3 Nov

Damit jemand mir sein Wissen oder seine Meinung unterbreiten kann, muss diese Person selbst wissen wovon sie spricht. Das klingt selbstverständlich, wer nichts weiß kann nur mutmaßen und allenfalls eine Meinung haben. Nun gibt es aber gerade bei Reviews und Testberichten zu Computerspielen das Problem, dass wir in diesem Fall gerade Wert auf eine Meinung legen, von der wir nur hoffen können, dass sie objektiv ist. Die Frage ist nun, muss man ein Computerspiel ganz ‘durchgespielt’ haben, bevor man sich eine Meinung darüber bilden darf?
„Eigentlich schon, Filme und Bücher schaut und liest man ja auch ganz.“ denkt man sich da, und ich für meinen Teil schiebe noch eine Reihe „Abers…“ hinterher. Denn ich habe von noch von niemanden gehört, der Tetris oder Civilisation durchgespielt hätte und ebenso stelle ich es mir schwer vor, einen allumfassenden Bericht zu einem MMO im Kaliber von WoW zu verfassen. Filme hingegen sind allerspätestens nach drei bis vier Stunden durchgesehen, die meisten Bücher kann ein geübter Leser locker an einem Tag bewältigen, Computerspiele kommen oft mit bis zu 40 Stunden Spielzeit und mehr daher.
Auslöser dieser Gedanken ist unter anderem ein Artikel beim Guardian, der sich mit dem Horror-Spiel „Alan Wake“ für die Xbox360 von den „Max Payne“-Machen auseinandersetzt. Matias Myllyrinne von Remedy Entertainment soll laut diesem (angeblich) gesagt haben, dass man sehr vorsichtig sein möchte bei dem was man von der Story vorab veröffentlicht. Den Spielern solle nicht das Ende gespoilert werden.
Und so stellt sich die Frage,
ob der Review-Code der an die Tester verteilt wird, überhaupt das eigentliche Ende des Spieles enthält.
Dennoch gerät man hier stellenweise in einige Konflikte, oft hat man gar keine Möglichkeit als professioneller Tester ein Spiel so durchzuspielen, wie ein Käufer es tun würde – schließlich arbeitet man unter Zeitdruck. Als Hobbytester und Internet-Reviewer mit einer festen Veröffentlichungsfrequenz ist es noch schwieriger, wenn man nebenbei seinen Unterhalt anderweitig verdienen muss oder anderen „Krams“ zu tun hat. Oft ist es diesen “Internet-Critics” zeit-technisch gar nicht möglich ein Spiel erschöpfend zu testen.
Die nächste Frage ist nun:
Wie objektiv sind Meinungen zu Games, die der Tester nicht durchgespielt oder nur kurz angespielt hat?
Eine Antwort auf diese Frage scheint der Vergleich der User- und Pro-Tester Wertung zu dem Spiel „Spore“ bei Metacritic zu geben. Während dort das Spiel unter den beruflichen Gametester gemittelt mit 84 von 100 Punkten glänzt, kommt es bei den Userwertung nur auf 4.5 von 10 Punkten. Jeder Spieler der Spore besitzt wird dieses vermutlich nachempfinden können. Man spielt das Spiel ca. sechs Stunden, um in die Weltraumphase zu kommen und danach passiert einfach nichts Neues mehr, ganz egal ob man die Galaxis erobern will, oder nochmal neu Anfängt – der Maxis-Effekt schlägt gnadenlos und man deinstalliert das Spiel fast schon aus einer mechanischen Routine heraus.
Unnötig zu sagen, dass man sich hier gut vorstellen kann, dass dieser Unterschied daher herrührt, dass die professionellen Tester nur bis zur Weltraumphase gespielt haben und die restlichen Spieler etwas länger. Das führte dazu, dass sich der Effekt der frustrierende Ernüchterung sich nie bei vielen „Pros“ einstellte. Ein Gametester der also „Termine hat“, kann vermutlich oftmals gar nicht sagen, ob das Spiel nicht in der zweiten Hälfte monoton wird und nur schätzen, wie intensiv die Langzeitmotivation ist.
Doch der Artikel beim Guardian geht noch weiter. Wenn man das Ganze von einem finanziellen (und englischen) Standpunkt aus gesehen wird, bekommt in den V.K. ein Schreiber für einen Gameartikel in der Mainstream-Presse mit 50-250 Wörtern ca. 50 Pfund (~55 Euro), in der „Gamepress“ sind es 50-70 Pfund (je nach Wortzahl) und die Artikel sind maximal zwei Seiten lang. Das bedeutet allerdings, dass man bei einem Game, welches 20-40 Stunden dauert, man maximal 3 Pfund die Stunde bekommt.
Zwar kann man viele Punkte wie Gameplaymechanik, Steuerung, Grafik etc. schon in den ersten Minuten bewerten – doch die Frage ist, wie sehr dass im speziellen Fall überhaupt für die Spielerfahrung wichtig ist. Des weiteren Stellt sich ja die Frage, ob man überhaupt Dinge wie die obligatorisch hineingeworfenen Multiplayer-Modi, DLC und weiß-der-Teufel-was auch noch betrachtet werden müssen…
…und was denkt Ihr? Wie komplett ist komplett?
Quelle: The Guardian
4 Kommentare for "Wieviel muss man eigentlich für ein Review reviewen?"
Wenn man einen Test als “komplett” etikettiert, dann muß das Spiel auch durchgespielt sein. Alles andere ist ne Mogelpackung, denn wie du schon gesagt hast: Wer nur die erste Hälfte gespielt hat, der kann über den weiteren Verlauf in Hälfte zwei nichts sagen.
Deswegen müßte man eigentlich hingehen und sagen: “Wir haben jetzt die ersten 10 Stunden getestet und sind damit zu einem Drittel durch. Das ganze stellt sich bis hierher so und so dar.”
Um jetzt eine vollständige Review zu geben, gibt es dann drei Möglichkeiten.
1. Man spielt es als Tester nach diesem Artikel weiter und setzt einen zweiten oder noch mehrere hinterher, was aber in sofern Problematisch ist, daß es da halt
a) den Zeitdruck gibt, so daß ein solcher “Test in Serie” kaum machbar ist und
b) das vorherige Ergebnis noch einmal eine (gewaltige) Änderung erfahren könnte, wenn es z.B. irgendwann abflacht. Zudem würden die Entwickler den Testern wohl was husten, wenn das Spiel erst als “Hui” und dann später doch als “Pfui” bewertet wird. Natürlich könnte es auch anders ausgehen, nämlich daß es erst nach Schrott aussieht, aber dann später doch noch gewaltig Fahrt aufnimmt und ein Knaller wird – aber bis dahin ist der Ruf schon ruiniert und kann wohl nur schwer rehabilitiert werden.
2. Mann bewertet das Spiel bis zu einem gewissen Punkt (so weit es die Zeit zuläßt), widmet sich dann den neuen Projekten und greift zur Vervollständigung auf nicht-professionelle Tester, sprich Käufer/Spieler, zurück. Das Problem dabei wäre dann zum einen das, was unter 1. steht und zum anderen, daß da vor allem die Subjektivität stark reingeht (Fanboytum usw.), sofern wir davon ausgehen , daß Profitester mehr oder wneiger maximal neutral sind.
3. Man testet bis zu einem gewissen Punkt und für alles weitere fragt man die Entwickler an, die dann Auskunft über den weiteren Verlauf geben, so daß man das in die Bewertung miteinfließen lassen kann. Aber da kommen wir wieder zur Spoiler-Problematik.
Kurz: Wie mans macht ist falsch.
Ich denke, daß das Sinvollste wäre, wenn man eine Mindestspielzeit festsetzt (ich würd sagen 1/4 – 1/3 der Gesamtdauer). Innerhalb dieser Zeit sollten alle technischen Aspekte erkenn- und bewertbar sein. Was nun Innovationspotential und Spielspaß angeht, da müßte man dann quasi “unter Vorbehalt” resümieren, da man ja noch nicht alles gesehen hat.
Wenn man so eine verbindliche Grundlage schaffen kann, dann sollte man solche Test eigentlich guten Gewissens auf die Spielerschar loslassen können, vorausgesetzt, daß da ein Mindestmaß an Hirnaktivität herrscht, mittels welchem die potentiellen Käufer realisieren, daß es eben nicht das ganze Spiel ist und letztlich jeder selber wissen muß, ob er da zuschlägt oder nicht.
Dieses “komplett” nach festen Regeln wäre für mich komplett genug.
Definitv schwierig, speziell Rollenspiele und MMO´s in kurzer Zeit durchzuspielen (und vielleicht auch noch bei Offline Spielen zu 100%, man will ja im Testbericht schreiben können dass es zig tausende unterschiedliche Side Quests gibt) halte ich für unmöglich ,vor allem bei Nicht-Blockbustertiteln. Einem Final Fantasy 123157 widmet man sicher mehr Zeit als einem 0815 Japano RPG mit Manga Grafik. Und MMO´s leben nunmal vom zusätzlichen Content der nach Erscheinung veröffentlicht wird. Alle WoW Spieler da drausen können ein Lied davon singen.
Bis jetzt ist mir nur ein Magazin untergekommen, dass MMO´s nach jedem größerem Content Patch einer neuen Bewertung unterzieht. Andere Printmedien erwähnen Neuerungen vielleicht noch irgendwo bei den News, das wars dann auch schon. Viele Magazine wird das aber auch egal sein, es gibt ja genug andere Spiele die noch getestet werden müssen.
Ein Problem wird vielleicht auch sein, dass Tests gerade im Online Bereich ja sofort am Erscheinungstag oder am besten noch ein zwei Tage früher fertig sein sollten. Von Printmedien ist man eine gewisse “Trägheit” aufgrund des Erscheinungsrythmus gewöhnt, aber online? Wollen Kunden lieber nicht sofort Kritiken lesen können, wenn das Spiel im Regal steht?
Eundeutig ein sehr interesantes Thema, falls mir einmal ein Redakteur eines Printmagazines unterkommt werd ich ihn darauf ansprechen wenn ich daran denke.
“Die Frage ist nun, muss man ein Computerspiel ganz ‘durchgespielt’ haben, bevor man sich eine Meinung darüber bilden darf?
”
Ja, absolut ohne “wenn” und “aber”.
Das gilt natürlich nur für Spiele, die man auch nach klassischem Verständnis durchspielen kann, also eben nicht Tetris, Civilization oder WoW, sondern eher Crysis, Prince of Persia oder jedes andere klassische Einzelspielerspiel mit festem Anfang und Ende. Ich kann selbst als nebenberuflicher Tester sagen, dass das der Standard ist. Ich hatte mal einen Kollegen, der Flower tatsächlich bereits nach dem dritten Level getetestet hat, ohne es durchzuspielen…dafür hätte ich ihn am liebsten geköpft. Denn gerade dort verändert sich das Spielerlebnis zum Ende hin komplett. Das ist aber eben nicht die Norm.
Ich habe am WE erst Shattered Horizon, einen neuen Multiplayershooter (ein sehr guter übrigens), getestet. Habe das Spiel etwa 4 Stunden gespielt (grob geschätzt) bis ich sagen konnte, dass ich alles gesehen und ausprobiert habe und ich mir darüber jetzt eine feste Meinung bilden kann.
Reviews und Tests sind nie objektiv. Punkt. Es ist eine subjektive Meinung eines Schreiberlings, der sich beim schreiben an objektiven Kritierien orientiert.
Klingt komisch, ist aber so.
Und alle Tests von Spielen, in denen der Autor das Spiel nicht komplett durchgespielt hat, verdient den Titel “Test” einfach nicht. Ebenfalls punkt.
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