Schneeschippen soll der von Natur aus faule Arbeitslose also. Ich habe einige böse Blicke kassiert für meinen Autobahnvergleich, allerdings ist und bleibt es für mich eine Form von Zwangsarbeit. Schneeschippen für Arbeitslosengeldbezieher ist meiner Meinung nach nicht, was sich die Autoren des Grundgesetzes unter dem Sozialstaat vorgestellt haben…

…und die Leute vom Winterdienst, die sich über Personal- und Salzmangel beschwert haben sicherlich auch nicht.

Was mich regelrecht anekelt ist die Wertschätzung die unsere Außenwelle (Danke Lars) so den Arbeitslosen (mal wieder) entgegenbringt. Nicht nur, dass er alle Hartz-IV-Bezieher so als Menschen abtut die “eh nichts Besseres” zu tun haben, sieht man auch gleich für welche Arbeit er diese qualifiziert hält. Diesen Mann nur auf Beleidigung der Menschenwürde zu verklagen ist fast noch zu gut.

Hetz-Hetz:
Ist Euch schon mal aufgefallen, wie in letzter Zeit die verschiedenen Klassen gegeneinander aufgehetzt werden von Politik und Medien? Ist die Politik dran schuld? Sind die Firmen dran schuld? Beides angeblich “Nein”. Stellt man sich auf die Stufe eines Niedriglohnarbeiters, wird bei diesem der Hass gegen angeblich faule und schmarotzende Hartz-IV-ler geschürt. Es ist ja auch ein einfach zu verstehendes Bild: Während einige sich den Hintern für ein Apfel und ein Ei aufreißen, wird z.B. das Bild von Vorzeige-Spätrömer “Arno Dübel” durch alle Kanäle und Boulevardzeitungen gezogen und hat im Monat gerade mal ein paar Euro weniger zur Verfügung.

Eine perfekte Masche, überlegt man sich dass dieser Dübel gerade die Art Person ist, die in vermutlich jedem System in der sozialen Hängematte liegen würde – oder zumindest als solche Dargestellt wird. Ein perfektes Hassbild auf dass man seinen Unmut abladen kann, denn besser die Arbeitnehmer hassen sich gegeneinander als das System. Nicht auszudenken, was passieren würde wenn all die Hartzer, 1-Euro-Jobber und andere Niedriglohnarbeiter ihren Unmut gemeinsam auf die Regierung entladen würden, da kommt dieser Dübel als Jud… ähm Avatar für den “Sündenbock Sozialschmarotzer” genau richtig.

Doch ist Arno Dübel höchstens ein Symptom und nicht die Krankheit, die eigentlichen Gründe für die aktuelle Misere liegen “wo anders”. Denn “wo anders” produziert man eben billiger als hier, also müssen wir hier billiger produzieren – ist ja logisch, sonst kauft man noch “wo anders”. Das ist einfach zu verstehen, da brauch man auch gar nicht Werte wie “bessere Qualität” oder “Unterstützung lokal hergestellter Produkte” anzusprechen.

Billiger Produzieren heißt entweder “mehr Arbeit bei gleichen Gehaltszahlungen”, oder “gleiche Arbeit bei weniger Gehaltszahlungen”. Produktion rauf, oder Löhne runter – wahre Virtuosen machen am besten beides gleichzeitig. Die letzte Option ist natürlich am einfachsten zu realisieren, man muss nur das Wort “Gehaltskürzungen” vermeiden, die Leute besser einfach rausschmeißen und dann dafür Kurzarbeiter einstellen…

So kommen wir von “billiger Produzieren” zu “weniger Steuereinnahmen” – Steuereinnahmen, die man sich auch wo anders herholen könnte, aber diese Regierung hatte ja schon immer das Problem an große Töpfe zu gehen… es sei den natürlich sie kommen bereits vorbereitet auf einer CD aus einem Steuerparadies daher.

Aber zurück zum Thema:
Vergleiche ich nun die gefühlte Anzahl der Berichte über Hartz-IV-Schmarotzer mit der negativer Berichte über Arbeitnehmer, welche 1-Euro-Jobber ausnutzen oder eine ganze Firma aus nicht- bis maximal schlecht-bezahlten Praktikanten führen wird mir ganz anders… denn von Letzteren habe ich in den letzten Monaten keinen mehr gesehen. Das Konzept Dübel ist ja auch viel einfacher zu verstehen.

Ich sage nun nicht, dass die Globalisierung und der Druck seine Produkte an den Mann zu bekommen nicht existiert – ganz im Gegenteil. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass gerade diese “Ausrede der Globalisierung” in zweierlei Hinsicht missbraucht wird und zu gewissen Teilen bewusst gemacht wurde und aufgebauscht wird.

Erstens: Der Fette Bäcker der bei einer Hungersnot sein Brot gegen einen Goldsack das Stück eintauscht ist nicht nur eine Metapher. Unter dem Deckmantel der Globalisierung, wird meiner Meinung nach vielerorts Furcht unter den Arbeitnehmern geschürt, um eben die Löhne noch ein Stück weiter zu drücken als es nötig wäre. Wen juckt schon Nachhaltigkeit, wenn er sein eigenes Schaf im Trockenen hat?

Zweitens und das ist viel wichtiger: Hat eigentlich jemand die Firmen gezwungen ihre Produktionsstätten in Fernost aufzumachen? Dennoch klingt der Tenor der arbeitgebernahen Politiker und Medien fast schon so, als wären die Chinese heimlich über die Grenzen geschlichen und hätten hier über Nacht die Produktionsstätten abgebaut. Dabei sind es doch die Manager gewesen die mit (von der Textilindustrie gefertigten) fliegenden Fahnen und Dollarzeichen in den Augen immer weiter nach Osten ziehen.

Naja, mit etwas Glück sind sie dann alle aber in 30-40 Jahren wieder hier.

Zu diesem Thema:
ZachDenktNach – Sex Lügen und ein-Hartz-IV-Schmarotzer

ZachDenktNach: Die neue Leier – Das Konzept Dübel, 4.2 out of 5 based on 14 ratings