…und das Interessante ist, dass es bei Michael Jackson allen bereits nach dem ersten Tag auf die Nerven gegangen ist. Da versteh’ einer die Welt – jedenfalls wo waren wir?

Oh und keine Sorge, der Titel ist aus einem anderen Grund so provokant, einfach weiterlesen.

Ich muss sagen, ich finde das stellenweise recht negative Feedback auf meinen Enke-Post relativ überwältigend, obgleich ich mich auch darüber freue, endlich mal etwas Gegenwind zu einer meiner Meinungen zu bekommen.

Disclaimer
Sicherlich muss ich nicht erwähnen, dass eine Selbsttötung meiner Meinung nach kaum an Tragik zu überbieten ist. Und ich denke mal, ich muss auch nicht sagen, dass (genau so wenig wie bei Michael Jackson) ich hier nicht den Tod einer Person ‘herunterspielen’ will, sondern dass mir das ganze (in meinen Augen viel zu hochgespielte) Getöse auf die Nerven geht, sowie auch die Tatsache, dass man scheinbar schon bei manchen Leuten “verloren” hat, wenn einen der Tod dieser Person nicht berührt.

Aber das ist nicht das Schlimmste. Was das Schlimmste ist fragt Ihr? Nun die Trauer und das Mitgefühl hat mal wieder diesen “einen fatalen Schritt” zu weit gemacht:

Looooooooooooot!
Es gelingt mir nur schwerlich, mich so weit gedanklich in die Situation zu versetzen, um zu verstehen warum dieser Verlust so schwer wiegen soll – vielleicht muss man wirklich einen Hang zum Fußball haben. Und dennoch, trotz all dem Abstand den ich zu gewinnen versuche, bekomme ich ein leichtes Zucken im Augenwinkel, wenn ich einige heutige Nachrichten zum dem Thema sehe:

Die BILD von heute, welche ich im Aldi habe ausliegen sehen, schlägt mal wieder den Fass den Boden aus: Da sieht man Ehefrau Theresa Enke total aufgelöst abgebildet und Hinweise auf ein Fernsehinterview, welches sie gegeben hat. Ich meine ehrlich, was ist falsch mit einer Gesellschaft, die eine Frau einen Tag nach dem absolut unerwarteten Verlust ihres Mannes vor die Kamera zieht? Die Frau steht vermutlich immer noch unter Schock, niemand sollte vor der Kamera sein Leid zur schau stellen müssen, ganz gleich ob man die Frau eines Fußballers, eines Ministers oder die vom Erfinder des Warpantriebes und der Kalten Fusion ist.

Bei Zeit.de knirsche ich auch mit den Zähnen, denn diese titelt: “Depressionen im Profifußball: ein Tabuthema.” und zerbeiße beim Lesen fast meine Kaffeetasse. Depressionen sind allgemein eine Art von Tabuthema, bzw. ein Thema das meiner Ansicht nach in der Gesellschaft allgemein heruntergespielt und nicht so wirklich ernst genommen wird – das ist eine deutschlandweite Seuche und im Bereich des Profifußballes weder tragischer noch ungewöhnlicher als sonst. Das es Depressionen auf einmal auch in einem Profisport mit massenweise Erfolgsdruck gibt, ja eine Fresse welch eine Überraschung! Das Bild des obligatorischen Aktienbroker, welcher auf der Wall Street aufschlägt kommt ja auch nicht von irgendwoher.

Letztenendes bin ich mir nicht mal sicher, ob man es überhaupt “Mitgefühl” nennen kann was hier stellenweise medial abgezogen wird. Wenn ich alles aufsaugen würde, was die Presse zum Fall Enke an das Tageslicht fördert, würde ich mir für meinen Teil irgendwann ziemlich schmutzig vorkommen. Ich spreche hier niemanden an, der im Stillen sein Mitgefühl ausdrückt und der Fan des Mannes war, das ist richtig, das ist menschlich. Aber hierzulande pressemäßig abläuft und wie es aufgebauscht wird, lässt mich nur kalt schaudern.

Sein Abschiedsbrief, seine Antidepressiva, persönliche Gespräche mit seiner Frau, Einblicke in sein persönliches Leben und was Schneebremse Daum dazu zu sagen hat – und das soll Mitgefühl sein? Nein, das ist eher Leichenfledderei, auf Kosten derer die wirklich trauern. Ich warte nur noch auf die Mitschriften seines Psychologen und die Ankündigung des Sat-1 Fernsehfilms “This kicks it”, dann haben wir auch wirklich alles gesehen.

Our very own Jackobsohn
Von meinem nicht-Fußball-begeisterten Standpunkt aus habe ich wirklich alle Mühe, mich der Annahme zu verschließen, dass man hier krampfhaft versucht das amerikanische Erfolgsrezept “Michael Jacksons Tod” ins Deutsche zu übertragen. Und dabei kann man sich – wie bei jedem Suizid aus einem depressiven Schub heraus – nicht wirklich sicher sein, wo die Gründe für dieses Handeln liegen und in wie weit der Selbstmörder sein eigenes Handeln noch unter Kontrolle hatte – aber dafür sind dann ja die Spekulationen da.

Und genau diese Fragen und Spekulationen werden bald von der Regenbogenpresse verwurstet werden, um das Ganze geschickt auf dem Grab des Toten auszuschlachten: “Enke: Hätte sein Selbstmord verhindert werden können?” wird vermutlich die Bild morgen titeln. “Der Fall Enke: 10 Punkte an denen sie eine Depression erkennen, und was sie dagegen tun können.” wird es vermutlich in er nächsten Ausgabe des Focus heißen und so weiter und so fort…

… und wer fragt eigentlich nach, wie es dem Mann geht, welcher nun “der Lokführer ist der Robert Enke überfahren hat”? Wie gesagt, was medial hier wieder abgeht ist kein ‘Mitgefühl’ und stellenweise nicht mal mehr ‘nüchterne Analyse’… das was momentan passiert ist, dass wenn die Verwandten die man jahrelang nicht gesehen hat, nur wegen des Erbes einfliegen.


Update:
Wollt Ihr mal kotzen … Euch gewaltig fremdschämen für den Rest der Menschheit?

'Tschuldigung, was hat er gedroppt? (Update!), 5.0 out of 5 based on 1 rating