19 Feb

Eine der interessantesten Entwicklung die es in letzter Zeit medial gegeben hat, kann man momentan in der Nachrichtenlandschaft entdecken. Eine gute Gelegenheit für unsichere Leser die Springer… äh Spreu vom Weizen zu trennen, wenn es um gute Nachrichtenquellen geht:
Kaum ist das Urteil zu Hartz IV einige Tage alt, sind sie auf einmal überall: “Die Schmarotzer”.
Sei es nun der Arbeitslose, der seit 30 Jahren einfach nicht arbeiten will und momentan durch jedes weniger ernstzunehmende TV- und Print-Magazin gezerrt wird oder latent braun gefärbte Horrorberichte von Vermittlern der Arbeitsargentur. Die Welt berichtet Beispielweise von arbeitsfaulen Hartzern und arabischen Emigranten, welche statt zu arbeiten lieber eine zehnköpfige Familie heranziehen und behaupten damit besser leben zu können.
Selbst wenn ich in einem Land, in dem die Bevölkerung rückläufig ist, es als Problem ansehen würde 10 Kinder groß zu ziehen und wenn man betrachtet, dass 3000 Euro für 10 Personen nicht wirklich besagte römische Verhältnisse sind, so gibt es IMMER Menschen die ein System ausnutzen. Aber eben diese Menschen, werden nun passend vor die Kamera gezerrt, interviewt oder erfunden um scheinbar zu unterstreichen, dass es einigen Menschen in diesem Land ohne Arbeit noch zu gut geht… und schon hat man Stimmung für eine Kürzung von Hartz IV und pro FDP.
Waren wir uns am Tage des Urteils nicht noch alle einig – liebe Medienlandschaft – , dass die Regelsätze für Kinder deutlich zu niedrig sind und die der Erwachsenen auch nur ein Existenzminimum darstellen? Ist das alles unter dem ganzen, nevrtöten Getröte von Schlaubi-Guido untergegangen? Waren die Leute während des Karnevals so manipulierbar? Mehr noch: Laut Sonntagsumfrage ist die FDP sogar wieder im Aufwind und ich frage mich, warum eigentlich? Was sagt Guido Westerwelle und der Rest der Partei anders als vor einer Woche wo wir noch alle dagegen waren? Einzig die Berichte von Springer und Co haben sich vermehrt, in dem man “faule Leute” sieht. Tatsache ist aber auch, dass ich nie etwas auf diese Umfragen gegeben habe.
Natürlich muss der der arbeitet mehr haben als jemand der nicht arbeitet, Herr Westerwelle. Allerdings muss jemand der arbeitet auch ein Gehalt bekommen, dass davon überzeugt überhaupt Arbeiten zu gehen. Je weiter man Hartz 4 drückt – und das ist das Ziel der FDP – desto tiefer werden auch die niedriglöhne Sinken. Wenn man das unterste Brett aus dem Stapel zieht, sackt im besten Fall der ganze Stapel herunter – im schlimmsten Fall kippt er um.
Im Gegenteil, die Bezüge müssen rauf und / oder ein flächendeckender Mindestlohn muss eingeführt werden, der den arbeitslosen Anreize und Motivation bietet… aber diese Themen gehen ja momentan unter, wenn man ein Aggrothema wie den Smarotzer mit 30 Jahren Erfahrung immer wieder vor die Nase gesetzt bekommt.
Sollte die Entwicklung so weiter gehen und tatsächlich auch noch Hartz IV gesenkt werden, sehe ich absehbarer Zukunft wieder einen gewaltsamen Klassenkampf auf uns zu kommen. Etwas das dieser Staat eigentlich verhindern wollte… dann dauert es auch nicht mehr lange, bis man sich die Arme nicht mehr angewinkelt eingipsen braucht.
Schlagworte: Hartz 4, Politik, Westerwave
5 Kommentare for "ZachDenktNach: Sex, Lügen und ein Hartz-IV-Schmarotzer"
Selbst wenn die Schmarotzer- und Asozialenquote über alle Bevölkerungsschichten hinweg gleich ist; selbst, wenn der faule Hartz-IV-Ausnutzer genauso wenig ein Ausnahmefall ist wie der Steuerhinterzieher und Kapitalschmarotzer; selbst wenn in Hartzhaushalten “spätromische Verhältnisse” gefeiert werden, während im Kanzleramt die Banker tanzen…
…ist bei der zweiteren Gruppe von Sozialschädlingen rein vom Finanzvolumen her doch immer noch deutlich mehr herauszuholen.
Aber wie war das noch mit den Krähen und den Augen?
Zu Hartz4 fällt mir immer wieder der Beitrag von Georg Schramm ein:
Lustigerweise ist im direkten Nachbarland Luxemburg geregelt dass es einen absoluten Mindestlohn gibt. Dafür allerdings is nach knapp 1,5 Jahren schluss mit Arbeitslosengeld.
Hartz 4 gibt es da nicht.
Allerdings sollte man auch erwähnen dass Luxemburg einen relativ hohen Lebensstandart hat. Wenn ich die Miete in Deutschland mit der Luxemburgs vergleiche… Mein Menne bekommt pi mal Daumen 3k Euro Lohn. Würden wir noch in Luxemburg zur Miete wohnen, dann hätten wir pro Monat 1060 Euro Miete, Strom und Wasser nicht mitgerechnet. Summa summarum kann man sagen dass es zwar höherer Lohn gibt, aber die Preise für gewisse Sachen auch entsprechend hoch sind.
Sozialschmarotzer gibt und wird es überall geben, genauso wie Leute die wissen wie man das Gesetz austricksen kann. Dennoch sollte man, sofern man es gut hat, sich über sein Leben und das was man sich erarbeitet hat, freuen.
endlich einer der dieses leidige thema auf den punkt bringt. Nicht ohne grund haben andere EU staaten mit unseren billiglöhnen massive probleme.
Faule und Schmarotzer gibt es in allen Berufen – nicht nur unter den Hartz4 Empfängern. Der Tatbestand ist nicht schön, allerdings auch kaum zu ändern.
Die Absichten von Westerwave sind wohl klar: Hartz4 senken, um das mittelfristig auch das Lohn-Niveau der unteren Einkommen zu senken.
Die Armen sollen in dieser Debatte auf die Ärmsten einprügeln – Guido und Springer sind die Einpeitscher. Lasst euch nicht verarschen!
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