pokerhunde

Sorry, wollte heute eigentlich mehr schreiben als diesen Post hier, aber mir drückt momentan mal wieder der Weisheitszahn und da geht das Denken nicht so gut, wenn kein Aspirin im Haus ist.

Cats and Dogs
Hunde sind drollige Lebensgefährten, meistens jedenfalls. Wenn sie einem selbst ‘gehören’ sind sie sowieso immer drollig – keine Kompromisse. Ganz egal ob ihre Schulterhöhe über der eigenen Hüfthöhe liegt, sie aussehen als hätte man sie frontal vor die Wand gefahren, sabbern wie ein Zimmerspringbrunnen oder sich zwischen 22 Uhr nachts und 7 Uhr vormittags bei der Nachbarschaft beklagen, dass Herrchen auf Nachtschicht ist – “drollig” ist das Wort der Wahl.

Im Gegensatz zu Katzen hat man bei Hunden auch nicht den Eindruck, dass die Kommunikation relativ einseitig verläuft, noch dass der canide Begleiter einem hintenherum seinen Willen aufzwingt. Mehr noch, über einen kurzen Zeitraum lernt Herrchen relativ schnell, wie er “Wuff”, “Wäff” und “Awuwuwuwuwuwuwhuuu” zu interpretieren hat (“Ich seh da was!”, “Ich will spielen! / Ich habe Hunger!” und “Es ist jemand an der Tür!”) und im Gegenzug lernt des Menschen bester Freund, wie man “Sitz”, “Platz” und “Gib Pfote” macht. Hunde sind ziemlich direkt und meistens auch einrichtungs-schonender als Katzen:

Ein Hundeleben
Allerdings gibt es viele Dinge über die man oft nur den Kopf schütteln kann. Besonders was das Verhalten des zugehörigen Hundebesitzers angeht, was denn unbedingt erforderlich für den Vierbeiner sei, geht meistens in eine die fachgerechte Verhätschelung über, die ich als überflüssig, nicht hundegerecht und – nun ja – dekadent betrachte.

Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber allein schon der Gedanke, dass es in amerikanischen wie deutschen Großstädten “Hunde-Star-Friseure” sowie “Luxus-Hundehotels” gibt, deren unterste Preisvorstellungen in anderen Ländern eine ganze Großfamilie durchfüttern können, lässt mich den Eindruck gewinnen, dass gewisse Leute auf diesen Planeten einfach zu wenig Steuern zahlen.

Hundeschmuck, Hundeschuhe, Hundepullover, Hundetragetaschen gibt es und grundsätzlich gibt es auch die wirklich wichtigen Dinge wie Näpfe, Spielzeug, Leinen und Pflegeprodukte in der Chanell-No.5-Ausführung. Ressourcenverschwendung, ein Hund braucht maßgeblich Futter, Zuwendung und Auslauf, aber ganz sicher keine Manolo Blahniks. Welches Lebewesen, dass mit Vorliebe am Hintern seiner Artverwandten herumschnüffelt, gibt einen feuchten Hundekot darauf, welche Farbe seine Tragetasche hat oder ob im Hundehotel ein Original von C.M. Coolidge hängt?

Klimakiller Hund
Mit diesen Super-(Reichen)-Herrchen und -Frauchen im Hinterkopf kommt jetzt auch noch der definitive Beweis, dass Hundebesitzer an sich bereits schon das pure, dekadente Böse sind:

Ein Hund belastet das Klima mehr als ein Toyota Land Cruiser, wenn man den Berechnungen von Robert und Brenda Vale glauben darf. Die gehen so: Ein mittelgroßer Hund verzehrt im Jahr 164 Kilogramm Fleisch und 95 Kilogramm Getreide. Zur Produktion sind 0,84 Hektar landwirtschaftliche Fläche nötig. Dagegen reicht zur Betankung und Herstellung eines Geländewagens angeblich die Biomasse von 0,41 Hektar.

…so berichtet heute “Die Zeit“.

Gut, ich bin kein Experte, aber ich würde jetzt vermuten, dass unser Hund niemals so viel CO² wie ein Mittelklassewagen produziert. Außerdem ist es bei Hunden generell so, dass sie vor der “Inbetriebnahme” nicht in einem energieaufwändigen Prozess, aus nicht nachwachsenden Rohstoffen zusammengeschustert werden müssen – es sei denn natürlich sie hören auf den Namen “Aibo”.

Selbst wenn man einen Mercedes-Benz vergraben könnte, um dann zwei Jahre später schon die ersten Smarts vom Baum pflücken zu können, läge das Problem eher in der Art wie wir unsere Nahrung anbauen und mit was wir unsere Hunde füttern, aber nicht an den Vierbeinern selbst. Darüber hinaus haben Hunde meistens eine längere Halbwertszeit als die heutigen Fahrzeuge, es sei denn sie werden von selbigen in ihrer Funktion abrupt unterbrochen…

Wieder haben wir hier eine Aufregung die – wie so oft – sich über die Details den Mund zerreist, aber zwei wichtige Dinge übersieht.

Erstes Ding
Nach kurzer Recherche habe ich im Internet zwei Zahlen gefunden: In Deutschland gibt es ca. 5 Millionen Hunde und ca. 50 Millionen angemeldete Fahrzeuge. Selbst wenn wir nun die Milchmädchen-Rechnung anstellen, dass jeder Hund – egal welcher Größe – doppelt so viel verbraucht wie ein durchschnittliches Fahrzeug, Autos tatsächlich auf Bäumen wachsen und für die Endlagerung biologisch abbaubar sind UND alle mit purem Biodiesel/Frittenfett fahren… komme ich immer noch auf fünf Mal so viel Ressourcen, die in Deutschland durch Autos verbraucht werden denn durch Hunde.

Zweites Ding
…wie viel verbraucht eigentlich ein Mensch? Gut, ich will jetzt Hunde und Menschen nicht auf eine Stufe stellen, aber wenn wir schon anfangen Lebewesen mit Objekten zu vergleichen, (welche wir problemlos sprittsparender und rohstoffschonender bauen könnten – versucht das mal mit einem Hund), ist der Sprung zum Menschen/Hunde-Vergleich auch nicht mehr weit.

Eine erschreckende Tatsache ist, dass wenn man diese Gedanken weiter und weiter zurückverfolgt, man zwangsweise auf eine sehr menschenfeindliche Denkweise kommt. Von “Es gibt zu Viele Hunde.” gelangt man zu: “Es gibt zu viele Hundehalter.” und von dort schließt man relativ schnell auf: “Es gibt zu viele Menschen.”

Letztendlich taucht hinter solchen Überlegungen immer wieder die unfeine Erkenntnis auf, dass wir alle wie die Maden im Speck leben können – wenn es einfach nur halb soviel Maden gäbe, die sich den jetzigen Speck teilen.

Der Trend geht zum Zweithund
Aber jetzt hat man wenigstens etwas, auf das man die Schuld schnell abwälzen kann, wenn man gefragt wird, warum man als kinderlose Großstadtbewohner mit zwei Sprit-fressenden SUVs durch die Gegend eiert.

“Finden sie es nicht unverantwortlich mit sowas, statt einem Kleinwagen durch die Gegend zu fahren?”
“Pah kommen sie mir doch nicht so, Sie Hundebesitzer!”

Zugegeben ich will es nicht verneinen, einen Hund zu besitzen IST Luxus und in unserer Gesellschaft keine Notwendigkeit mehr, die den Fuchs aus dem Hühnerstall jagt. Aber könnten wir bitte erst damit anfangen, zu überlegen ob unsere Hunde uns die Polarkappen wegkacken, wenn wir die Autos wesentlich umweltfreundlicher bekommen haben?

Warum ein Hund so dekadent wie ein SUV ist, 5.0 out of 5 based on 1 rating