitternd und bangend, zum anderen Teil erwartungsfreudig darauf ins Rampenlicht springen zu können, in ihren dunklen Ecken gewartet, bis eben das passiert mit dem jeder hatte rechnen können.

Überraschung, Überraschung! Pädophile Vertrauenspersonen sind nicht nur ein hauseigenes Problem der katholischen Kirche! Ja wer hätte damit rechnen können, dass es eben nicht die katholische Priesterweihe ist, die einem die Sexualität durch den Mixer dreht. Auf der anderen Seite ist das wiederum ein wenig traurig, denn ich hätte wirklich gerne gesehen wie Ex-Familien-Ministerin von der Leyen auf den Antrag reagiert hätte, ein Stoppschild auf den Katechismus der Katholischen Kirche zu kleben.

Aber zurück zum Thema, im Moment werden zwei Positionen verhandelt:
Die eine Seite die sagt, dass ein Schritt zu längeren Verjährungsfristen im allgemeinen eine eher schlechte Idee ist, nur Unfriede in der Gesellschaft fördert und Vorfälle jetzt schon am Ende der Verjährungsfrist kaum noch überprüfbar sind…

Die andere Seite sagt, dass generell so eine Tat nicht so schnell verjähren solle und dass Opfer sich oft erst Jahre nach dem Missbrauch trauen darüber zu sprechen – ein Staat der diese Verbrechen zu schnell verjähren lasse würde die Opfer im Stich lassen.

Beide Standpunkte sind nachvollziehbar.

Von meinem Standpunkt aus ist diese Frage an sich, ob man die Verjährungsfristen nun verlängert oder nicht, dass “Da hinter Dir, ein dreiköpfiger Affe!” der momentanen Politik, welche sich anscheinend seit dem “Vorfall Westerwelle” wieder in den Wahlkampf befördert fühlt. Denn Tatsache bleibt, dass eine alleinige Verlängerung der Verjährungsfristen kaum etwas bringt mag, denn so etwas wie eine Verjährungsfrist greift schließlich nur nachdem ein Kind schon Missbraucht wurde.

Drei Jahre für ein derartiges Verbrechen sind auch meiner Meinung nach viel zu kurz, aber ich halte es für leider auch für sehr unwahrscheinlich, dass ein Pädosexueller sich von einer Verjährungsfrist von 5, 10, 15 oder gar 30 Jahren abschrecken lässt – denn bei Trieb-gesteuerten Verbrechen greift die normale Strafandrohung nun mal nicht. Denkt ernsthaft jemand, dass so eine Person sich wirklich Gedanken macht wie: “Wenn ich die Schüler nach meinem Missbrauch drei Jahre die klappen halten bin ich fein raus, bei fünf oder Zehn Jahren würde ich ja nicht, abe drei Jahre ist okey.” ?

Die Anhebung der Verjährungsfristen ist nur eines, billig. Sie kostet nichts, eine einfache Gesetzesänderung die jeder abnickt der damit zu tun hat und alle fühlen sich danach glücklich und als hätten sie irgend etwas erreicht – haben sie aber nicht. Eine Verlängerung kann hierbei allenfalls nur ein geringer Teil der Lösung des Problems sein. Der wichtigere Teil ist es, die Opfer dazu zu bringen ihre Peiniger anzuzeigen.

Das was die Opfer, oder besser die Opfer- und Täterfindung braucht ist vor allem eben diese Art der öffentlichen Diskussion, welche wir momentan haben. Wir brauchen eine Diskussion, welche die Opfer dazu motiviert mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit zu gehen, um eben die Personen zu finden, die so etwas Kindern antun.

Denn so bitter es nun für manche Menschen es klingen mag, den ersten Missbrauch eines solchen Täters kann man nicht verhindern, man kann allenfalls früh genug gewisse Tendenzen einer Person aufzeigen, aber mit absoluter Sicherheit kann man jeden weiteren Missbrauch verhindern – wenn man die Opfer dazu bringt eine solche Person anzuzeigen.

ZachDenktNach: Verlängertere Aktionismuszeiten, 5.0 out of 5 based on 3 ratings