25 Feb

+ neues Video von Lars
Meine Mutter äußerte jüngst einen Satz der mich aufhorchen lies: “Früher haben sie immer auch die Anzahl der offenen Stellen bekannt gegeben, wenn sie die Arbeitslosenzahlen angesagt haben, heute tun sie das nicht mehr…” Und tatsächlich, auch ich wusste gar nicht genau wie viele offene Stellen das Arbeitsamt verzeichnet…
Ich habe mich also einfach mal dran gemacht mir die Arbeitslosenzahlen heraus zu suchen, ebenso wie die Zahl der offenen Stellen. Schließlich kann es ja nicht so schlimm sein, wenn heuer die Zeit titelt:
“Im jahreszeitlich üblichen Rahmen sind die Arbeitslosenzahlen in Deutschland wieder gestiegen. Die Wirtschaftskrise wirkt sich aber bisher erstaunlich wenig aus.”
Die Arbeitslosenzahlen herauszufinden ging schnell, jedenfalls was 2009 angeht – da ist Wikipedia ja recht nützlich:
3.276.000, ca. 7,8 % der arbeitsfähigen Bevölkerung.
Wenn man Guido glauben darf und er sich auch nur ein bisschen zu Recht aufregt, müsste die Anzahl der offenen Stellen ja fast gleich auf sein, schließlich ist jeder Hartz-IV-ler seiner Meinung nach einfach nur ein Individuum, dass arbeiten könnte, wenn er nur wollte. Was bedeutet, dass sich jeder … oder fast jeder eine Stelle besorgen könnte, wenn sie oder er nur genug Schweiß investiert.
Ich durchwühlte folglich weiter “Teh Interwebs”, irgendwo würde ja eine recht aktuelle Information zu diesen Thema aufzufinden sein – ist ja nicht so als sei so etwa geheim. Tatsächlich aber sind diese Infos recht spärlich gesät, von 2010 konnte ich in der kurzen Zeit bis jetzt gar keine Informationen ausmachen. Aber von Mitte und Ende 2009:
“Um ein knappes Viertel sank die Zahl der offenen Stellen in Deutschland im ersten Quartal 2009. 870.000 Stellen gab es in diesem Zeitraum zu besetzen, vermeldet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.” (Quelle, 18.05.2009)
Ähm…
“Wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag mitteilte, gab es in Deutschland im dritten Vierteljahr 832 000 offene Stellen. Das waren 166 000 weniger als ein Jahr zuvor.” (Quelle, 13.08.2009)
Also selbst wenn man für jede offene Stelle sofort einen Besetzung finden könnte, könnten nur ein Viertel der Arbeitslosen momentan überhaupt eine Stelle antreten. Zugegeben, nicht alle Stellen sind der Arbeitsagentur bekannt. So ergab eine Überprüfung der Tageschau von 2007, dass 2006 gerade mal 60% der Stellen gemeldet waren. Und so komme ich auf ca. 1.164.000 theoretische Stellen – also etwas mehr als ein Drittel.
So gerechnet heißt es, dass ca. 2.112.000 Menschen keine Arbeit hätten finden können, selbst wenn auf einmal der große “Ich hab zwar ein Diplom in Raketenwissenschaften, aber ich häng’ – wenn es sein muss – auch Duftbäume in der Kanalisation auf.”-Wahn ausbricht und Personalcheffs alles einstellen was zwei Arme hat. Sicherlich ist Vollbeschäftigung utopisch, aber eine Menschengruppe, von der im BESTFALL zwei Drittel keine Arbeit annehmen können als “faul” und “dekadent” zu pauschalisieren, wird so nur noch eine größere Unverschämtheit, als es das jetzt ohnehin schon ist.
Zwei Drittel aller deutschen Arbeitslosen könnten nicht arbeiten, selbst wenn jeder sich einen Kontainer neben seiner Arbeitssätte anmieten könnte und wollte …und das Erschreckende ist, das ist ja sogar noch die geschönte Milchmädchen Rechnung, denn das Arbeitsamt SOLLTE über alle vacanten Stellen Bescheid wissen. Wie sollte ein Arbeitsloser an den Großteil der 40% kommen, wenn er nicht weiß wo er nach einer solchen Camo-Anstellung suchen soll? Dazu kommt auch noch, dass die Arbeitslosen, genau wie die Stellen, quer über Deutschland verteilt sind – aber nicht zwangsweise an den gleichen Orten.
Aber kein Wunder warum Guido alle Arbeitslosen auf die Straße zum schippen werfen will – er hat auch keine Ahnung wo anders hin mit den Menschen. Leute schlecht zu machen, welche zugleich nicht mal eine realistische Chance gegeben wird, ich meine… meine Güte, das kommt mir alles so bekannt vor, nur wo…
…wo habä äch sowas nurr schonmol gähört?
Und in diesem Sinne hat der Lars auch noch was zu sagen:
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Schlagworte: Politik
36 Kommentare for "Warum der Hartzer Schneeschippen soll… (+Video von Lars)"
Mhh… Das Guido keine Ahnung davon hat wäre die eine Möglichkeit. Es könnte aber auch sein, dass er denkt: “Wir streichen einfach mal alle Souialleistungen und ihr werdet euch wundern, wie schnell sogar die Leute Arbeit finden, die eigentlich gar keine mehr finden dürften.”
Blöde Flachpfeide, wäre er mal lieber Jux- und Spaßminister geblieben.
Also ich weiß nicht was gegen die Idee privater “schneeschippdienste” spricht… zumindest in diesem Winter hätten die sich dumm und dämlich verdient. Ist ja nichts anderes als nen Hausmeisterdienst.
Um mehr Arbeitsplätze zu schaffen sollte man die Unternehmen unterstützen meiner Meinung nach. Zum Thema Mindestlöhne: Woher soll das Geld kommen? es gibt Berufe, die nicht mehr Wert sind, als das was sie verdienen und die Menschen, die von Mindestlöhnen profitieren würden, haben denke ich mal meistens eine Arbeit, in der sie 100% austauschbar sind. Es ist absolut falsch ein Gut das im Übermaß vorhanden ist (Arbeitskraft) künstlich zu verteuern. Das widerspricht jeder Idee der freien Marktwirtschaft.
Wenn ich hoch qualifiziert bin, finde ich im Normalfall auch Arbeit. Wenn ich das nicht bin, biete ich damit ein Produkt an, das im Überfluss vorhanden ist.
Außerdem dürfen die Löhne nicht zu hoch gehen, um den internationalen Markt Deutschlands nicht zu gefährden, oder was denkt ihr wieso Unternehmen aus Deutschland auswandern und Arbeitsplätze mitnehmen.
Ich finde wenn man auf Kosten anderer lebt, sollte man nicht zu hohe Ansprüche an die Qualität des gebotenen Lebens stellen. Es ist sicher falsch die Leute zu zwingen etwas zu tun, was sie nicht wollen aber man muss immer bedenken, das ein Harz4 Empfänger auf Kosten anderer lebt. Im härtesten Fall kann man immernoch auswandern. Und für alle die “kannst du ja machen”-rufer: Ich werde warscheinlich auswandern, weil ich als angehender Arzt in Deutschland nicht annähernd das bezahlt bekomme wie in vielen anderen Ländern. Es lohnt sich einfach nicht hier zu Arbeiten als Arzt!
ps: hat wer den Artikel in der FAZ gelesen vonwegen die Kassenärzte kriegen jetzt 10% mehr und nen Arzt verdient 260k im Jahr oder so… WTF haben die nen 5t Klässler recherchieren lassen?
@m0hawk
Moment, es gibt also Berufe die sind weniger wert als sie erwirtschaften und haben deshalb auch kein Anspruch auf ein humanes Gehalt?
Wenn ich sowas höre würde ich am liebsten kotzen. Meine Mutter arbeitet als Altenpflegerin und erwirtschaftet somit quasi nichts. Es ist also vollkommend gerechtfertigt ihr kein gutes Gehalt zu bezahlen? Abgesehen davon entscheidet der Schulabschluss über die Berufsauswahl, und viele in unserem ungerechten dreigliedrigen Schulsystem werden unfair behandelt. Aber auch sie haben also dann in ihrer “wertlosen” Arbeit kein Recht auf ein Gehalt von dem sie leben können ohne beim Amt Zuschüsse zu holen?
Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden.
Wenn ich das nicht falsch verstanden habe ist klar, dass nicht 100% der Arbeitslose HartzIV beziehen. Trotzdem gibt es geschätzt über 1.100.000 Arbeitsplätze zu verfügen die diese Leute zum Großteil ausfüllen könnten. Wieso sollte es nicht möglich sein, dass diese, wenigstens zu einem großen Teil, besetzt werden wenn doch soo viele qualifizierte Arbeitslose in unserem Land sitzen. Auch lässt sich bestimmt sagen, dass die meisten Arbeitslosen aus irgendeinem Grund arbeitslos sind, und nicht weil sie einfach nur Pech hatten. So viele Pechvögel kann es garnicht geben. So nun sind diese Leute arbeitslos, wieso auch immer. Die Steuerzahler bezahlen ihre Existenz und das ist auch gut so. Was Spricht also dagegen, dass diese Leute die Arbeitslos sind, folglich den Großteil ihres Tages frei haben (wenn dies nicht stimmt korrigiert mich bitte), sich sozial betätigen und dies auch ohne extra Geld tun, weil der Staat bezahlt ja schon deren Unterhalt, TV, Nachhilfe und noch viel mehr. In der Situation ist es durchaus zumutbar Gehwege von Eis zu befreien, alten Leuten bei ihrem Einkauf zu helfen, oder ähnliches.
Es gibt genug Sachen die getan werden könnten und von Arbeitslosen übernommen werden könnten.
Oder wäre dies eine Zumutung für alle Arbeitslose ?
HartzIV zu kürzen halte ich an der Stelle für nicht all zu sinnvoll, auch wenn ich der Meinung bin, das der, der obwohl es möglich wäre, nichts Leistet, verdient auch keine Art von Luxus, doch eine Kürzung würde nicht zu Motivation, sondern Frustration führen.
Auch die Ballung von Arbeitslosen ist nicht gut und sie stimmt auch nicht immer mit der Menge der verfügbaren Arbeitsplätze überein, doch ist auch ein Umzug nichts unzumutbares.
Vielleicht ist ein Mindestlohn eine Lösung, doch wer kann den Bezahlen ?
Und wenn der Westerwelle es etwas übertreiben hat, muss man sagen das wir in einer Zeit der Übertreibung Leben und auch die Bild nichts anderes Tag für Tag macht, und der Westerwelle nicht der einzige Politiker ist der an vielen Stellen übertreibt.
*Oh lieber Zach gebe uns eine Editfunktion*
sry das ich “Harz4″ permanent falsch geschrieben haben -.-
Ausserdem kann ich Mohawk nur zustimmen.
@Dreschflegel
Jaaaa die Armen Leute unser Schulsystem ist ja sooooo unfair. Wir sollten jedem eine 1 geben obwohl er nichts kann. Am besten nehmen wir dann auch Kochen und Holzhacken als Fächer auf wie die Walldorfschule, damit auch die dümmsten wenigstens in einer Sache gute Noten haben.
Es hat JEDER die Chance etwas für die Schule zu tun, wer es nicht tut hat selber Schuld, und wer es nicht Leisten kann ( es gibt LeistungsUNTERSCHIEDE die auch angeboren sind ) hat halt Pech. Nur zu schade das es nen Haufen unqualifizierter Arbeiter gibt. Die Masse macht es halt billig und minderwertig.
Und dann hat halt deine Mutter ein “minderwertigen” Job auf dem sie durch VIELE andere ersetzbar ist. Sie hat damit das Recht genug zum Leben zu bekommen muss sich aber halt mit vielen anderen auf der Welt messen und gucken was für sie übrig bleibt…
Ich beführchte das die Saat aufgegangen ist.
Über minderwertige Menschen ist schon zwischen 39und45 kräftig diskutiert worden
“Es hat JEDER die Chance etwas für die Schule zu tun, wer es nicht tut hat selber Schuld, und wer es nicht Leisten kann ( es gibt LeistungsUNTERSCHIEDE die auch angeboren sind ) hat halt Pech.”
Dem möchte ich mal wiedersprechen, da viel vom sozialen Umfeld und der Erziehung abhängt und daher nicht jeder der gleichen Chancen hat. Menschen sind die Größten wenn es ums Nachahmen geht, dieses ist besonders schön bei Babys, Kleinkindern zu beobachten und setzt sich meist im Leben fort. Ein einfaches Beispiel, wenn die Eltern arbeiten, Bücher lesen usw. dann ist es für einen auch selbstverständlich das auch später zu tun.
Wenn die Eltern nun mal als extrem Beispiel nicht arbeiten den ganzen Tag RTL gucken, dann erscheint es einem auch richtig und unsere Bildungsystem schafft es anscheinend nicht so eine Einstellung/die Versäumnis der Eltern zu kompensieren bzw. zu verbessern.
Zu den Walldorfschulen kann ich nur sagen: gefällt mir nicht, stört mich aber auch nicht also is mir wayne (mag aber die flames nicht!).
Ich bin auf eine Gesammtschule gegangen und besuche diese immernoch. Ich sehe da keine ungerechtigkeit!
Ganz so drastisch wie Bairuike wollte ich das nicht ausdrücken mit der minderwerttigkeit aber im grunde ist es so. Hättest du lust deinen Angestellten das doppelte zahlen zu müssen nur weil der Staat das so festlegt?
Sagen wir deine Angestellten erwirtschaften 10e die Stunde und krigen 3€. Von den 7€ die du übrig hast, musst du Miete, versicherungen etc bezahlen! für dich bleiben 5€. Jetzt sollst du deiner Mitarbeiterin auf einmal aber 4€ zahlen. So würdest du jede Stunde einen € verlieren also musst du dein Produkt teurer machen. Aber wer will statt 10€ 11€ bezahlen?
und wenn es nicht 1€ mehr sondern 2 oder 3€ sind kommt da was zusammen.
Wenn das Angebot hoch ist, sinkt der Preis. Im moment haben wir ein überangebot an unqualifizierter Arbeit und deswegen ist der Preis auch so gering. Das ist richtig so in einer Marktwirtschaft!
Ach und btw viel spaß beim kotzen. Wenn dir ein besseres System einfällt kannste das dem Nobelpreis-Verein vorlegen und den Preis dafür absahnen.
@Zach:
[...]Zwei Drittel aller Deutschen könnten nicht arbeiten[...]
Ich glaub du meinst hier die Arbeitslosen oder?
@Bairuike: HarTz4 ist schon richtig.
Ansonsten kann ich grad nur den Kopf schütteln, was hier einige schreiben…
@Lappen
Da hast du recht. Dafür sollte es sowas wie einen “Elternführerschein” geben. Oder die Sozialpädagogen sollten aufestockt werden. Das Jugendamt könnte werdende Eltern “unterrichten” und ab und zu kontrollieren. Das würde Arbeitsplätze schaffen aber Geld kosten.
@ Anruga:
Ich Spreche keinesfalls von Minderwertigen Menschen sondern von Minderwertiger arbeit.
@Lappen:
Die Lehrer reden einem heutzutage reden einem schon Heute ziemlich gut ein, dass man was tun muss um einen guten Beruf zu bekommen. Und die Lehrer die das nicht tun muss mal jemand in den Arsch treten.
Ausserdem sind die Menschen große Klasse in “Schuld auf andere schieben” bestes bsp. Ich kann das nicht anders, meine Eltern/mein Umfeld macht das auch. Du kannst ja die Eltern erziehen oder nen Elternführerschein einführen aber das kostet Geld. Bzw. willst du Leuten das Recht absprechen wollen Kinder zu bekommen ? Ich persönlich würde das gut finden. Aber setz das mal durch….
Ausserdem soll ja immer nur der Staat das ganze Bezahlen aber nie du selber.
Allgemein: Wenn euch die Arbeitslosen so leid tun, spendet doch um deren Lebensqualität zu verbessern. Wie viele geben jedem Straßenpenner Geld damit der das für Bier ausgeben kann ? Wie viele würden DIREKT aus der eigenen Tasche Sozialhilfe bezahlen ?
Die meisten wohl kaum, aber der Staat scheißt das Geld oder was ?
Tja, wenn ich hier so Kommentare lese, weiß ich wer die FDP gewählt hat und wer nicht.
Ich finde diese “Mir das beste und dem rest das schlechte” Einstellung der meisten Menschen heutzutage unerträglich. Aber hey, das war schon immer so und wird auch immer so sein. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Wenn alle Reich wären gäbs ja keine Armen mehr und somit wäre keiner mehr Reich.
Assi TV Sendungen stärken diese Menschen auch noch in ihrer Einstellung.. aber so ist es nunmal. So läuft die Welt.
Selbst Leute die nie einen Finger krumm gemacht haben und ins Geld hineingeboren werden dürfen ungeschoren das Maul aufreißen…
Wenn jetzt Arbeitslose zu arbeiten verplichtet werden sollen “die gemacht gehören” dann sind sie ja wohl nicht mehr Arbeitslos. Braucht man Leute die Schneeschippen so muss man die anstellen oder ne Firma beauftragen die diese anstellt. Wenn man Arbeitslose zur Arbeit als Schneeschipper zwingt, kommt es zu der absurden Situation das Arbeitslose Arbeitern Arbeit wegnehmen.
Die Frage nach der Bezahlung von Arbeit sollte nicht nur vom Markt beantwortet werden sondern auf Grund von Faktoren wie notwendiges Know How, Arbeitszeit, schwere der Arbeit, Risiko, Verantwortung … Natürlich soll ein Arzt mehr verdienen als ein Bauarbeiter. Aber nicht wegen des Angebot-Nachfrag Verhältnisses sondern eben wegen Ausbildung und Verantwortung. Die Unterschiede zwischen den Gehältern sollten dabei nicht zu groß werden, sonst bekommen wir eine 2 Klassengesselschaft und irgendwann lässt sich die untere Klasse das nicht mehr gefallen.
Die Preiße der Produkte sollten sich meiner Ansicht nach, nach der investierten Arbeit richten und nicht umgekehrt. Die Frage ist doch was man als Fixpunkt nimmt, die faire Bezahlung aufgrund der man die Produktpreiße anpassen muss, oder die Produktpreiße aufgrund der man die Gehälter festlegen muss.
Der Markt ist für den Menschen da, und nicht der Mensch für den Markt.
damit ist jotschi der erste hier der nicht flamed außer Bairuike Lappen und mir.^^ du gehörst offiziell zu den produktiven die nicht sagen ihr seid scheiße sondern sich gedanken gemacht haben was man besser machen könnte oder wieso das vorhandene system gut so ist (oder man kein besseres findet)
Also, meine Erfahrung mit dem Arbeitsamt – oh, sorry – der ‘Bundesagentur für Arbeit’. Ist folgende: die Sacharbeiterin lässt mich 30+ Min warten (obwohl niemand vor mir dran war bzw. ich sogar morgens den allerersten Termin hatte), und knallt mir dann 2 Ausdrucke von der Internetseite des AA hin, bei denen ich mich bewerben MUSSTE. Und nach einer Weile – da sich kein Erfolg einstellt – wurde ich einer ‘Maßnahme’ zugeteilt. 5 Tage die Woche mit 8 Stunden; der Ort, wo die Maßnahme stattfand, ist weit draußen/abgelegen, 15 min bis zur Bushaltstelle in die Stadt (Mittagessen: keine Chance. Und nein, im Raum durften wir auch nicht bleiben während der Mittagspause.) Einmal davon abgesehen, das ich aus körperlichen Gründen (50% Schwerbehinderung) nur Teilzeit arbeiten KANN, war 99% der Maßnahme Computer-1mal1. Und zwar von 0 angefangen: “Sie starten WORD mit einem Doppelklick.” – “Was ist ein Doppelklick?” Ich habe abgeschlossene Ausbildung als Bürokaufmann, kann also behaupten, dass ich mich mit MS Office durchaus gut auskenne. Und ich war nicht der Einzigste mit soldigen PC-Kenntnissen in dieser ‘Maßnahme’. Und auf die Frage, was ich denn machen soll (weil mir alles bekannt war; am 1. Tag wurde zB. den ganzen Tag Ändern der Schriftart und -größe in Word geübt), kam die Antwort, dass ich SOLITÄR spielen oder im Internet surfen/nach Stellen suchen soll. Aber auch sonst wurde ich durch das AA nicht besonders unterstützt; so gab es Probleme mit Krankenversicherung; das wurde ignoriert; ich wollte Führerschein machen, und musste ihn abbrechen, weil das (gesparte) Geld für die Krankenversicherung herhalten musste. Die Original-Lohnsteuerkarte, die ich an das AA geschickt habe, wurde verschlampt; die Kosten für einen Ersatz wurden nicht ersetzt. Oder andere Situation, um 8 Uhr Termin. Aber die Türen vom AA geht nicht etwa (es war letztes Jahr im Winter) 5 oder 10 min früher auf, nein, erst um genau 8.00,00 h und keine Sekunde früher; und dann musste ich die oben erwähnte halbe Stunde warten.
Ich glaube es gibt in dieser Diskussion zwei Komponenten. Erstens die sozialmoralische Komponente, welche einigen meiner Vorposter gänzlich abhanden geht, was dazu führt, dass sie die zweite Komponente, nämlich die volkswirtschaftliche, übermäßig betonen.
Zu erstens: Jeder Mensch, welcher einer Arbeit nachgeht sollte mit einem Gehalt ausgestattet sein, welches ihm ein angenehmes und menschenwürdiges Leben ermöglicht. Niemand, der 35 oder 40 Stunden in der Woche irgendwo schafft sollte sich darum zu sorgen haben, ob er am Ende des Monats die Heizkosten zahlen kann.
Wenn es Berufe oder Branchen gibt in denen Menschen weniger Geld verdienen, als sie durch Hartz IV bekommen würden, dann ist die Konsequenz daraus sicherlich nicht die Hartz IV – Sätze zu verringern und die Arbeitslosen als Schamarotzer zu beschimpfen, sondern die Konsequenz muss ein flächendeckender Mindestlohn sein, welcher es den Beschäftigten ermöglicht mehr Geld zu verdienen als den Hartz IV – Satz, welcher als das sozioökonomische Minimum für ein menschenwürdiges Leben definiert ist!
Zu zweitens: Der Niedriglohn-Sektor ist keineswegs eine Erfindung des “freien Marktes”, sondern er ist hausgemacht. Hartz IV Empfänger müssen mit harten Sanktionen rechnen sollten sie nicht den erstbesten Job annehmen, der ihnen vom Arbeitsamt angeboten wird. Daraus ergibt sich, dass die Arbeitgeber in diesem Niedriglohn-Sektor die Löhne auf ein außerordentlich niedriges Niveau drücken können, da sie ja jederzeit mit genügend Arbeitnehmern vom Arbeitsamt versorgt werden, welche ja keine Wahl haben, als diesen Job anzunehmen. Es wird einige hier vielleicht überraschen, aber im Modell der freien Marktwirtschaft haben alle Marktteilnehmer eine “Marktmacht”, welche es ihnen ermöglicht den Markt (bedingt) nach ihren Wünschen zu gestalten. Die Arbeitgeber haben die Arbeitsplätze und die Arbeitnehmer haben (theoretisch) die Möglichkeit ihre Arbeit an den Meistbietenden zu verkaufen. Im Modell der freien Marktwirtschaft ist es dem Arbeitnehmer möglich Dumpinglöhne abzulehnen und einfach nicht für einen solch niedrigen Lohn zu arbeiten. Die frühen Gewerkschaften haben mit diesem Prinzip gegenüber den Fabribesitzern höhere Löhne durchgesetzt. Heutzutage sind allerdings die Wenigsten im Niedriglohn-Sektor gewerkschaftlich organisiert und die Gewerkschaften selbst sind leider auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Daher muss der Staat mit einem Mindestlohn die faire Bezahlung der Arbeitnehmer sicherstellen, wenn die Arbeitnehmer nicht mehr genug Macht haben, um dies selber zu tun. Schließlich hat der Staat ihnen durch die Hartz IV Sanktionen ja auch einen Teil ihrer Macht genommen.
Ein Mindestlohn hätte übrigens extrem positive Auswirkungen auf den Binnenkonsum, denn die vielen Niedriglöhner hätten ja damit wesentlich mehr Geld in der Tasche als vorher und würden damit die Konjunktur ankurbeln. Wahrscheinlich wäre dies konjunkturell wesentlich nützlicher als eine Einkommensteuersenkung von 2% von der nur die obersten 10000 profitieren.
Verzeiht mir, dass ich für die Zitate keinen Autor angebe, hab die während des Lesens gerade gesammelt:
“aber man muss immer bedenken, das ein Harz4 Empfänger auf Kosten anderer lebt.”
Nicht bzw. teilweise richtig. Jeder arbeitende Bürger zahlt in die Arbeitslosenversicherung ein. Im Grunde schöpfe ich in schlechten Zeiten also nur aus Puffern besserer Zeiten. Dass es dabei nicht immer ganz fair zugeht und der eine 50 Jahre ununterbrochen verdient während ein anderer 20 Jahre auf Geld dieser Versicherung angewiesen ist liegt in der Natur der Sache. Wenn das so ein Skandal ist dürfte es aber auch keine Krankenkassen geben. Ich bin so gut wie nie krank, schon gar nicht genug um zum Arzt zu müssen. Dennoch zahle ich unglaublich hohe Krankenkassenbeiträge, weil andere eben auf dieses Geld angewiesen sind. Da herrscht auch kein Geschrei von “spätrömischer Dekadenz.”
“Trotzdem gibt es geschätzt über 1.100.000 Arbeitsplätze zu verfügen die diese Leute zum Großteil ausfüllen könnten. Wieso sollte es nicht möglich sein, dass diese, wenigstens zu einem großen Teil, besetzt werden wenn doch soo viele qualifizierte Arbeitslose in unserem Land sitzen.”
Hmm ich sehe das auch gerne so. Es hätte ja Stellen. Aber gerade im Pflegebereich, in dem vornehmlich Stellen frei sind, ist es einfach unglaublich wichtig, dass ich eine gewisse Neigung zu dem habe, was ich tue. Irgend einen Job im Bereich Datenverarbeitung etc. kann ich mich auch durchbeißen, aber alte/kranke/… Menschen pflegen? Das bedarf schon etwas mehr.
“Auch lässt sich bestimmt sagen, dass die meisten Arbeitslosen aus irgendeinem Grund arbeitslos sind, und nicht weil sie einfach nur Pech hatten.”
Genau zu diesem Thema habe ich heute einen interessanten Text gelesen. Es ist nunmal so, dass die Unternehmen mittlerweile kaum noch finanzielle Polster für schlechte Zeiten bilden. Es liegt aber in der Natur der Wirtschaft, dass es schlechte Zeiten gibt. Hier dient nun der Mensch als Puffer. ist die wirtschaftslage schlecht entlässt man so viele Mitarbeiter, dass man finanziell über die Runden kommt. Es ist ja nicht so, als müsste ich die Mitarbeiter halten. Wenn es meiner Firma wieder besser geht gibt es gegnug Arbeitslose auf dem Markt. Billiger als alt gediente Kräfte sind die dann auch noch. Wie praktisch!
Thema Mindestlohn hat Yrgav schon vorweggenommen, was ich schreiben wollte :)
Sowie Tarath die Situation als Arbeitsloser beschreibt, stimme ich ihm vollkommen zu, dass dieses eine Frechheit ist.
Mit meinem Beispiel, den Arbeitslosen zumutbare sozial nützliche Arbeit auszuführen, meinte ich keineswegs, dass sie anderen die Arbeitsplätze wegnehmen, sondern dort helfen, wo mehr Arbeit benötigt wird, als grade geleistet wird, und dabei nicht privat angestellt sind, sondern vom Staat organisiert sind. Z.B. hatten die Winterdienste teilweise mehr zu tun als sie Leisten konnten. So waren Gehwege im Altersheim vereist und total rutschig. Gehbehinderte konnten sich so gut wie garnicht fortbewegen. Natürlich gibt es diese Situationen nicht immer, doch sie gibt es und so könnten sich “untätige” Menschen sozial engagieren.
Von der Sozialen Komponente sehe ich es so, dass das Leben nicht fair ist.
Doch gewöhnlich ist jeder Mensch seines eigenen Schicksals Schmied. Ich kann faule Menschen die reich sind weil sie so geboren wurden doch eigentlich Stock doof sind genauso unsympathisch wie Leute die auf Kosten unseres Sozialsystems ihr Leben dorthin chilln.
Selbstverständlich sollte sich ein Vollzeit arbeitender Mensch sich keine Gedanken um seine Existens machen müssen. Wenn dies in der Theorie alles so klappen würde wäre dies toll. Ich halte es nur praktisch für schwer, da die Welt halt nicht fair ist und zweitens der schon erwähnte Faktor des Weltmarktes eine Rolle spielt.
@Bairuke
“Mit meinem Beispiel, den Arbeitslosen zumutbare sozial nützliche Arbeit auszuführen, meinte ich keineswegs, dass sie anderen die Arbeitsplätze wegnehmen”
Wir haben das schon richtig verstanden, was du meintest. Du willst Arbeitslose zur Zwangsarbeit heranziehen.
“Selbstverständlich sollte sich ein Vollzeit arbeitender Mensch sich keine Gedanken um seine Existens machen müssen. Wenn dies in der Theorie alles so klappen würde wäre dies toll. Ich halte es nur praktisch für schwer, da die Welt halt nicht fair ist und zweitens der schon erwähnte Faktor des Weltmarktes eine Rolle spielt.”
Interessanterweise geht es bei der Einführung eines Mindestlohns wirklich nur sehr sekundär um den “Weltmarkt”. Ein Mindestlohn würde vor allem im Dienstleistungssektor wirken, bei Reinigungskräften, Altenpflegern oder Kassierern. Das sind die Berufsgruppen, welche im Niedriglohn-Sektor “heimisch” sind.
Die großen Exportunternehmen, die auf dem “Weltmarkt” tätig sind haben zum größten Teil Mitarbeiter, die bereits wesentlich mehr als einen Mindestlohn verdienen. Die Jobs, welche von gering qualifizierten Arbeitskräften durchgeführt werden können haben diese Unternehmen nämlich bereits auf den “Weltmarkt” ausgelagert, z.B. nach Asien oder Afrika.
Dann halte ich einen Mindestlohn auf diesem Sektor für Sinnvoll, wenn dadurch nicht Arbeitsplätze verloren gehen.
Zur “Zwangsarbeit”:
Was ist daran falsch, als Arbeitsloser, welcher folglich nicht arbeitet also nicht so viel zu tun hat (natürlich ausnahmen wie Erziehung inbegriffen) Soziale Arbeit erfüllen zu lassen ?
Wieso sollte dieser Alten Menschen nicht das Bewegen im freien ermöglichen, wenn er schon nichts besseres grade zu tun hat ? Etwa weil das ja Zwang wäre und damit gegen die Menschenrechte verstößt ? Also zuhause rumsitzen und auf nen Arbeitsplatz warten und sich auf welche bewerben ist humaner, als sich zu bewerben und in der Zeit die man zweifelsohne frei hat sich Sozial zu engagieren ?
Aber wie angangiert ist ein Arbeitsloser, welcher zum spazieren gehen mit alten Menschen GEZWUNGEN wird. Und wie sehr nützt es den Leuten dann wirklich?
“Was ist daran falsch, als Arbeitsloser, welcher folglich nicht arbeitet also nicht so viel zu tun hat (natürlich ausnahmen wie Erziehung inbegriffen) Soziale Arbeit erfüllen zu lassen ?”
Wenn der Arbeitslose Arbeit erfüllt ist er doch per Definition nicht mehr Arbeitslos. Es wäre nur ein Vorwand bestimmte Arbeiten für noch billiger zu bekommen.
@Bairuike
“Etwa weil das ja Zwang wäre und damit gegen die Menschenrechte verstößt ?”
Ja. Das sind Arbeitslose, keine Leibeigenen des Staates.
Ok wenn man es halt so sieht… dann lässt man es halt eben…Hartz 4 reicht ja auch vollkommen zum Leben aus wieso sollte man für das Leben was einem der Staat sponsert auch noch Soziale aufgaben übernehmen….Das wäre doch Wahnsinn…Das ist SKLAVEREI !!!
/ironie off
Du bist jederzeit frei Deutschland, dass Land was in diesem Falle Menschen versklaven würde, zu verlassen, folglich bist du ein freier Mensch. Kein Leibeigener oder ähnliches. Ausserdem sind wir nach der Auffassung alle Sklaven des Systems…bis auf die Arbeitslosen. Die können tun und lassen was sie wollen, Wirtschaftlich weiter absinken kann man dann nämlich nicht mehr.
Deutschland hat eines der fortschrittlichsten Sozialsysteme der Welt, und die meisten wissen das nicht zu schätzen und wollen immer mehr…wenn es den Leuten eurer Meinung nach wirklich so schlecht geht, dann bezahlt den doch auch die Theaterbesuche oben drauf, aber bitt direkt aus eigener Tasche. Wer einen Obdachlosen ins Theater einlädt, der darf auch berechtigt sagen, dass Hartz4 erhöht werden soll und wir ohne Zweifel einen Mindestlohn brauchen.
( ich möchte hiermit keine Arbeitslosen diskriminieren und die die in sie geraten sind, ohne eigenverschulden, tun mir auch leid)
(einen Obdachlosen zu den man vorher nicht kannte und keine Emotionale Verbindung, bevor man ihn eingeladen hat, hatte.)
Sind Theaterkarten nicht grundsätzlich schon staatlich subventuniert? In Österreich ist das (glaub ich) so…
@Jotschi
Theaterkarten sind auch in Deutschland staatlich subventioniert.
@Bairuike
Ich bin mir ja nicht sicher, ob du die “Allgemeine Erklärung der Menschenrechte” schon einmal gelesen hast, ich tippe bei dir ja eher auf Machiavelli als Gute-Nacht-Lektüre.
Gehen wir das doch mal in Ruhe durch. Das Arbeitsamt/ der Staat verpflichtet also einen Arbeitslosen dazu unentgeltlich Bürgersteige freizuräumen. Der Staat verpflichtet also auf Grund eines Notstandes alle arbeitslosen Bürger zu einer solchen Aktion. Der Staat benutzt also sein Gewaltmonopol, um einen Arbeitslosen zu gemeinnütziger Arbeit zu zwingen. Wie nennt man das? Richtig, Sozialstunden. Und wofür bekommt man normalerweise Sozialstunden aufgebrummt? Zum Beispiel für kleinere Strafdelikte. Also sind deiner Ansicht nach scheinbar alle Arbeitslosen Verbrecher, da sie sich unverschämterweise in der sonnigen Hängematte des Sozialstaates ausruhen.
Das diese Hängematte gar nicht so toll ist und Arbeitslosigkeit für viele Menschen ein ernsthaftes, auch psyschologisches, Problem ist scheinst du überhaupt nicht zu bedenken oder, noch schlimmer, es scheint dir egal zu sein.
Und wo auch gerne in der Diskussion Extrembeispiele von einer Minderheit von “Schmarotzern” bemüht werden, bemühe ich auch mal ein Beispiel:
Wenn mein Vater nach 40 Jahren Arbeitens und Einzahlens in die Sozialsysteme vor kurzem arbeitslos geworden wäre und dann auf die Initiative von Herrn Westerwelle hätte Schnee schippen müssen, dann wäre ich nach Berlin gefahren, um diesem widerlichen “Leistungsträger” mal die Meinung zu sagen.
@Bairuike: Am Anfang habe ich dir teilweise noch zugestimmt, aber mittlerweile muss ich echt sagen, du redest da totalen Stuss… Du magst es wahrscheinlich kaum glauben wollen, aber auch ein Arbeitsloser, zumindest, die was dagegen tun wollen, sitzen nicht nur zuhause rum. Ich hab den Eindruck und bitte korrigiere mich, falls ich da daneben liege (was mir liebsten wäre), dass jemand wie ich, also ein Hartzer, solange ein Mensch zweiter Klasse ist, bis er einen Job gefunden hat.
Um dein Beispiel der Altenpflege mal aufzugreifen: Wenn er in der Altenpflege als total unterbezahlter und unqualifizierter Angestellter, den anderen qualifizierten Leuten den Job wegnimmt, ist das ja nicht schlimm, gelle? Es werden in vielen Bereichen, besonders der Altenpflege, fast nur noch 400€ Kräfte eingestellt. Warum? Das ist ganz einfach: Steuern! Bei einem 400€-Angestellten mussder Arbeitgeber kaum bis gar keine Steuern zahlen und Sozialabgaben fallen komplett weg. Dieses milliardengroße Steuergrab hat sicher Staat selbst geschaufelt, in der diese Regelung der 400€ Jobs eingeführt hat. Denn er bekommt a) keine Steuern vom Arbeitgeber und b) auch keine vom Arbeitnehmer, es sei denn es wäre sein x-ter Minijob. Und so ganz nebenbei:
Da keine sozialversicherungspflichtigen Beiträge abgeführt werden, wird auch nix in die Rentenkasse eingezahlt… Für jemanden der nebenher zu seinem eigentlichen Tätigkeit was dazu verdienen möchte, ist die Regelung super, für uns Arbeitslose ist sie mehr Fluch als Segen. Denn von den 400€ dürfen wir im Prinzip nur 150€ behalten, denn diese 400€ werden komplett verrechnet und zum anderen werden wir von potenziellen Arbeitgebern mit diesen Mini-Jobs ausgenutzt. Aber die selben Arbeiten wie die normalen Angestellten sollen wir natürlich mitmachen, wäre doch denen gegenüber unfair! Denn die Rechnung ist da ganz einfach: Ein Arbeitnehmer in Vollzeit, 40-42 Std., mit 1200 Euro netto, kostet den Betrieb durch die Abgaben noch viel mehr Geld, neben dem Gehalt. Wenn er dagegen drei 400€-Kräfte einstellt, zahlt nur 1200 Euro, hat keine Abgaben zu leisten, hat summasumarum 45 -50 Stunden Arbeitskraft ( im Gegensatz zu 40-42) und kann diese im Gegensatz zu der einen Vollzeitkraft total flexibel einsetzen. Selbstverständlich wird diese Kräfte auch relativ schnell wieder los. Zudem ist es meisst so, dass Die Stundenlöhne umgelegt auf die Arbeitsstunden und verglichen mit den Vollzeitkräften oftmals noch nicht die Hälfte betragen. Zeitarbeitsverhältnisse also. Nochmals: Die Arbeit ist aber immer noch die gleiche, die auch die “normalen Angestellten” verrichten. Und jetzt kommt die Krönung: Obwohl du als Arbeitsloser so einen Job hast, de facto ja was tust, wirst du immer noch als Arbeitsloser geführt. Um jetzt wieder den Bogen zu der Altenpflege zu schlagen: Informiere dich mal genauer bevor du solche Vorschläge machst!Ich hab es in einem anderem Beitrag von Zach schon mal gesagt: Es ist genau wie bei Schneeschippen: Euch mag dass nicht auffallen (wollen), aber seit Anbeginn von Hartz 4 ist bereits Gang und Gebe, das eben die Hartzer für genau die Tätigkeiten, die du gefordert hast, bereits eingesetzt werden!!! Seit Beginn des ganzen… In jedem, in wirklich absolut jedem Alten&Pflegeheim findest du Arbeitslose. Diese “Arbeiten” werden dann mit 1,25 € die Stunde vergütet(1€-Job…). Zu leisten sind 30 Stunden, also Teilzeit bis 3/4 Stelle. Und glaube jetzt nicht, dass die Heime dass bezahlen, oh nein, das bezahlt der Staat und der holt es sich vom Steuerzahler. Der Betrieb hat also ne Arbeitskraft für lau. Da viele Heime dies im großen Stil machen, ist das für mich Schwarzarbeit auf einem ganz anderem, neuen, Niveau. Und so ganz nebenbei werden nach und nach immer mehr Jobs auf dem 1.Arbeitsmarkt vernichtet… Denn wozu jemand einstellen? Ich melde einfach Bedarf beim Amt und die schicken mir 1€ Jobber, denen ich was von Übernahme vorlüge, damit sie motiviert sind/bleiben. Die Leute die am Straßenrand arbeiten, sind keine Mitarbeiter der Stadt/Land/Gemeinde sondern zumeisst 1€ Jobber, die diese Tätigkeiten als sogenannte Qualifizierungsmaßnahme ausüben (genau wie in der Altenpflege). Im Prinzip redest und argumentierst du nicht anders als Westerwelle: Einfach mal Forderungen und Vorschläge machen, ohne von der Marterie auch nur den Ansatz von Ahnung zuhaben. Denn es hört sich ja so toll und richtig an.
Wie schon geschrieben: Jeder weiss, aber jeder verdrängt es: Arbeitslose werden bereits für diese Arbeiten zwangsverpflichtet. Und es ist Zwang, denn sonst wird mit Kürzung des Bezuges gedroht, was ich selbst allerdings auch für richtig halte.
Also bitte Leute, tut den (zumeisst willigen) Arbeitslosen den Gefallen, und informiert euch erstmal richtig und ausführlich, bevor ihr mit euren teils lächerlichen oder bereits in die Tat umgesetzten Forderungen fast schon beleidigt oder besser formuliert, “deklassiert”!
Ich wusste nicht das es teilweise so schlimm ist wie du es grade beschrieben hast. tut mir leid.
Das andere Privatbetriebe Arbeitslose als günstige Jobber beantragen können und dies so ausnutzen, finde ich persönlich auch nicht ok.
Die Regelung mit dem dazuverdienen von Geld ist definitiv so wie du sie beschreibst alles andere als wirkungsvoll, doch stößt man an dieser Stelle an das Probleme welches auftritt wenn man als Arbeitsloser mit Job mehr bekommt, als ein Vollzeit angestellter.
Ich finde die 1€ Jobber aber auch nicht schlecht. Das Beispiel von meiner Schule:
Wir hatten 1€Jobber, die haben nichts anderes gemacht, als auf die Fahrradständer aufzupassen. Saßen auf einem Klappstuhl, haben Bild gelesen und halt sonen bisschen aufgepasst. Nachdem diese Leute weg waren, wurden innerhalb einer Woche mehr Fahrräder gestohlen als vorher in nem halben Jahr.
Aber für was genau soll man diesen Leuten bezahlen, dass es ein gerechter Lohn ist ?
Altenpfleger sind bestimmt so wie du es hier nennst unterbezahlt.
Bei einem Gesetzlichem Mindestlohn ist dann wieder die Frage ob man 3 schlechtbezahlte, oder einen gut bezahlten will…beides, also 3 gutbezahlte geht nämlich zu 99% nicht.
Ich kann mir nur aus meiner jetzigen Position nicht vorstellen das bei 1,2 Mio freien Arbeitsplätzen und 3,7 Mio Arbeitslosen, die Arbeitslosen ohne Grund keine neue Arbeit finden. Wenn dies nicht stimmt, dann erklärt mir die Situation, wie MR.FGWZ es getan hat.
ganz grob sehe ich es so, das der, der etwas Leistet auch mehr bekommt, als der, der nichts Leistet. Natürlich sollte dies auch unter Arbeitslosen so sein. Und wenn man 40 Jahre gut Steuern bezahlt hat, sollte auch dies berücksichtigt werden.
Generel sollte nur jemand der nichts tut auch entsprechend seiner Leistung entlohnt werden, nämlich möglichst gering. (Ausnahmen bestätigen die Regel)
Die Privatbetriebe können das solange es einem sozialen Zweck dient und/oder der Betrieb eine soziale Einrichtung ist. Wie eben zum Beispiele die Heime, von denen die meissten in Privathand sind und keine staatlichen Einrichtungen sind, da dieser sie schlicht und einfach nicht finanzieren kann. Was den gerechten Lohn angeht, wird dies immer eine Frage sein, an der sich die Geister scheiden.Führst du einen generellen Lohn ein, werden manche Branchen vielleicht Massenentlassungen durchführen. Führst du branchenspezifische Mindestlöhne ein, so riskierst du mit großer Wahrscheinlichkeit einen Klassenkampf der feinsten Sorte zwischen den Berufsgruppen. Man wird nie die eine perfekte Lösung finden. Das ist unmöglich. Da hast du eher 6 richtige im Lotto. Ich kenne beide Seiten des Systems. Ich hab eine Ausbildung in einer Kreisverwaltung (u.a. Sozialabteilung –> Sozialhilfe) gemacht und sogar ein Praktikum in einer Agentur für Arbeit. Und jetzt bin ich auf der anderen Seite des Systems gelandet. Morgen habe ich meinen allmonatlichen Termin auf der ARGE, bei dem es dann wieder heisst: “tut mir leid Hr. XY, wir zurzeit nix für sie tun, hier haben sie Angebote von Zeitarbeitsfirmen.” Es ist ja nicht so, dass dies nur Scheinangebote sind um Leute anzulocken…
Ich biete jedem an, ausnahmelos jedem, dass wenn er sich für die Thematik interessiert und Hintergrund-Infos von einem Insider von beiden Seiten wissen will, Hilfestellungen braucht oder einfach mal Geschichten und Erlebnisse von mir und anderen mir bekannten Hartzern (naturgemäß kenne ich durch Maßnahmen den ein oder anderen) hören will, kann er sich per Skype, ICQ oder E-Mail melden. Einfach den Nick von hier bei Suche verwenden! ;-)
Ach ja, die E-Mail: mrfgwz@web.de!
Habe gerade keine Zeit mir genaue Quellen zu suchen, wollte aber trotzdem hier noch kurz anmerken daß man noch bedenken muß daß diese Zahlen alle “geschönt” sind. Machst du das 7. unnütze Bewerbungstraining vom Amt bist du raus aus der Statistik, bis du über 50 bist du raus aus der Statistik usw. usf.. Man spricht von einer “Dunkelziffer” von über 8 Mio Arbeitslosen. Und wenn man sich mal vor Augen führt daß es bei insgesamt ca 82. Mio Deutschen nur noch ca 24 Mio Arbeitnehmer gibt (Kinder und vor allem Rentner, Pensionäre, ehemalige Beamte und MdBs usw. arbeiten schließlich auch nicht) sollte langsam mal klar werden daß dieser ständig künstlich hochgehaltene Arbeitsethos einfach nicht mehr den reellen Gegebenheiten entspricht.
Und wie viele von den angeblich 800.000 offiziellen freien Stellen sind nur als Alibi ausgeschrieben damit die Firmen sagen können “Wir bemühen uns ja Angestellte zu finden, aber es gibt einfach keine Passenden”? Ich schätze mal fast die Hälfte. Wenn wirklich dringend Arbeitskräfte gebraucht würden könnte man an vielen Stellen einfach die Produktions- bzw. Arbeitsvorgänge umstellen damit auch “nicht-Fachkräfte” die Aufgaben erfüllen könnten. Aber das geschieht nicht, weil es ja auch so funktioniert (auch auf Kosten der wenigen noch Arbeitenden).
Lasst euch nicht durch die ständig wiederholten Lügen einlullen und spalten! Das richtig dicke Ende liegt noch vor uns.
Yrgav: [...]Gehen wir das doch mal in Ruhe durch. Das Arbeitsamt/ der Staat verpflichtet also einen Arbeitslosen dazu unentgeltlich Bürgersteige freizuräumen.[...]
Die Arbeit ist doch nicht unentgeltlich. Sie arbeiten für ihre Sozialhilfe.
@m0hawk
Wenn das so ist haben wir gar keine Arbeitslosen mehr. Dann sind das alles Angestellte des Staates, die zu jeder beliebigen Hilfsarbeit herangezogen werden können und außerordentlich mies bezahlt werden.
Nicht unbedingt das was ich mir unter einem sozialen Sicherungssystem vorstelle.
Wie Jotschi es bereits gesagt hat. Arbeitslose, die für Arbeiten herangezogen sind keine Arbeitslosen mehr.
Also, lesen bildet ja. Hab mal alles zusammen gesucht, was Westerwelle so gesagt und geschriben hat.
Der Mann hat mit keinem, aber wirklich keinem Wort, über Langzeitarbeitslose gehetzt.
Gegen wen er schwere Geschütze aufgefahren hat, sind “Sozial”politiker, die den Menschen erzählen, das Geld führ ihren Unterhalt käme ja so einfach vom Staat und der könne ruhig mal richtig großzügig sein.
Bin auch dagegen, dass Arbeitslose Schnee zu schippen haben, aber auch bei Westerwelle sollte man den Anspruch haben, bei der Wahrheit zu bleiben.
LG Dani
Falls ihr immer noch nach Erklärungsmustern sucht. Ich weiß jetzt, was es mit Westerwelle auf sich hat.
http://supergrobi.blogspot.com/2010_03_01_archive.html
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