Ein weiterer Hinweis, dass diese Welt geistig und moralisch vor die Hunde geht, ist mir vorhin beim ‘ungewollten’ TV-Schauen aufgefallen. Leider machte ich den Fehler das RTL-Mittagsmagazin einen Moment zu Lange zu betrachten, während ich mich an einem Kaffee gütlich tat.

Der Mensch braucht Vorbilder… oder zumindest Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und die man für etwas Besonderes halten kann – wenn es an Ersterem mangelt. Ist irgendjemanden aufgefallen, dass die Art und Weise in der Boulevard-Magazine über die lokalen und internationalen A- bis Z-Promis berichten, erschreckend dem Verhalten von Schülern auf dem Schulhof ähnelt?

Die von den “Redakteuren” zu den “coolen Kids” erhobenen Promis des weltweiten Schulhofes kommen mit allem durch, während bei den Kindern vom Sporthalleneingang über jeden Pickel hergezogen wird. Ja, die lieben Regenbogenredakteure sind die nervigen, tratschenden Mädchen aus der Unter- und Mittelstufe, welche in Wirklichkeit niemand leiden konnte – und das sie haben immer noch nicht verstanden.

Der Fall Polanski hatte ja schon gezeigt hat, dass die (mediale) Welt selbst im Falle von der “Vergewaltigung Minderjähriger” mit zweierlei Maß zu messen scheint. Während man einen “normalen”, ehemaligen Vergewaltiger einer Minderjährigen (welcher seine Strafe abgesessen hat und staatlich rehabilitiert wurde) am liebsten mit Mistgabeln und Fackeln aus der Stadt jagen möchte… finden manche es eine Unverschämtheit, wenn ein anderer, flüchtiger Vergewaltiger einer Minderjährigen in den Knast kommen soll, denn schließlich hat der ja “Tanz der Vampire” gedreht und es ist auch noch sooooo lange her.

Heute war Golfkamerad Tiger Woods dran – wieder. Der weltweit bestbezahlte und verheiratete Sportler, ist mit einem Haufen anderer Frauen ins Bett gesprungen, aber manche TV-Magazine berichten darüber, als müsste er uns deswegen auch noch Leid tun. Ich bin mir nicht mal sicher, ob das überhaupt irgend jemanden zu interessieren hat – mich sicher nicht. Soll er doch ‘ehebrecherlichen’ wie es ihm passt, mich würde viel mehr interessieren, wie man moralisch ein Jahreseinkommen von über 63 Millionen Dollar auf der Basis von Golf rechtfertigt. Gibt es überhaupt so viele Zuschauer bei diesem Sport, dass dabei 63 Millionen Werbeeinnahmen im Jahr zusammen kommen können?

Aber wenn man Tiger Woods  Ehe schon thematisieren muss, warum ist dann der nächste Bericht, in dem Britney Spears eine rote Ampel überfährt, augenscheinlich der größere Skandal und bekommt fast genau so viel Sendezeit? Hatten wir nicht irgendeine Klimakonferenz in Kopenhagen oder so etwas? Oder müssen wir uns einfach mit dem Gedanken anfreunden, dass wir in 20 Jahren darüber schockiert sein sollen, dass Britney auf ihrem Weg zum Starbucks auf der Hauptstraße einen Delphin mit ihrem Motorboot angefahren hat?

Ach man, ich bereue es jedes Mal einen Blick in die Glotze zu werfen.

Kurz nachgedacht: Boulevard-Schulhof Mentalität, 5.0 out of 5 based on 5 ratings