24 Sep
Ich habe die Zeit, in der ich ‘weg’ war, effektiv genutzt und Drakensang gezockt. Ich bin noch nicht durch aber wohl relativ am Ende und muss sagen, dass mich das Spiel sehr überrascht hat, auch wenn mir die DSA-Welt nicht sooooo seht liegt.
Story
Die Story beginnt relativ simpel: Ein alter Bekannter aus der Hafenstadt Ferdok hat Probleme und bittet uns in die Stadt zu kommen um ihm zu helfen. Wir machen uns also auf, werden aber kurz vor Ferdok von einem Militärposten aufgehalten und müssen erst einmal zwei Fürsprecher suchen, die uns eine Empfehlung ausstellen, damit wir weiterkommen. Von da aus wird man dann, nach und nach, in ein immer größer werdendes Abenteuer hineingezogen, das sehr gut erzählt ist und dem es auch nicht an interessanten Nebenstories mangelt. Im Laufe der Ereignisse finden wir heraus, dass innerhalb Ferdoks seltsame Dinge vorgehen und Leute auf eine grausame Art und Weise umgebracht werden.
Gameplay
Ich kann nicht viel am Gameplay aussetzen, eigentlich sollte das meiste was ich im Folgenden nicht erwähne einwandfrei sein. Was definitiv als erstes einige Eingewöhnungszeit braucht, ist die Spiel-Kamera. Ich bin so sehr an feststehende Kameras gewöhnt, dass mich das ewige “nachziehen” der Drakensang-Kamera doch zu Anfang etwas irritiert hat.
- Steuerung der Charaktäre im Kampf
Das Kampfsystem läuft, ähnlich wie bei Kotor, rundenbasiert ab. Man merkt als Spieler nichts von diesem Umstand, bis man die Kampfhandlungen mit der Leertaste pausiert. Man kommt hierbei recht schnell zu der Gewohnheit, nach jedem Spezialschlag die Action anzuhalten und den Spielercharaktären neue Aktionen zuzuweisen, denn bis auf “automatisch den nächsten Gegner angreifen” wurde hier auf eine KI verzichtet.
Etwas was mich bei dem System stört hat ist die Tatsache, dass was die Positionierung im Kampf angeht, das Ganze etwas halb-ärschig umgesetzt wurde. Generell kann man nicht den Magier von den Monstern wegziehen und diesen mit den kampfstärkeren Charakteren den Weg versperren. Jeder Gegner klebt fix an einem Spielercharakter, bis dieser nur ordentlich genug einen auf den Dengel bekommt. Darüber hinaus habe ich das Gefühl, dass ab und an die Charaktere nicht ganz meinen Vorstellung entsprechend handeln, zum Beispiel wen sie Angreifen. Außerdem gibt es ein Limit, dass sich die Spielercharaktere nicht über ein gewisses Maß voneinander entfernen dürfen, schleicht der Dieb zu weit weg folgen ihm die anderen automatisch, auch wenn man diese in die Ecke gestellt hat.
Ein wenig störend ist die Tatsache, dass man früher oder später massiv dazu gezwungen wird, bei jedem Charakter die Fähigkeit “Selbstbeherrschung” bis an das Maximum hochzuskillen. Bekommt ein Charakter großen Schaden, erlangt dieser unter Umständen eine Wunde, was dessen Kampfleistung drückt. Hat ein Charakter vier Wunden, geht dieser zu Boden, ganz egal wie viel Lebenspunkte er noch hat, das Talent “Selbstbeherrschung” drückt diese Wahrscheinlichkeit einer Wunde.
- Questing
Die Hauptquests kann man kaum verfehlen und meistens sind die Zielorte dieser auf der Karte markiert, gerade mal an zwei Stellen im Spiel ist mir aufgefallen, dass ich nicht mehr genau wusste in welcher Kneipe von Ferdok Wirt XY nochmal sein Bier ausschenkt und im Questbuch war kein Hinweis dazu, aber so viele Tavernen gibt es dann auch wieder nicht.
Neben-Quests hingegen müssen stellenweise regelrecht ausgebuddelt werden. Es kann sein, dass nach dem Beeindigen einer Quest, ganz wo anders im aktuellen Gebiet ein neuer Quest-NPC auftaucht. Oft machen diese zwar mit einem Dialog auf sich aufmerksam, aber generell schadet es nicht, einfach jeden mit einem Namen anders als “Stadtwache” anzusprechen.
Die vorkommenden “Bossbattles” variieren in der Schwierigkeit zwischen “das war ja einfach” und “man kommt in ein paar Leveln nochmal wieder und speichert dann nach jeden guten Schlag einmal ab”, was nicht so gelungen ist und etwas frustrierend werden kann. (Die Info vorweg, dass der blöde Magier (…) bei Tod explodiert und dann ein Feuergeist da steht, wäre SEHR hilfreich gewesen!). Hier und da ist es etwas zu viel Gerenne in dem Spiel, auch wenn das Game hier und da die Mühe gibt das etwas abzukürzen, dennoch hätte ich mir im Dunkelwald eine Art von Sprungpunktsystem gewünscht.
Die Spieldauer ist übrigens “lang”. Ich gebe zu, vergessen zu haben die Dauer zu messen, die ich bis jetzt an dem Spiel sitze, aber ich habe mittlerweile mit Sicherheit mehr als 30 Stunden Spiel hinter mir, ohne irgendwo stecken geblieben zu sein oder übermäßige Abstecher in die Wildnis gemacht zu haben. Andere Quellen sprechen von bis zu 80 Stunden Spieldauer.
- Spielercharaktäre
Man fängt mit seinem Charakter an und bekommt im Laufe des Spieles bis zu drei Mitstreiter an die Seite gestellt. Dennoch finde ich die Art der “Heldenauswahl” etwas problematisch: Findet man zusätzliche Nebencharaktäre, die man mitnehmen könnte, aber welche die maximale Gruppengröße übersteigen würden, werden diese in das eigene Anwesen geschickt… und versauern dort. Man kann diese dort zwar gegen einen anderen Charakter aus der Party eintauschen, aber das macht irgendwie kaum Sinn.
Die ersten vier Gruppencharaktere sind eine Amazone, ein Schurke (der dann aber zwischenzweitlich verschwindet), ein Zwergenkrieger und ein Heiler/Schurken-Charakter. Man hat also Fernkampf/Nahkampf, Nahkampf/Tank, Heilung/Dieb oder einen reinen Schurken… egal für welche Klasse man sich also am Anfang selbst entscheidet, man kann eigentlich nichts falsch machen, wenn man sein Team aus den ersten vier Leuten zusammenstellt die einem über den Weg laufen…
Es wäre schön gewesen, wenn das Spiel eventuell an einigen Stellen einfach dem Spielen einen anderen Nebencharakter aufgezwungen hätte, denn die wirken wirklich alle sehr ansprechend. Doch warum sollte ich neuen Charakter mitnehmen, wenn ich doch die alten in akribischer Kleinarbeit und aufeinander angepasst, hochgeskillt und ausgestattet habe? Da hilft es auch nicht, wenn man im Laufe des Spieles “Bruce Willis” in einer Ritterrüstung trifft. Nachdem meine Amazone Häuten konnte, der Zwerg Schmieden, die Heilerin/Schurkin Bogenbauerin war und mein erstellter Streuner Pflanzenkunde und Alchemie gelernt hatte… war’s eh zu spät jemanden da auszutauschen, wiel die Gruppe perfekt aufeinander angepasst war.
- Das Skillsystem
Es ist sehr wichtig, dass man weiß wie man mit dem Skillsystem umzugehen hat, denn es bietet bei all den Fertigkeiten und auch Waffenfertigkeiten sehr viel Gelegenheit seine Charaktere zu verskillen – und einen Resetbutton gibt es nicht.
Wichtig ist, dass Ihr generell nur einen (maximal zwei) Waffentalente pro Charakter skillen müsst, die Unterschiede, die es bei den einzelnen Waffen im Spiel gibt, sind generell nicht so dramatisch, als dass man irgendwann einen anderen Waffenskill teuer hochskillen müsste – es gibt bei DSA nun mal keine Zauberschwerter im Laden um die Ecke. Also “kann” bei mir der Amazone Säbel und Bögen, der Zwerg kommt ganz gut mit Hiebwaffen klar und die beiden Schurken mit Fechtwaffen, etc.
Eure Gruppe legt ihre Talente übrigens zusammen, es reicht wenn ein Charakter bei einem Gespräch den Skill “Überreden” hat, genau so wie nur der höchste Wert aus der Gruppe beim Feilschen um die Ware zählt. Spezialattacken und neue Sprüche kauft man sich auch durch Skillpunkte, also sollte sich später im Spiel dafür immer einige Hundert Punkte zurückgelegt haben.
- Herstellungsystem
Man kann Alchemie, Schmieden und Bogenbau lernen. Zusätzlich gibt es noch den Skill Pflanzenkunde zum Kräutersammeln. Dennoch ist das Herstellungssystem – für dass was es bringt – übermäßig zeitaufwändig. Dabei kommt auch wieder das “Gelaufe und Gesuche” negativ ins Spiel… Man muss das Rezept für einen Gegenstand suchen, vorher noch einen Lehrer der einem die Fähigkeit beibringt, dann muss man alle Materialien zusammensuchen oder -sammeln, zurück zur nächsten Werkbank und dann auch noch den Skill hoch genug haben. Was oft so aussieht, dass man wild durch Ferdok rennt, und einen Händler sucht, der noch Schleifsteine hat, weil man das Rezept für diese nicht gefunden hat, und man sie für Bärenfallen braucht.
Dabei gibt es gerade mal ein paar Gegenstände, für die sich der Aufwand meiner Meinung nach lohnt und die nicht auch “so” im Spiel zu genüge zu finden wären. Einzig die Pfeile mit Harpien-Federn sind fantastisch… aber Harpien-Federn zu finden ist wieder eine andere Sache. Sinnvoll ist, aus enthäuteten Materialien und dem was man sonst noch so findet für den Anfang Bärenfallen zu Schmieden und gegen Dukaten zu verkaufen.
Atmosphäre
Wie gesagt bin ich kein DSA-Fan, das heißt aber auch nicht das ich DSA überhaupt nicht mag. Ich muss sagen, dass die Atmosphäre fantastisch herüber kommt, die Charaktere sind sehr gut in Szene gesetzt, die Grafik und die Umgebung sieht einwandfrei aus und das Voiceacting ist auch fatastisch (besonders Rakorium). Es mag etwas stören, dass die Dialoge nur teilvertont sind, aber es gibt so viele, da wundert mich das nicht. Es fallen einem (vor allem in Katakomben) natürlich mit der Zeit die sich wiederholenden Elemente des Leveleditors auf, aber nicht so stark, dass man sich darüber ärgern müsste. Ansonsten muss ich sagen, dass ich wirklich das gefühl hatte, dass Aventurien genau so aussieht, wie es mir das Spiel präsentiert.
Fazit:
Drakensang ist trotz stellenweise überschwerer Bosskämpfe und dem etwas zu langwierigen Herstellungssystem ein Top-Titel, eine definitive Kaufempfehlung meinerseits an alle Rollenspiel-Fans, die es noch nicht kennen und ein Muss für DSA-Fans.
Übersicht
Spieldauer vermutlich +30 Stunden. USK 12.
Grafik 9/10
Optisch gut und atmosphärisch umgesetzt.
Sound 8/10
Stimmig, das deutsche Voice-acting ist ausgezeichnet, die Dialoge sind aber nur Teilvertont – was aber bei der Menge an Dialoge wirklich verständlich ist.
Gameplay 7/10
Leichte Abzüge durch stellenweise nerviges Laufen, Schwammige Kamera und etwas fragwürdige Begleiter KI.
Atmosphäre 10/10
Ja, das ist bisher das beste DSA-Spiel.
P.S.:
Und warum muss ich -verflucht nochmal- wie in Diablo jedes Fass an dem ich vorbei komme, kaputt kloppen um an den Inhalt zu kommen?
Feedback ist in den Kommentaren gerne gesehen, auch von Leuten die eine andere Meinung zu dem Spiel haben. ^^.
11 Kommentare for "Review: Drakensang – DSA auf dem PC"
hmm, meine einzige kritik ist die aktuallität – das spiel ist c.a. vor einem jahr erschienen :>
*über zachseinerechtschreibung klugscheiß*
Es heißt Charaktere^^
Insgesamt sicher ein sehr empfehlenswertes Spiel für jeden Rollenspieler.
Trotzdem haben mich persönlich einige Dinge gestört.
Zum einen ist das DSA Regelwerk irgendwie viel mehr aufs “Abenteuern” als aufs reine Kämpfen ausgelegt, das kommt im Spiel halt viel zu kurz. Gerade Talente wie Etikette, Überreden, Einschüchtern etc. sind viel zu nutzlos – alle Quests lassen sich auch anders lösen und man hat meistens keine Vorteile wenn man solche Talente einsetzt.
Bei jeder Truhe / Tür kann ich “Schlösser Knacken” so oft ich will probieren. Das mag “realistisch” sein, führt die Probe allerdings ad absurdum – irgendwann werd ich schon 1/1/1 würfeln…
Die Balance (die Rattenmutter lässt grüßen) und die Laufwege hast du ja schon angesprochen ;)
Wer mit den Schwächen leben kann soll sichs kaufen!
Ich kenn mich zwar kaum mit dieser Reihe aus, aber es scheint ja ganz interessant zu sein. Nachdem ich auch Kotor gespielt hab mag ich das Kampfsystem auch : )
Vielleicht leg ichs mir ja zu…
Wie jetzt bin ich jetzt keines von den coolen Kids mehr, weil ich ein Spiel spiele, das nicht diesen Monat herausgekommen ist. ^^’
gibts schlimmeres :)
http://manga.gamestotal.com/en/manga/new_manga
das zum bleistift oder
Also ich fand das spiel Super… und ich habs auch gerne nochmal durchgespielt als der Patch kam der die Grafik nochmal ordentlich aufgebohrt hat, ich bin sowieso ein totaler DSA Fan also fällts mir schwer da objektiv zu bleiben *g* ich fand immerhin auch die Nordland-Trilogie Super.
Richtig gestört hat mich auch nur ein einziger Kampf in dem Spiel und zwar der gegen die Rattenmutter… damals bei Release war das Vieh sowas von übermächtig… ich weiß nicht wie lange ich daran verreckt bin…
Das Crafting System hat mich garnicht gereizt weshalb ich das auch niemals geskillt habe…
Aber ich freu mich jetzt schon sehr auf den neuen Teil, denn die Entwickler haben versprochen alles das was bei Drakensang nicht so toll war, dort zu verbessern, z.B. die nur Teilweise vertonten Quests, werden in “Drakensang: Am Fluss der Zeit” komplett vertont
Aber leider muss ich mich noch gedulden… das kommt ja vermutlich erst im 1. Quartal 2010
Ich merke gerade, das ich den Patch gar nicht installiert hatte… dann ja, dann könnte die Rattenmutter jetzt nicht mehr so schwer sein. Aber solche Fights kannte ich schon aus den alten DSA Teilen
achja zach: nich falsch verstehen, hab das game selber durch, und es war richtig sexy :>
Ich habe früher die “alten” DSA-Teile auf dem PC gespielt, noch unter MSDos. Danach war ich irgendwie süchtig.
Natürlich war da Drakensang Pflicht. Aber ich muß gestehen, das ich nicht wirklich weit gekommen bin. Ich beib irgendwie bei den Online-Rollenspielen hängen.
Vielleicht spiele ich es auch irgendwann mal druch.
Danke, Zach! Soeben habe ich es mir für 12 Euronen geordert obwohl ich garkeine Zeit für solch umfangreiche Spiele habe…
aber da ich mich mit den früheren DSA Spielen nie beschäftigt habe und eher der Might & Magic und J-RPG Spieler bin wird’s wohl ne interessante Erfahrung.
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