Ich weiß gar nicht, wie ich dem momentanen Drama um Bischöfin Margot Käßmann gegenüberstehen soll. Wie hart man auch zu „Alkohol am Steuer“ eingestellt seien mag, die momentane Coverage melkt das Thema so sehr, dass man meiner Meinung nach beruhigt einen dicken „Drama Lama“-Sticker drauf pappen kann.

Während nun ein paar Leute, die nichts Besseres zu tun haben, lauthals nach dem Rücktritt der Bischöfin schreien, bin ich mir ziemlich unsicher was überhaupt eine angemessene Reaktion auf diese Art der Verfehlung wäre. Rein vom Gefühl her, Lappen weg, Geldstrafe und gut ist – zwar mag das kein wirklich gutes Licht auf die EKD werfen, aber Rücktritt allein dafür wirkt etwas viel – eben so wie das ganze Aufheben, was um diese Thematik gemacht wird. Es fragt sich natürlich noch, in wie weit der Tumult wirkt den sie in im Januar bezüglich Afghanistan verursacht hat…

Natürlich bleibt die Frage, welche Konsequenzen eine Person wie Käßmann, die in ein Vorbild sein sollte und zudem noch eine ganze Kirche repräsentiert, selbst aus diesem Vorfall für sich ziehen sollte. Aber eine Kirche ist eben nicht das deutsche, politische Parkett in dem man scheinbar alles lösen kann, wenn nur irgendwer zurücktritt und die Schuld auf sich nimmt. Darüber hinaus ist “Betrunken am Steuer und nix passiert”, nichts was man meiner Meinung nach nicht mit einer guten Portion Christlicher Vergebung lösen könnte… und in anderen christliche Kirchen liegt zudem die Latte weit höher, was Rücktritte angeht.

…wo wir gerade von Rücktritten reden. Ist die Tatsache, dass Käßmann besoffen Auto gefahren ist, eigentlich vernachlässigbar – wenn man sich die Nachrichten der letzten Tage so anschaut. Ja, man sollte fast meinen, dass sich Jürgen Rüttgers bald betend in Gotteshäusern beider großer Kirchen wiederfindet, dafür dass seine Sponsoring-Praxis unter einer Welle von missbrauchten Kindern und besoffenen Geistlichen untergeht.

Diese Angelegenheit und die genauen Zahlen interessieren mich ja eigenlich viel eher, als die genaue Promilleanzahl einer Bischöfin… aber vielleicht sind viele Journalisten heute einfach nur zu faul zum addieren.

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