12 Nov

…und das Interessante ist, dass es bei Michael Jackson allen bereits nach dem ersten Tag auf die Nerven gegangen ist. Da versteh’ einer die Welt – jedenfalls wo waren wir?
Oh und keine Sorge, der Titel ist aus einem anderen Grund so provokant, einfach weiterlesen.
Ich muss sagen, ich finde das stellenweise recht negative Feedback auf meinen Enke-Post relativ überwältigend, obgleich ich mich auch darüber freue, endlich mal etwas Gegenwind zu einer meiner Meinungen zu bekommen.
Disclaimer
Sicherlich muss ich nicht erwähnen, dass eine Selbsttötung meiner Meinung nach kaum an Tragik zu überbieten ist. Und ich denke mal, ich muss auch nicht sagen, dass (genau so wenig wie bei Michael Jackson) ich hier nicht den Tod einer Person ‘herunterspielen’ will, sondern dass mir das ganze (in meinen Augen viel zu hochgespielte) Getöse auf die Nerven geht, sowie auch die Tatsache, dass man scheinbar schon bei manchen Leuten “verloren” hat, wenn einen der Tod dieser Person nicht berührt.
Aber das ist nicht das Schlimmste. Was das Schlimmste ist fragt Ihr? Nun die Trauer und das Mitgefühl hat mal wieder diesen “einen fatalen Schritt” zu weit gemacht:
Looooooooooooot!
Es gelingt mir nur schwerlich, mich so weit gedanklich in die Situation zu versetzen, um zu verstehen warum dieser Verlust so schwer wiegen soll – vielleicht muss man wirklich einen Hang zum Fußball haben. Und dennoch, trotz all dem Abstand den ich zu gewinnen versuche, bekomme ich ein leichtes Zucken im Augenwinkel, wenn ich einige heutige Nachrichten zum dem Thema sehe:
Die BILD von heute, welche ich im Aldi habe ausliegen sehen, schlägt mal wieder den Fass den Boden aus: Da sieht man Ehefrau Theresa Enke total aufgelöst abgebildet und Hinweise auf ein Fernsehinterview, welches sie gegeben hat. Ich meine ehrlich, was ist falsch mit einer Gesellschaft, die eine Frau einen Tag nach dem absolut unerwarteten Verlust ihres Mannes vor die Kamera zieht? Die Frau steht vermutlich immer noch unter Schock, niemand sollte vor der Kamera sein Leid zur schau stellen müssen, ganz gleich ob man die Frau eines Fußballers, eines Ministers oder die vom Erfinder des Warpantriebes und der Kalten Fusion ist.
Bei Zeit.de knirsche ich auch mit den Zähnen, denn diese titelt: “Depressionen im Profifußball: ein Tabuthema.” und zerbeiße beim Lesen fast meine Kaffeetasse. Depressionen sind allgemein eine Art von Tabuthema, bzw. ein Thema das meiner Ansicht nach in der Gesellschaft allgemein heruntergespielt und nicht so wirklich ernst genommen wird – das ist eine deutschlandweite Seuche und im Bereich des Profifußballes weder tragischer noch ungewöhnlicher als sonst. Das es Depressionen auf einmal auch in einem Profisport mit massenweise Erfolgsdruck gibt, ja eine Fresse welch eine Überraschung! Das Bild des obligatorischen Aktienbroker, welcher auf der Wall Street aufschlägt kommt ja auch nicht von irgendwoher.
Letztenendes bin ich mir nicht mal sicher, ob man es überhaupt “Mitgefühl” nennen kann was hier stellenweise medial abgezogen wird. Wenn ich alles aufsaugen würde, was die Presse zum Fall Enke an das Tageslicht fördert, würde ich mir für meinen Teil irgendwann ziemlich schmutzig vorkommen. Ich spreche hier niemanden an, der im Stillen sein Mitgefühl ausdrückt und der Fan des Mannes war, das ist richtig, das ist menschlich. Aber hierzulande pressemäßig abläuft und wie es aufgebauscht wird, lässt mich nur kalt schaudern.
Sein Abschiedsbrief, seine Antidepressiva, persönliche Gespräche mit seiner Frau, Einblicke in sein persönliches Leben und was Schneebremse Daum dazu zu sagen hat – und das soll Mitgefühl sein? Nein, das ist eher Leichenfledderei, auf Kosten derer die wirklich trauern. Ich warte nur noch auf die Mitschriften seines Psychologen und die Ankündigung des Sat-1 Fernsehfilms “This kicks it”, dann haben wir auch wirklich alles gesehen.
Our very own Jackobsohn
Von meinem nicht-Fußball-begeisterten Standpunkt aus habe ich wirklich alle Mühe, mich der Annahme zu verschließen, dass man hier krampfhaft versucht das amerikanische Erfolgsrezept “Michael Jacksons Tod” ins Deutsche zu übertragen. Und dabei kann man sich – wie bei jedem Suizid aus einem depressiven Schub heraus – nicht wirklich sicher sein, wo die Gründe für dieses Handeln liegen und in wie weit der Selbstmörder sein eigenes Handeln noch unter Kontrolle hatte – aber dafür sind dann ja die Spekulationen da.
Und genau diese Fragen und Spekulationen werden bald von der Regenbogenpresse verwurstet werden, um das Ganze geschickt auf dem Grab des Toten auszuschlachten: “Enke: Hätte sein Selbstmord verhindert werden können?” wird vermutlich die Bild morgen titeln. “Der Fall Enke: 10 Punkte an denen sie eine Depression erkennen, und was sie dagegen tun können.” wird es vermutlich in er nächsten Ausgabe des Focus heißen und so weiter und so fort…
… und wer fragt eigentlich nach, wie es dem Mann geht, welcher nun “der Lokführer ist der Robert Enke überfahren hat”? Wie gesagt, was medial hier wieder abgeht ist kein ‘Mitgefühl’ und stellenweise nicht mal mehr ‘nüchterne Analyse’… das was momentan passiert ist, dass wenn die Verwandten die man jahrelang nicht gesehen hat, nur wegen des Erbes einfliegen.
Update:
Wollt Ihr mal kotzen … Euch gewaltig fremdschämen für den Rest der Menschheit?
Schlagworte: Fußball, Medien, Robert Enke
21 Kommentare for "‘Tschuldigung, was hat er gedroppt? (Update!)"
…so wie immer wenn ein Promi verstirbt!
Ich bin auch kein Fußballfan, aber dennoch geht mir der Fall ziemlich an die Nieren, da man wieder sieht, wie verzweifelt Menschen sind, denen man es nicht ansieht.
Trotzdem sollte es reichen, wenn solche Nachrichten zur Kenntnis genommen wird und nicht von allen Seiten ausgeschlachtet werden.
Aber das war bei dem guten Heath ‘Joker’ Ledger so, es war bei Michael Jackson so und so wird es auch bei Enke und allen nachfolgenden Suizid-Promis sein.
Ich will die Sache damit nicht runterziehen. Es ist nur wieder ein Beweis, das Geld und Erfolg nicht zwangsweise glücklich macht, wie es von vielen behauptet wird.
(Wie beende ich so einen Post nun am besten? Achja)
…Amen
Nur wer schon Geld hat sagt, es würde nicht glücklich machen.
Geld macht nicht glücklich, es behebt nur ein Haufen Sorgen. ;)
Wie so oft mus sich mir auch bei dieser Geschichte hier wieder die Frage stellen:
Wie kann man wegen jemandem trauern, den man überhaupt nicht kennt? Nur weil er in der Öffentlichkeit gestanden hat?
Wer trauert um die zigtausend verhungernden Menschen täglich? Wer trauert um die Verkehrstoden? etc etc. Klar, die Angehörigen, wenn es welche gibt, aber sonst? So gesehen ist das in meinen Augen irgendwie auch Heuchelei.
Also, nennt mich gefühlskalt meinetwegen, aber ich kann nicht um jemanden trauern, den ich nicht persönlich kenne. Es will mir wirklich kein Prominenter einfallen, dessen Tod bei mir sowas auslösen könnte. Klar, es wäre schade um so einige, aber Trauer? Ne sorry, das Spiel kann ich nicht mitspielen.
Es gibt da so einen schönen Spruch, den ich in meiner Kindheit mal gelesen habe und der mich durchaus geprägt hat, was das angeht. Sinngemäß lautet der folgendermaßen:
“Legt mir keine Blumen aufs Grab, schenkt sie mir lieber so lange ich noch lebe!”
@Zach
Und diese sorgen hindern mich daran wirklich glücklich zu sein. Also mich würde es difnitv glücklich machen ^^
@magic23:
Ganz deiner Meinung!
@Derflo
Man muss es schon haben.
*hust* “DUMBLEDOOOOOOOOOOORE IST TOT” “http://www.youtube.com/watch?v=rks-Cr3Fr_k”
soviel zu sterbenden promis
Zach, natürlich schlachten die Medien es aus, überrascht die das etwa? Und natürlich ist es lächerlich übertrieben was sie aus diesem Fall machen und machen werden. Leider wird man es nicht ändern können, da lobe ich mir
http://11freunde.de/bundesligen/125581 &
http://11freunde.de/bundesligen/125577/worueber_man_nicht_reden_kann
Was die armen Zugführer angeht. Zum Glück fragen die Medien noch nicht nach ihnen. Zum Glück befragen die Medien sie noch nicht. Ich will nicht wirklich wissen, was diese Menschen mit ansehen mussten und welche vllt Schuldgefühle jetzt auf ihnen lasten. Das einzige was man ihnen Wünschen kann ist, dass sie darüber hinweg kommen.
ProBahn hat sich übrigens schon gemeldet und die Art des Suizid quasi verurteilt. Wenn es auch nur eine Nebenmeldung war, selbst da gab es schon Aufmerksamkeit für.
@Magic23: Kein Mensch verlangt von dir, dass du verstehst was in manchen Leuten vorgeht. Und niemand sollte von dir verlangen mitzutrauern. Wer ankommt und sagt “Hey der war Nationaltorwart, den kannte man, jetzt trauer gefälligst”, ist ein genauso großer Idiot wie die Leute, die ankommen und die Leute, die wirklich trauern, runtermachen.
Das einzige was man, meiner Meinung nach vollkommen zu Recht, verlangen kann, ist, dass du die Menschen, die mit solchen Toden nicht so umgehen wie du, die tatsächlich trauern, in Ruhe lässt.
Nimm doch bitte einfach hin, dass es diese Menschen gibt und dass sie nicht alle Heuchler sind, die auf ein Foto in der Bild gehofft haben wenn sie im Trauerzug ganz vorne stehen.
Ich verstehe nicht, was daran so schwer sein soll. Zu akzeptieren, dass es Leute gibt, die anders sind als man selbst…
Vor ca. 9 Jahren hat sich eine damalige Mitschülerin, die ich seit der 5. Klasse kannte, auf Grund von psychischen Problemen das Leben genommen. Natürlich war die ganze Stufe bestürzt.
Wobei, nicht die ganze! Wir hatten da so einen “freien Mitarbeiter” der Lokalzeitung in der Stufe, der einen Bericht schreiben wollte, warum sich eine junge Frau umbringt.
Der entsprechende Mitschüler hat von den besten Freundinen der Verstorbenen Prügel angedroht bekommen, weil er meint, aus so etwas tragischem eine Story zu machen, und alle standen hinter dieser Ansicht!!!
Es gab nicht mal einen Artikel in der Zeitung, das das Mädel vor nen Brückenpfeiler gerast ist.
Warum also muß man das bei Promis so breit treten? War sie nicht genau so ein wertvoller Mensch wie auch der Fußballer?
Man sollte die Angehörigen in Ruhe trauern lassen und das in den Medien nicht so aufbauschen!
Da stimme ich zu!!!
Und nebenbei
Ein Fluch dem Zachgott zu dem wir gebeten
In Winterskälte und Hungernot
Wir haben vergebens gehofft und geharrt
Er hat uns geäfft, gefoppt und genarrt
( bezogen auf rc)
xD :D ;)
Das im Fernsehen ist normal und passiert immer. Die Leute wollen es halt auch wissen. Hier können mir die Wenigsten erzählen, dass sie bei, durchzappen nicht an sowas hängenbleiben und sei es nur weil alle darüber reden.
Die Pressekonferenz hat sie, soweit ich weiß, freiwillig abgehalten. Es wird aber nicht überraschen für sie gekommen sein, da sie von seinen Problemen wusste. Natürlich rechnet man hierbei nicht mit sowas, das will ich gar nicht sagen. Wie dem auch sei.
der Felix: Zach lässt uns aber sicherlich nicht so schuften, wie die armen Weber damals. ;)
Zach, es freut mich, dass du mich wiedererkannt hast. Hatte ich ganz vergessen in meinem letzten Post. ;)
@felix
Nennt mich doch nicht immer so, ich komm mir etwas komisch vor. ;)
@painy
Mhh ja sicher, ich wette es hat sie auch NIIIIIEMAND dazu gedrängt es “Für seine Fans” zu tun. :P
Bin wiedermal voll und ganz deiner Meinung Zach :).
Ich surfe z.B. gerne auf n-tv.de rum, aber was da abging war auch nicht mehr normal.
Eine halbe Seite nur über Enke, also nicht Text, sondern nur die Links, die zu anderen Seiten und Stellungnahmen führen…
1. Lawl Zach unten ist als Werbung der “Strip Scanner” geschaltet, der “die Girls in meiner Umgebung entblättert”.
Das ist zwar zielgruppengerecht für diesen Blog (lulz ;>) aaaaber auch Abzocke :P
2. Ich kann sicherlich verstehen, wie man für jemanden trauert, den man net persönlich kennt. Als kleiner Junge hatte ich auch Fussballer, die für mich Vorbilder waren bzw. mich inspiriert haben beim Spielen ( z.B. Mario Basler). Wenn der damals gestorben wäre, dann wäre ich auch traurig gewesen.
In diesem Hinblick finde ich übrigens wie SinTio auch die Berichterstattung von 11Freunde vorbildlich, die wirklich mit Pietät an die Sache gingen.
Andererseits halte ich jemanden, der, Depressionen hin oder her, seine Frau und sein Kind durch Selbstmord zurück lässt für ziemlich feige.
3. Zum Thema Depressionen im Spitzensport, da kann man sich ruhig mal an Sebastian Deisler und die BILD-Schlagzeilen von damals erinnern (irrer Blick, Psycho-Deisler und so ein Zeug)
1) Ich überprüfe sofort meine Werbung, das sollte da nicht sein – wenn es aber von Google kommt, mail mir mal die URL wo da hinkommt.
@Zach
Ich hab da jetzt nicht draufgeklickt und kann es im Moment auch nicht replizieren, also kann ich dir leider nicht mit einem Link dienen :<
Nein ich habe das Problem schon gefunden, scheint als hätte ich versehentlich auf “Annehmen” für einen Satz CPC-Anzeigen bei Adscale geklickt, statt “Ablehnen” – mein Fehler – sollten aber in 15 Minuten nicht mehr auf der Seite Auftauchen. Wenn doch – bitte melden.
Du liest Niggemeier?
Damit hat ProSieben dem Fass den Boden ausgeschlagen.
Na komm Zach, ein bisschen informieren wäre schon ganz angebracht.
Die Frau hat freiwillig, weil SIE es wollte, an der Pressekonferenz teilgenommen. Das muss man nicht nachvollziehen können, weil wir in dieser Situation einfach nicht waren, aber sie hat sich entschieden dass sie der Öffentlichkeit erklären WILL, was mit ihrem Mann los war.
Die Berichterstattung kann (und sollte) man kritiseren, ganz klar, insbeondere diese Bilder mit Enkes Frau, was wirklich deutlich Grenzen überscheitet.
Mein überscheitet dann aber einfach einen Punkt, wenn die Kritik an den Zeitungen aufhört und der Kritik am Selbstmord/an der Trauer anfängt. Wie gesagt…wenn du um deine Mutter, um einen Freund oder sonst einen Menschen, der eine Rolle in deinem Leben gespielt hat, trauerst, kann ich das auch nicht nachvollziehen. Aber ich sage doch nichts negatives darüber?
Jetzt mal angenommen deine Mutter wäre auf irgendeine schreckliche Art und Weise gestorben, etwas berichtenswertes und es entwickelt sich ein kleiner Medienhype um den Tod…und plötzlich kommen Leute an und sagen, dass sie nicht verstehen können warum Menschen darüber traurig sind. Denn zweifelsohne wären auch Leute darüber traurig, die sie nich tpersönlich kannten…Menschen, die auch gerade jmd verloren haben, Menschen, die in einer ähnlichen Situation waren und so weiter und so fort.
Wenn Menschen trauern ist das nicht rational. Es ist ein Gefühl und das hat gefälligst jeder, der nicht trauert zu akzeptieren.
@SilentBob
Na komm Bob, ein bisschen lesen wäre schon ganz angebracht.
“… was ist falsch mit einer _Gesellschaft_, die eine Frau einen Tag nach dem absolut unerwarteten Verlust ihres Mannes vor die Kamera zieht?”
Es waren zwischen Tod und Konferenz meines Wissens nach gerade mal 20 Stunden vergangen, sicher weiß ich nicht die Details – aber das ändert doch nichts an der Tatsache, dass der gesellschaftliche und mediale Druck da gewesen sein muss, dass sie sich vor die Kamera gezwungen fühlt und so sollte es sicher nicht sein.
Ich stelle hier doch nicht die Tatsache in Frage, dass sie ein Interview gegeben hat oder geben musste – das wird schwer genug für sie gewesen sein. Ich stelle hier die Tatsache in Frage warum offensichtlich der Druck da war, ein Interview auf einer Pressekonferenz zu geben.
Es ist etwas fundamental falsch mit den Medien und den “Mittrauernden”, wenn man sich – und ich wiederhole es nochmal – nur 20 Stunden nach dem Tod seines Ehemannes, vor die Kamera und die Augen Deutschlands begeben muss… sei es um Spekulationen der Regenbogenpresse zu unterdrücken oder die ‘mitleidig interessierte’ Masse zu informieren, wenn man selbst noch mit der Trauer kämpft.
Add: Darüber hinaus, habe ich immer wieder betont – dass mir nicht die Trauer selbst auf die Nerven geht, sondern die Tatsache, dass jeder erwartet ich müsste doch den gleichen Gemütszustand teilen sowie der Medienhype der darum gemacht wird. Wirklich, wenn ich das nochmal betone fange ich an dafür Piktogramme zu zeichnen.
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