1 Nov

Allein in meinem Zimmer sitzend, einen Tee schlürfend komme ich oft auf… sehr blöde Gedankenkonstrukte – oder zumindest seht weit hergeholte.
Meistens fange ich dann an, im Computer-Slash-Schlafzimmer auf und ab zu gehen und eine der beiden Hälften aufzuräumen. Das ist all zu oft ein Vorgang, bei dem die Unordnung einfach auf die andere Seite des Raumes diffundiert. Dieses Mal habe ich mir überlegt, wie es wohl abgelaufen ist, als der neue Bundesfinanzminster Wolfgang “100000 DM” Schäuble intern verlauten ließ, dass der Staatshaushalt nicht mehr die von der FDP geforderten Steuerentlastungen hergibt.
Still ist es seit dem 28ten Oktober im berliner Bundesfinanzministerium geworden und ein dunkler Schleier der Bedrückung hat sich über die Stimmung und die Schultern der dortigen Beamten und Angestellten gelegt. In der Tat bemerkt man, dass das Licht bei weitem nicht mehr so stark durch die Fenster dringt wie es eigentlich sollte, wodurch sich ein unheilvolles Zwielicht in den Gängen und Büros des Gebäudes ausgebreitet hat. Zusammen mit einer Stille, welche man sonst nur in einer staubigen Krypta zur Mitternachtsstunde findet, lässt es jeden arglosen Besucher an der Realität dieses Ortes zweifeln.
Nur mit viel Glück mag in diesen Gängen man einen der Menschen, die hier ihrem Tagewerk nachgehen, anzutreffen, sehen oder gar hören. Unter der bleiernen Schwere dieses Ortes und wegen einer kriechenden Angst, die sich in ihre Seelen eingenistet hat, sind die Beamten darauf bedacht, so wenig Geräusche wie möglich zu erzeugen.
Doch irgendwann öffnet sich leise, wie ein Atemhauch, eine der unzähligen, sich gleichenden Türen zum Gang. Schnell fliegt ein unsicherer Blick den langen Gang hinauf und hinunter, vergeblich versuchend etwas im sich dahinziehenden Zwielicht zu erkennen. Dann quetscht sich eine schemenhafte Gestalt eiligst, mit einem Aktenordner in der Rechten, aus der Tür hervor. Auf den Zehenspitzen schleichend, versucht der von Todesangst getriebene Beamte zum Kopierer zu gelangen und schon nach ein paar Schritten ist nicht mehr erkennbar, welche der vielen Türen er gerade verlassen hat.
Dann ein atemloses Aufkeuchen. Erschreckt bleibt der Beamter auf halber Strecke seines Stafettenlaufs stehen, sein nervöser Blick hat sich an einem Portrait an der Wand des Ganges verfangen und kann sich nicht mehr von diesem lösen. Erst nach einigen Augenblicken der Schockstarre, erkennt er welche Katastrophe sich hier anbahnen könnte. Als sein Herz einen Sprung macht und seine Gliedmaßen ihm wieder halbwegs zu Willen sind, stolpert er ungelenk auf das Bild von Willy Brandt zu, um diese dann in Panik um 180 Grad auf Konrad Adenauer zu drehen – das daneben hängende Portrait wird in noch kürzerer Zeit von Schmidt auf Kohl gestellt.
Weiter eilt er, mit dem Rücken eng an der Wand entlang, in Richtung des Kopierers, hinnehmend dass er so das weiße H&M-Hemd allmählich am gräulichen Putz aufreibt.
Dann ein Geräusch vor ihm. Nein, kein Geräusch, eher wie eine Stimme, ein Laut. Ein Laut nicht von dieser Welt. Ein hoch tönendes Klagen, als hätte eine dem Menschen missgünstige Gottheit den Begriff des Leides selbst ein hörbares Dasein gegeben. Immer wieder und wieder hallt diese ungeölte Perversion durch das Zwielicht, kommt näher, immer näher. Es dringt aus dem Halbdunkel an die Ohren des nun aus Angst erstarrten Mannes.
In Panik, vor dem was sich durch das Zwielicht auf ihn zu bewegt, presst sich der Mann noch enger gegen die Wand. Den Aktenordner mit einer Hand schützend vor seine Brust pressend, die andere Hand lang über die Wand ausgestreckt und nach einem Ausweg tastend. Schmerzhaft drückt sich ein Feuermelder in den Rücken des Verdammten, welcher versucht auf der weißen Wand erfolglos unsichtbar zu werden.
Wie die Krallen einer unaussprechlichen Bestie, fahren ihm diese Töne durch Mark und Bein. Es sind Laute wie aus einem aufgerissenen Höllenschlund unfassbarer Schwärze, gejault von amorphen Kreaturen, welche in der in der Dunkelheit zwischen den Sternen ihr widernatürliches Dasein fristen.
Dann ein erster Schemen, welcher sich aus dem Zwielicht erhebt. Es die war Dunkelheit selbst, welche sich in einer monotonen, unmenschlichen Bewegung durch den Gang auf seine Position zu kroch. Die düstere Erkenntnis, was sich vor ihm befindet, kostet dem Beamten nicht nur einige Herzschläge, sondern auch Jahre seines Lebens. Er presst die Augen zusammen, zittert, bebt und betet wimmernd in sich hinein. Schweißnass klebt das H&M-Hemd zwischen Wand und Rücken des Mannes, als das infernalische Geräusch unendlich langsam seine Position passiert, weiter gleitet… Doch dann Stille. Nur einen Meter neben dem verängstigten Menschen sind die Laute der Dunkelheit zum versiegen gekommen.
Das zitternde Lebewesen lässt seinen Aktenordner fallen, als es einen Blick spürt. Ein Blick, der den Mann wie eine Lanze aus schwarzem Eis zu durchbohren scheint, ein Blick der die Seele eines Lebewesen in Myriaden kleiner Fetzen zerreißen kann. In Todesangst reißt der Mann die Augen auf, sein Körper verkrampft sich im Angesichts des Wahnsinns, sein Blick verschwimmt vor seinen Augen als seine glasigen Augen es betrachten und es seinen Blick mit bestimmter Kälte erwidert. Wie zum Hohn sieht er nun in der Ferne hinter der Wesenheit, den Schemen des Kopierers der sein Ziel bei dieser Todesmission gewesen war … er war in die falsche Richtung gegangen.
Doch nun ist es zu spät, nichts mehr ist von Bedeutung. Einen Augenblick der nur Sekunden währt, in dem sich aber die Seele des Verängstigten in Äonen aus reinem Schmerz windet, und die Stille auf den Schultern des Opfers lastet.
“Müller, rufen Sie den Westerwelle an und sagen Sie, dass wir für seinen FDP-Blödsinn immer noch kein Geld haben – und wo Sie gerade dabei sind, besorgen Sie mir etwas Fahrradöl, der Rollstuhl quietscht.”
“J… Ja Herr Finanzminsister.”
Ich wollte erst auf eine Szene hin, wo Wolfgang Guido sagt, dass kein Geld da ist und dann mit einem „Muhahahahahahahaahhaha“ ein Blitz hinter ihm in den Hof einschlägt. Worauf dessen Sekretär zu Westerwelle sagt „Gewöhnen sie sich schon mal dran.“ aber irgendwie ist es dann anders gekommen, als ich das wollte.
Und … was macht Ihr so, wenn Euch langweilig ist?
8 Kommentare for "Politik: Kein Geld für Steuersenkungen"
Alle 5 Minuten gucken ob du, oder einer der anderen wenigen Blogger die ich lese, was neues geschrieben hast. -.- Krank sein ist toll !
Du weißt, dass es dafür Tools gibt, die Piepen wenn was neues da ist?
Ich stell mir grade vor wie ich da sitze, und gespannt darauf warte, dass das rote Lämpchen (welches rote lämpchen ist egal) mit einem piep angeht…so bisschen Wartezimmer mäßig…wo kriegt man sowas her ?
Also irgendein Feedreader wird das schon haben, der das alle 1-2 Minuten checked.
Also bei mir piept immer Mozilla Thunderbird, wenn ein neuer Blogeintrag von Zach kommt.
Gott Zach, du bist ein Horror-Autor, gefangen in einem Informatiker, wenn man dein Buch jemals kaufen kann, ich tus
mein Safari checkt das auch Jedesmal wenn ich nen neuen Tab oder Fenster öffne. Aber es piept nicht ^^
Wenn ich ehrlich bin war das eine ziemlich Exakte Beschreibung meines täglichen Arbeitstages…nur dass meine Nemesis die von der Leyen ist *schauder*.
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Z. Weandesh, Tobias H. erwähnt. Tobias H. sagte: RT @Zachrid Politik: Kein Geld für Steuersenkungen http://bit.ly/3szKdo [...]
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