6 Feb

Ich wurde von Ralf 1 auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung aufmerksam gemacht, welcher deutlich die Hysterie als auch die Nachlässigkeit der heutigen Medien aufzeigt, wenn es um Sensationen und der “Hetze nach Aktualität” geht. Allerdings wird hierbei auch klar, wie gefährlich es im Extremfall sein kann, wenn man nachlässig mit seinen Daten umgeht… und sei es auch nur ein Foto bei Facebook.
Wer nur die Zusammenfassung ohne viel Passus haben will, kann hier weiter lesen, den Link zum ganzen Artikel findet ihr unten.
Neda Soltan ist tot, sie wurde laut Augenzeugenberichten während der Proteste, die nach den iranischen Präsidentschaftswahlen im letzten Jahr auftraten, durch ein Mitglied der Basij-Milizen getötet – einer Abteilung der iranischen Revolutionsgarde.
Das was Neda Soltans (genauer: Neda Agha-Soltan) Tod auf eine tragische Weise so besonders macht, ist dass das Video ihres Todeskampfes mit einer Handy-Kamera aufgezeichnet wurde und sich nur wenige Stunden später bei Youtube wiederfand. Von dort aus verbreitete sich dieses Material wie ein Lauffeuer, Neda Soltan wurde zu einem Symbol, dem “Engel” iranischer Protestbewegungen gegen das Regime. Schnell tauchte auch ein älteres Foto auf, welches man im Internet gefunden hatte und sich in Windeseile in Foren und auf Protestplakaten der Demonstranten wiederfand.
Doch dieses Foto war nicht das der Studentin Neda Soltan, sondern die Dozentin Neda Soltani, welches einfach aus ihrem Facebook-Account kopiert wurde.
Während man vielleicht noch verschmerzen kann, dass ein aufgebrachter Mob diese beiden Frauen verwechselte, welche (zugegeben) eine leichte Ähnlichkeit aufwiesen; so ist es kritisch zu sehen, dass Medien in aller Welt dieses Bild hingegen ohne Überprüfungen oder eingehende Recherche ablichteten und weiter verbreiteten… denn genau dieses zementierte den Fehler, den die Protestler gemacht hatten.
Alle Versuche Neda Soltanis wieder die Kontrolle über ihr Foto zu bekommen, scheiterten an der schieren Masse der Empörten im Internet, welche es alle angeblich besser wussten. Selbst der Versuch es bei Facebook – woher das Foto ursprünglich her stammte – richtig zu stellen und das Bild zu entfernen, führten nur zu Verschwörungstheorien gegen die iranische Regierung, aber nicht zu einer Klärung der Ereignisse.
Heute lebt die ehemalige Dozentin als Asylbewerberin in Deutschland und versteckt sich vor denen Parteien die nun versuchen eben diesen Fehler der iranischen Protestbewegungen gegen diese zu verwenden.
…und da wundert sich einer warum ich in meinem Leben nur EIN Foto von mir ins Internet geladen habe?
Den gesamten Artikel der Süddeutschen findet ihr hier.
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3 Kommentare for "Medien: Der Fall Neda Soltan/i"
Ein tolles Beispiel wie aktuell die Mainstreammedien sind. Das mit der Bildverwechslung ist schon seit Monaten bekannt.
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2009/06/ein-falsche-foto-von-neda-wird-fur.html
Zum einen tut mir die Frau Soltani leid, für dass, wofür ihr Gesicht jetzt steht (ohne ihr direktes Mitwirken), desweiteren ist der Artikel echt gut! Nur schade, dass weder die Süddeutsche Zeitung noch die Website dazu in der breiten Masse einen der Bildzeitung ähnlichen Anklang finden… (und trotzdem das Niveau wahren ;-) )
Boah, das ist doch echt eine Frechheit. Medien! -.-
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