4 Nov

Dieses Spiel hat das Potential den Spieler ganze Tischkanten zerbeißen zu lassen. Ich gebe zu normalerweise kaue ich mich zumindest durch 15 Stunden teils Tischplattenmissachtendes Gameplay bevor ich mich zu einem Urteil herablasse. Aber dieses Spiel zehrt momentan so an meinen Nerven, dass ich einfach beschlossen habe hier mal etwas Selbsttherapie zu betreiben und allen Leuten die das Spiel “ach so innovativ” finden den Vogel zu zeigen – passt ja irgendwie zu meiner Frage, wie viel man von einem Spiel eigentlich reviewen muss…
Zugegeben, es ist mal “etwas anderes” aber zugleich sehr, sehr frustrierend und nicht in der Art und Weise, dass man es dann trotzdem nochmal versuchen möchte. Und dabei mag ich wirklich Spiele, die sich außerhalb der normalen Gefilde bewegen (Out-Of-The-Box) und verziehe ihnen Vieles, was ich bei anderen Spielen am liebsten drei Mal ankreide. Es ist einfach ein tolles Gefühl (und war es auch bei “The Void”) mit einem ‘WTF’-Gesichtsausdruck in das Spiel geworfen zu werden und nach und nach selbst herauszufinden, wie die Welt um einen herum funktioniert. “Penumbra: Overture” hat das z.B. auch auf eine großartige Art und Weise vollbracht.
Aber das große Problem bei “The Void” ist, dass es kein konkretes Feedback gibt. Man kann nicht sagen, wie sehr man bei dem Spiel schon in den Miesen steht. Dieses führt dazu, dass man bei The Void, ohne es zu merken sich in eine Sackgasse navigieren kann, aus der man nicht mehr herauskommt… und wenn man es schlussendlich doch merkt, darf man nicht nur ein Savegame zurückgehen, sondern am besten gleich fünf.
Zum Beispiel:
In dem Spiel dreht sich alles um Farben (die Story jetzt zu erklären wäre einfach unsinnig), man sammelt Farben in einer Palette und verbraucht Farben von einer anderen Palette um damit Aktionen machen zu können. Um das “kostbare Bunt” von einer Palette zur anderen zu bekommen, muss man es in Kammern in seinen Körper auslagern, wo es dort langsam in die “nützliche Farbe” verarbeitet wird, bzw. auf die andere Palette geschoben wird. Da in den First-Person-Leveln die Zeit stillsteht, muss man auf die Karte und dort warten, dass die Farbe verarbeitet wird – was auch relativ flott geht.
Das klingt einfach, was man aber auch noch erfährt ist, dass man immer mindestens einen Tropfen Farbe in seinem Körper haben muss (also in diesen verarbeitenden Kammern) um nicht zu sterben. Darüber hinaus, ist die Farbe innerhalb des Körpers gleich der aktuellen Lebensenergie für die First-Person-Level. So man dann auf der Karte ist, sollte man also tunlichst immer Farbe in seinen Körper nachfüllen.
Die Farbe selbst, respawnt aber nur am Anfang eines sogenannten Zyklus (Runde mit 100 Sekunden), wenn man also zu einem Zeitpunkt den Fehler macht, zu viel Farbe zu auf einmal verarbeiten (mehr als nur eine Kammer zu benutzen), hat man unter Umständen nicht mehr genug Farbe um den Zyklus zu überleben – und das egal ob es noch irgendwo im Spiel Farbe zu finden gibt oder nicht.
Nächstes Beispiel:
Ich bekam immer eine Audionachricht, wenn ich etwas falsch gemacht habe, meistens lag das daran, dass ich “Farbe verschwendet” habe, was eine Fraktion in dem Spiel gar nicht gerne sieht. Die Gründe für diese Verschwendung lagen entweder darin, dass es ein Bug war der meinen Zauber nicht ganz richtig erkennen ließ (mit russischer Audionachricht), ich einfach Farbe zum Ködern eines Tieres (das mir dann mehr Farbe gibt) verschwenden musste oder ich beim Zielen auf ein Monster daneben geschossen habe. – Also nichts wovon man erwarten würde das es grausame Konsequenzen erwarten würde, denn wenn ich keine genau Ahnung habe wie das hier alles funktioniert, müsste ich ja viel Raum für “Try and Error” haben…
…”müsste“, denn ich wurde auf einmal am Ende einer Runde von einem Boss angegriffen – ohne dass ich es verhindern konnte. So stand ich auf einmal mitten in einem Bossfight ohne Farben (Also ohne “Mana, Ammo und HP”), hatte nicht den leisesten Hinweis, wie ich den Kerl umhauen sollte und der einzige Angriffszauber den ich hatte war so ungenau, dass ich immer wieder durch seine Beine durchgeschossen habe.
Ergo schaute ich im Internet nach, was ich denn machen muss und las da, dass dieser nur kommt, wenn man zu sehr mit der Farbe herumspielt und diese Gruppierung verärgert. Drei Zeilen weiter fand ich einen ganzen anderen Haufen nützlicher Informationen, den man mir so im Spiel nie gesagt hatte, wie zum Beispiel, dass es für das gesamte Spiel ein globales Timelimit von 35 Zyklen gibt.
Doch hin oder her, ich hatte in meiner Unbedarftheit so oft mit dem Pinsel gekleckert, dass wohl nicht nur das letzte Savegame für den Arsch war, sondern vermutlich auch die fünf anderen davor auch. Ich hatte nicht eine Chance meine Aktionen nochmal zu überdenken, denn meine Bestrafung für das Fehlverhalten resultierte darin, dass mein Charakter zu einer Farbpfütze zusammengematscht wurde.
Drittes Beispiel:
Um nach dem ersten Abschnitt weiter zu kommen, muss man zwei bestimmte Farben an einen NPC geben, Unmengen davon. Da es aber Random ist, welche Farben am Anfang jedes Zyklus auf der Map respawnen und ich natürlich eben die beiden Farben benutzt hatte um zu Zaubern (denn die dritte lässt einen schneller Rennen, wenn man sie bei sich behält und MAN, BEWEGT MAN SICH IN DIESEM GAME LANGSAM!), saß ich natürlich erstmal über fünf Zyklen fest. und habe Farbe eingesammelt um zu überleben…. und dieses Spiel hat wie gesagt eine feste Anzahl von 35 Zyklen, was nicht gerade nach einer Einladung zur Zeitverschwendung klingt.
Fazit:
Dieses ganze Spiel ist wie ein Balance-Akt, aber ohne das man irgendeine Form von Gleichgewichtssinn hätte. Man bekommt nur wage Hinweise und es ist unbarmherzig, wenn man eine Regel bricht, so unbarmherzig dass man gleich mehrere Savegames löschen kann… Und ich dachte solche Games mit Sackgassen werden seit dem Ende der “Kings Quest”-Serie nicht mehr hergestellt. Ich bin gerade am überlegen ob ich “The Void” deinstallieren oder ihm die Tage noch einen letzten Versuch gebe, aber ich habe seit Jahren kein mehr so ein frustrierendes Spiel erlebt, dass einem im Gegenzug so wenig Erfolgserlebnisse zurück gibt.
Wer spielt sowas?
Wenn Euch nicht gerade die Halluzinogene ausgegangen sind oder ihr gerne solange auf Tischkanten frustriert herumkaut, bis ihr ein Spiel gelöst habt, lasst die Finger davon. So esoterisch-innovativ und atmosphärisch es am Anfangt es auch herüberkommt… die Grundregel stimmt immer noch:
Kein Spiel ist gut in dem man bei JEDEM weiblichen NPC die Nippel sehen kann.
Oh ja richtig …man sieht in dem Spiel nackte oder knapp bekleidete Frauen, viele davon. In der Tat ist jeder NPC der nicht aussieht wie eine Clive Barker Fantasie, weiblich, gut aussehend und leicht bekleidet bzw. nackt. Mhh, es hätte mir eigentlich ein Warnsignal sein sollen, dass jedes Mal, wenn man auch nur einen Tropfen Farbe an einen dieser weiblichen NPCs gibt, eine pseudo-erotische Szene kommt. Zum Glück kann man die abbrechen, denn irgendwann gehen einem selbst einem alleinstehenden Mann auf die Nerven.
8 Kommentare for "Kein wirkliches Review: The Void (sucks)"
Gott, und ich hab mir schon überlegt, das zu kaufen *gg*
Danke, dass du es so schön reviewed hast ;D weil auf so nen schweren Stoff hab ich dann doch keine Lust.
Das Spiel ging mal total an mir vorbei. Hab mir gerade ein paar YouTube Gameplay Trailer angesehen: Schwer strange das Ganze..
habs nich geschafft es auf win7 zum laufen zu kriegen… daher auch nicht die chance gehabt mir mehr als 1-2 reviews und videos dazu anzuschauen, die ich eigentlich recht nett fand … klang zwar alles sehr seltsam, aber auch interessant, aber vielleicht hat mich mein windoof auch vor verschwendeten stunden bewahrt ;)
Wie zu erwarten geht es beim zweiten Anlauf etwas besser, dennoch habe ich immernoch das Problem, dass das Game meinen Abbauenspruch ums Verrecken nicht erkennen will, das heißt bevor ich eine Farbader Abbauen kann, brauche ich x Versuche die alle Fehlschlagen und deswegen Minusreputation bei der einen Fraktion geben.
Nicht jedes Spiel unterhält auf die gleiche Art und Weise… ;)
Imo gute Reviews zu “The Void” hier:
http://www.eurogamer.net/articles/the-void-review
http://www.gamesetwatch.com/2009/10/column_battle_klaxon_life.php
Am Aufschlussreichsten war für mich das hier:
http://www.rockpapershotgun.com/2009/11/02/eurogamer-the-void-review/comment-page-1/#comment-346230
Der Eurogamer Artikel trifft “The Void” ganz gut, ist aber enthusiastischer dem Spiel gegenüber als ich das bin.
Darüber hinaus, The Void ist kein Horrorspiel – The Void zeigt einem wie hilflos man ist, wenn man keine Ahnung hat was man tut und das führt bei mir zu Frustration. Alles wie eine graue & düstere Aschewüste zu zeichnen eic. und es mit Monstern zu füllen macht keinen Horror. Bei The Void kommt kein Grauen, kein Horror auf gerade weil ich nichts zu verlieren habe – ich bin ja schon irgendwie tot und das Geld hab ich ja auch schon dafür ausgegeben.
Selbst wenn irgendein Spiel einem keinen Hinweis gibt, was sollte es einen zumindest die Gewissheit geben bis wohin man wieder sein Game zurück drehen muss damit man nicht einfach von Anfang an anfangen muss. The Void ist Farbe Sammeln und hier und da ein Rätsel lösen und in der Tat ging es nach dem ersten Versuch besser sich in der Welt zu orientieren und mehr Nutzen und weniger Strafen aus meinen Aktionen zu schlagen.
Darüber hinaus gibt es einige Bugs (oder “Nicht-Erklärungen”)die einen davon abhalten halbwegs in dem Spiel weiter zu kommen. Es ist einfach frustrierend sich immer wieder anhören zu müssen, dass man ein Tabu gebrochen hat.. obwohl man der Überzeugung ist, dass man vor einer offenen Erzader richtig steht, den richtigen Zauber zeichnet und man dennoch nicht den Zauber raus bekommt und sich stattdessen Mali fürs Farbe verschwenden einfängt. Ich habe manchmal geschlagene 10 mal vor jeder Ader versucht mit jeder Farbe die Sanduhr zu zeichnen und erst beim 11ten mal hat es geklappt und ich hatte keine Ahnung warum.
Das Voicacting ist super, die Grafik fantastisch, die Idee dahinter bemerkenswert. Aber die Zeit der Spiele die man nochmal von Anfang anfängt, weil man ganz am Anfang etwas falsch gemacht hat ist vorbei. Es trifft es ganz gut wenn man sagt “Es ist Kunst” auch wenn das wie eine Ausrede wirken mag.
Ich denke viele Tester versuchen hier “in Zweifel für den Angeklagten” zu stimmen weil sie vermutlich eine Bedeutung oder Auflösung hinter der nackten Haut, den Farben, der Einöde und den Monstern vermuten die sie wegblasen wird, sobald sie sie verstanden haben.
…ich sage: “Ich habe jetzt beim dritten Anlauf gecheatet und komme trotzdem nicht weiter.”
Und mal davon abgesehen frisst am Ende – selbst mit schummeln – eine Wächterin so viel Farbe, dass einem am ende die ganze Pseudo-Erotik-Szenen WIRKLICH zum Hals raus hängen.
Danke, tolles Review :)
Habe mir überlegt das Spiel zuzulegen, aber nachdem ich gelesen habe dass es Frust provoziert ebenso wie Trial&Error ist das wohl auch nix für mich. Dabei hat es wirklich auf den ersten Blick “anders” und trotzdem interessant. Aber wenn das Game so abläuft sicher nicht…
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