alanwake

Damit jemand mir sein Wissen oder seine Meinung unterbreiten kann, muss diese Person selbst wissen wovon sie spricht. Das klingt selbstverständlich, wer nichts weiß kann nur mutmaßen und allenfalls eine Meinung haben. Nun gibt es aber gerade bei Reviews und Testberichten zu Computerspielen das Problem, dass wir in diesem Fall gerade Wert auf eine Meinung legen, von der wir nur hoffen können, dass sie objektiv ist. Die Frage ist nun, muss man ein Computerspiel ganz ‘durchgespielt’ haben, bevor man sich eine Meinung darüber bilden darf?

„Eigentlich schon, Filme und Bücher schaut und liest man ja auch ganz.“ denkt man sich da, und ich für meinen Teil schiebe noch eine Reihe „Abers…“ hinterher. Denn ich habe von noch von niemanden gehört, der Tetris oder Civilisation durchgespielt hätte und ebenso stelle ich es mir schwer vor, einen allumfassenden Bericht zu einem MMO im Kaliber von WoW zu verfassen. Filme hingegen sind allerspätestens nach drei bis vier Stunden durchgesehen, die meisten Bücher kann ein geübter Leser locker an einem Tag bewältigen, Computerspiele kommen oft mit bis zu 40 Stunden Spielzeit und mehr daher.

Auslöser dieser Gedanken ist unter anderem ein Artikel beim Guardian, der sich mit dem Horror-Spiel „Alan Wake“ für die Xbox360 von den „Max Payne“-Machen auseinandersetzt. Matias Myllyrinne von Remedy Entertainment soll laut diesem (angeblich) gesagt haben, dass man sehr vorsichtig sein möchte bei dem was man von der Story vorab veröffentlicht. Den Spielern solle nicht das Ende gespoilert werden.

Und so stellt sich die Frage,
ob der Review-Code der an die Tester verteilt wird, überhaupt das eigentliche Ende des Spieles enthält.

Dennoch gerät man hier stellenweise in einige Konflikte, oft hat man gar keine Möglichkeit als professioneller Tester ein Spiel so durchzuspielen, wie ein Käufer es tun würde – schließlich arbeitet man unter Zeitdruck. Als Hobbytester und Internet-Reviewer mit einer festen Veröffentlichungsfrequenz ist es noch schwieriger, wenn man nebenbei seinen Unterhalt anderweitig verdienen muss oder anderen „Krams“ zu tun hat. Oft ist es diesen “Internet-Critics” zeit-technisch gar nicht möglich ein Spiel erschöpfend zu testen.

Die nächste Frage ist nun:
Wie objektiv sind Meinungen zu Games, die der Tester nicht durchgespielt oder nur kurz angespielt hat?

Eine Antwort auf diese Frage scheint der Vergleich der User- und Pro-Tester Wertung zu dem Spiel „Spore“ bei Metacritic zu geben. Während dort das Spiel unter den beruflichen Gametester gemittelt mit 84 von 100 Punkten glänzt, kommt es bei den Userwertung nur auf 4.5 von 10 Punkten. Jeder Spieler der Spore besitzt wird dieses vermutlich nachempfinden können. Man spielt das Spiel ca. sechs Stunden, um in die Weltraumphase zu kommen und danach passiert einfach nichts Neues mehr, ganz egal ob man die Galaxis erobern will, oder nochmal neu Anfängt – der Maxis-Effekt schlägt gnadenlos und man deinstalliert das Spiel fast schon aus einer mechanischen Routine heraus.

Unnötig zu sagen, dass man sich hier gut vorstellen kann, dass dieser Unterschied daher herrührt, dass die professionellen Tester nur bis zur Weltraumphase gespielt haben und die restlichen Spieler etwas länger. Das führte dazu, dass sich der Effekt der frustrierende Ernüchterung sich nie bei vielen „Pros“ einstellte. Ein Gametester der also „Termine hat“, kann vermutlich oftmals gar nicht sagen, ob das Spiel nicht in der zweiten Hälfte monoton wird und nur schätzen, wie intensiv die Langzeitmotivation ist.

Doch der Artikel beim Guardian geht noch weiter. Wenn man das Ganze von einem finanziellen (und englischen) Standpunkt aus gesehen wird, bekommt in den V.K. ein Schreiber für einen Gameartikel in der Mainstream-Presse mit 50-250 Wörtern ca. 50 Pfund (~55 Euro), in der „Gamepress“ sind es 50-70 Pfund (je nach Wortzahl) und die Artikel sind maximal zwei Seiten lang. Das bedeutet allerdings, dass man bei einem Game, welches 20-40 Stunden dauert, man maximal 3 Pfund die Stunde bekommt.

Zwar kann man viele Punkte wie Gameplaymechanik, Steuerung, Grafik etc. schon in den ersten Minuten bewerten – doch die Frage ist, wie sehr dass im speziellen Fall überhaupt für die Spielerfahrung wichtig ist. Des weiteren Stellt sich ja die Frage, ob man überhaupt Dinge wie die obligatorisch hineingeworfenen Multiplayer-Modi, DLC und weiß-der-Teufel-was auch noch betrachtet werden müssen…


…und was denkt Ihr? Wie komplett ist komplett?

Quelle: The Guardian