9 Aug
Wenn man mich als Jugendlichen gefragt hätte, was denn die größte Herausforderung, die größte Schwierigkeit meiner Generation sein würde, hätte ich vermutlich etwas wie “den Frieden erhalten” gesagt. Heute ist das anders...
Ich denke, die ersten zwölf Jahre meines Lebens im Schatten “des Russen” und dem potentiellen “atomaren Holocaust” zu fristen und diesen konsequent wegzuignorieren, haben mich da doch etwas geprägt.
Die größte Herausforderung
Danach kam freilich der Umweltschutz. Aber wenn man mich heute fragt, was die größte Schwierigkeit ist, mit der ein deutscher Durchschnittsbürger zu kämpfen hat, nenne ich die “Medienkompetenz”. Das Filtern und Verarbeiten von Informationen. Die Tatasche, dass man zwischen den Zeilen lesen muss und wirklich dreimal eine Nachricht durchkauen sollte, bevor man diese runterschluckt, ist meiner Meinung nach eine der schwierigsten und kompliziertesten Leistungen die der “Erste-Welt-Mensch” von Heute vollbringen muss. Denn bevor man die Umwelt rettet, sollte man erst einmal der Meinung sein, dass man nicht genug für die Umwelt tut, nicht wahr?
Das nennt sich Krieg, Soldat
Wir leben mitten in einem Informationskrieg und jeder von uns ist ein Soldat. Um uns herum stehen die Warlords mit ihren Megaphonen und versuchen uns von ihren Meinungen zu überzeugen. Vielleicht ein weit zu dramatisches Bild, aber man muss heutzutage in der Lage sein, bei wichtigen Nachrichten in einem Text, einem Video- oder Audiobericht die Grundstimmung der Verantwortlichen zu erkennen.
Man muss erkennen wenn suggestive Fragen oder Phrasen verwendet werden, man hat die Pflicht sich eine Gegendarstellung durchzulesen, wenn man sich eine Meinung zu einem Thema bilden möchte. Man muss alte Berichte und andere Nachrichten zu dem Thema im Hinterkopf behalten und die Informationen darin abgleichen, vergleichen, Differenzen erkennen und daraus dann eigene Schlüsse ziehen. Bringt ein Politiker eine Studie zur Untermauerung seiner These vor müssen wir überprüfen, ob es eine Gegenstudie gibt. Mehr noch, eigentlich müssen wir die vorgebrachte Studie lesen, dann selbst nach besten Wissen und Gewissen entscheiden, ob der Politiker die richtigen Schlüsse gezogen werden und, und, und… oder uns zumindest aus Quellen informieren, die nicht der gleichen Meinung sind um uns ein Bild von der Materie zu machen.
Der Faktor Zeit
Aber wer hat die Zeit und die Kraft für so etwas? Wäre es nicht viel einfacher, wenn man objektive Nachrichten bekommt, wenn man nach einem Arbeitstag das Fernsehen einschaltet? Wie viele Leute haben denn noch Lust, jeden Bericht zu überprüfen den man ihnen vermittelt? Und das in einer Zeit, in der die Gegendarstellungen in Zeitungen so klein sind, dass man sie selbst beim Suchen übersieht. Wo man in Onlinemedien einen Artikel nachträglich noch ändern kann, während viele Leute diesen schon in der ersten Version als bare Münze genommen haben.
Wo sind all die Profis hin?
Es ist genau das, was eigentlich Journalisten für uns machen sollten, wir leben in einer spezialisierten Gesellschaft und können uns gerade deswegen nicht mit allen Einzelheiten und Kleinigkeiten des Lebens auseinandersetzen, so auch das Filtern von Nachrichten. Doch in den letzten Jahren fällt mir immer mehr Hetze und Manipulation auf. Manche Lügen, Falschdarstellungen und Halbwahrheiten kommen früher an das Licht, andere später. Oft sind es hierbei Journalisten und Fernsehmagazine, die einfach nicht objektiv sind, in manchen Fällen einfach ihre Meinung für Geld verkauft haben. Natürlich kann man hier nicht alle Journalisten und Berichterstatter über einen Kamm scheren und ich will auch gar nicht mutmaßen wie viele Journalisten die “Guten” und wie viele “die Anderen” sind, doch wird man misstrauisch: Wenn man weiß, dass faule Nüsse in der Schale sind, schaut man sich lieber jede Einzelne Nuss an, bevor man sie isst.
Ist Deine Meinung Deine eigene?
Ziehe ich all die schlechten Beispiele der letzten Jahre zusammen, leben wir in einem “Zeitalter der Meinungsmache.” Wir sind es gewohnt, dass Politiker die Ansicht ihrer Parteien öffentlich vertreten, das ist etwas mit dem wir arbeiten können. Aber es gibt in unserer Welt mehr als offizielle Meinungen: Thinktanks, Initativen, PR-Unternehmen, werden von Verbänden und Unternehmen gesponsort damit diese deren Meinungen dem Volk als die eigene Aufdrücken, Lobbyisten rennen Politikern hinter her um diese auf ihre Seite zu ziehen.
Sei es die Bahn, die mit Hilfe von PR-Agenturen Stars, Journalisten und Umfragen kauft um für sich und gegen den Lokführer-Streik Stimmung zu machen. Sei es Zensursula die falsche Behauptungen vorbringt, um ihren Internetsperren Rückhalt zu verleihen. Sei es die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die den Spruch erfindet “Sozial ist, was Arbeit schafft” welchen sie in die Mund der Politiker legt… und niemand stellt die Frage, wie sozial eigentlich ein “Ein-Euro-Job” wirklich ist.
Weitere Beispiele
Bevor man sich eine Meinung bildet, ist man gezwungen sich einige Schritte zurück zu ziehen und sich das gesamte Bild anzusehen. Auf einmal hat Jörg Tauss die Bilder und Clips nur auf seinem “Wenige MB großen” Handy gehabt und schon sieht der ganze Bericht wieder mehr aus wie eine Kampagne gegen den Mann, als ein emotional-aufgeheizter Beitrag (auch wenn beides einem guten Journalisten nicht passieren darf). Wie viel ist “wenige MB groß” wie groß ist das Material wirklich? War es Absicht oder Unwissen, warum nicht einfach die Gesamtlänge der Videos zusammen gefasst wurde? War es Hass gegen einen potentiellen Verbrecher, oder hat man hintenherum die Chance genutzt gegen die Piratenpartei Stimmung zu machen?
Weiteres Beispiel: Schweinegrippe. Es würde mich nicht mal wundern, wenn der Schweinegrippe-Virus eben nicht auf natürlichem Wege entstanden ist… Es wird von Experten Panik vor einer Grippe gemacht, ohne dass über den milden Verlauf der Grippe aufgeklärt wird. Danach wird ein Impfstoff mit zweifelhafter Wirkung, der vielleicht krebserregend ist zu einem Wucherpreis auf den Markt geworfen… und noch bevor genug Information an die Öffentlichkeit gesickert ist, wie harmlos die Grippe tatsächlich ist, sind die Einheiten schon verkauft. Die Meinung, dass die Schweinegrippe eine gefährliche Pandemie auslöst, hat gewonnen – die Pharmaindustrie Milliarden gescheffelt.
Was dagegen tun?
Ich bin kein Medienexperte, aber zuallererst sollte man einen Scheiß auf jede Art von Umfrage geben – keine Umfrage ist repräsentativ für ganz Deutschland. Zudem hat Information die ekelhafte Angelegenheit sich gewollt-ungewollt zu verändern, wenn man sie nicht Zeichen für Zeichen weiter gibt.
Im Falle einer Umfrage sieht das so aus: Ein Unternehmen oder eine Institution will gegen etwas Stimmung machen, gibt bei einer PR-Agentur eine Umfrage in Auftrag, die so suggestiv gestellt ist, dass das Ergebnis absehbar ist. Daraufhin wird das Ergebnis in den Nachrichten gebracht und aus “Wollen sie Internetsperren gegen Kinderpornographie, die nur von einigen hoch versierte Computerexperten umgehen können.” wird im TV-Magazin “Für die Internetsperren sind: 90%”
Es ist eine der größten Künste sich erst einmal zurück zu lehnen und in Ruhe über den Sachverhalt nachzudenken. Das ist etwas, dass man sich durchaus leisten kann, wenn man nicht gerade der Aktualität hinterherhetzen möchte, doch in unserer hetzenden Gesellschaft passiert Meinungsbildung zu hoppla-hopp, etwas dass mir auch ab und an passiert.
Das Ganze sagt einiges aus. Die Welt in den letzten Jahren offensichtlich verändert, so dass Kriege und Politik über das TV ausgefochten werden. Natürlich werden nun einige behaupten, dass es nie eine Zeit gegeben hat, in der man den Nachrichten blind glauben konnte. Es hat immer mindestens zwei Seiten einer Geschichte gibt ist eine der ältesten und wahrsten Weisheiten die der Mensch je erkannt hat.
So bleibt die Frage, werden wir heutzutage einfach mehr manipuliert als früher, oder merken wir es jetzt endlich?
Add:
Es ist schwer, heutzutage nicht paranoid zu sein…
“Henry… one of the first times I met you,
you said that you didn’t know what was real anymore.
And I said that I did. But now I don’t. I don’t know what’s real anymore.”
“You are. You’re real.
And you’re trying to save me you’re just too late. I gotta wake up.”
“You are awake.”
Schlagworte: Medien, Politik, ZachDenktNach
13 Kommentare for "ZachDenktNach: Das Zeitalter der Meinungsmache"
Von wem ist das den unten am Text?
Aus dem Film Stay, passte so gut.
Auch mich Eure Meinung dazu interessieren würde. :)
du hast (wie so oft) leider viel zu recht, wenn man heutzutage nicht alles 3mal prüft bekommt man schnell was falsches vorgesetzt, dsa internet hat seinen teil zu diesem fakt beigetragen
Ist grotesker Weise aber auch wiederum das Medium das solche Sachverhalte aufdecken kann. Aber wäre ich damit angefangen, wäre diese Wall-O-Text noch höher geworden.
Ich bin absolut deiner Meinung.
Ich erwäge sogar dieses Thema als Grundlage meiner Seminararbeit im kommenden Jahr zu nehmen, insofern es (wie höchstwahrscheinlich vorgegeben) um den Großbereich “Medien” geht und unsere Lehrerin sich das nicht anders überlegt.
Kennst du den Film “Wag the Dog”? Er ist schon etwas älter, aber ein genialer Film, der sich genau mit dieser Thematik auseinander setzt. Im Groben gehtes darum, dass der Präsident der USA der Welt einen Krieg vorspielen will, um wieder gewählt zu werden.
Dazu:
http://www.youtube.com/watch?v=EnSauj2855M
und
http://de.wikipedia.org/wiki/Wag_the_Dog
Wenn du ihn noch nicht gesehen hast: Unbedingt anschauen und einen Post darüber verfassen! ;)
Recht hast du, lieber Zach. Es ist Heutzutage wirklich schwer zu glauben, was in den Nachrichten kommt. Wenn ich dran denke, was das ZDF gemacht hat. Die haben Millionen Euro ausgegeben für ein neues Nachrichtenstudio. Ich glaube, dass die Nachrichten für uns immer mehr und mehr, als Show presentiert wird und dabei macht das ZDF den ersten Schrit in diese Richtung.
Zu wahr, und man kann nichts da gegen machen, denn selbst wenn im Internet über diese Informationsasymetrie aufgeklärt wird, ist der großteil der Bevölkerung noch viel zu stark damit beschäftigt zu konsumieren um sich für diese Art aufklärung zu interessieren.
Am besten wäre es wenn man unabhängige Medien hätte die nicht von der Privatwirtschaft finanziert werden, sondern am besten durch einen fest gesetzten Betrag, den jeder Bürger, je nach Mediennützung, bezahlen muss. Damit wäre gewährleistet, dass man unabhängige Medien hätte.
Ohh… moment… sowas haben wir ja… zdf… ard… zumindest wers glaubt. Hier kommen aber die größten Einflüsse aus der Politik, als Beispiel der Versuch der CDU den Chefredakteur Nikolaus Brender zu ersetzen.
Weiters Problem der öffentlich/rechtlichen Sender ist wie mir scheint eine sinkende Einschaltquote. Um das zu kompensieren hat man das schon vorhin erwähnte tolle neue Nachrichtenstudio gebaut wo Millionen Euro ausgegeben wurde damit die Nachrichtensprecher nicht starr auf ihren Stühlen sitzen und berichten sondern jetzt total flexibel dabei von einen Platz auf den anderen wandern und dabei durch den stufenlosen Zoom, den der neue Roboterkammermann durchführt, begleitet wird. Auch eine Werbekampagne wurde ins Leben gerufen die unmengen GEZ Gebühren verschlingt. Und was passiert wenn die Einschaltquoten weiterhin sinken? Kommen dann auch Talkshows und Massenverblödende Sendungen wir Frauentausch und Sam ind den öffentlich-rechtlichen Sendern.
Das schlimmste gedruckte Medium ist wohl unumstritten die Bild und erschreckender weise auch das meist gelesene. Die Bild, schafft es immer wieder den “einfachen” Mann dazu sich für Themen zu interessieren die normalerweise außerhalb der “Reichweite” desjenigen wäre, denn durch große skandalöse Bilder und schockierenden Schlagezeilen wird das Augenmerk auf vermeindliche langweilige Themen gelenkt und dabei wird mit meist schlecht bis gar nicht recherchierten Argumenten/Fakten um sich geworfen die der normalen Arbeiterschicht, die ich damit nicht abwerten will, die Galle zum kochen bringt. Dadurch gibt es genug Gesprächsstoff an der Allwöchentlichen Stammrunde im örtlichen Gasthaus bei dem lautstark disktuiert wird wie schlecht doch alles ist und dass man nichts anderes machen kann als Tag ein Tag aus auf die Arbeit zu gehen und so die Familie mit einem in keinster Weise angemessen Einkommen zu versorgen.
ZITATANFANG
Am besten wäre es wenn man unabhängige Medien hätte die nicht von der Privatwirtschaft finanziert werden, sondern am besten durch einen fest gesetzten Betrag, den jeder Bürger, je nach Mediennützung, bezahlen muss. Damit wäre gewährleistet, dass man unabhängige Medien hätte.
Ohh… moment… sowas haben wir ja… zdf… ard… zumindest wers glaubt. Hier kommen aber die größten Einflüsse aus der Politik, als Beispiel der Versuch der CDU den Chefredakteur Nikolaus Brender zu ersetzen.
ZITATENDE
Sehr guter Kommentar ;)
Ich würde von mir selber sagen, dass ich nicht einfach Nachrichten in mich einsauge, sondern gerne auch mal etwas hinterfrage und dazu recherchiere. Schweinegrippe ein Produkt von Pharmaunternehmen? Denke ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass die überzogene Berichterstattung von diesen Unternehmen veranlasst wird. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass in den nächsten Jahren immer wieder irgendwelche Krankheiten gehyped werden, da an der Schweinegrippe anscheinend gemerkt wurde, wie man daraus Geld machen kann.
Auf der anderen Seite muss man auch mal sehen, wie schnell Themen wieder uninteressant werden. Nordkorea spielt immernoch mit Atomen rum. BSE ist nicht tot. Tibet wird immernoch von China geärgert. Unser Gesundheitssystem ist immernoch viel zu komplex und teuer. Im Irak gibt es immernoch ständig Anschläge. Die Bevölkerung im Iran protestiert weiterhin (naja… ein bisschen weniger). Zach ist immernoch kein Bundeskanzler.
Ich bin relativ stolz darauf, mir noch eine eigene Meinung bilden zu können.
Achja… Ist Stay gut? Wollte mir den schon immer mal ausleihen.
PS.: Man braucht hier mal eine Zitierfunktion… Und einen Editknopf.
Zu Tauss wollte ich noch was sagen:
Falls er tatsächlich Kinderpornographischen Material auf seinem Handy, Pc oder wherever hatte ist dies eine Sraftat, für die er zur Rechenschaft gezogen werden muss (will man den Glauben an unser Rechtssystem aufrechterhalten). Sollte er das im Rahmen einer Ermittlung oder ähnlichem gemacht haben, könnte er dafür eindeutige Beweise vorlegen (er hatte schliesslich Monatelang Zeit, denn die Vorwürfe sind weitaus älter als die Zugehörigkeit zur Piratenpartei). Da er das nicht kann, gibt es für mich drei Möglichkeiten:
a) Er hat keine weil er einfach nur auf KiPo steht -> Veruteilung, aber flott
b) Er hat schlampig gearbeitet -> es sollten trotzdem Zeugen, bzw Mitermittler aufzutreiben sein, ansonsten Pech gehabt
c) Jemand will ihn fertig machen und hats ihm untergeschoben -> ?
Allerdings halte ich c) für äusserst paranoid, denn warum sollte man versuchen Tauss fertig zu machen (zumal die Kampagne ja schon seit monaten laufen muss).
Ich persöhnlich glaube, so schade das sein mag, das a) richtig ist.
Ansonsten geb ich dir Recht Zach, eine sehr gute Analyse der heutigen Medienlandschaft.
Zum Thema “Mediengebaren und Aufnahme desselben” gibt es exemplarisch eigentlich nur eins zu tun, nämlich den Slogan der Zeitung mit den vier Buchstaben mal so zu präsentieren, wie er tatsächlich gemeint ist:
“Bild dir meine [setze Name des Chefredakteurs/verantwortlichen Schreibsklaven ein] Meinung!”
nuff said!
Ich kann dir nur zustimmen. Mir ist das einmal besonders aufgefallen als wir uns einen 2 stündigen Propaganda Film über den 11. September angeschaut haben. Vor dem Film war der großteil meiner Klasse der Überzeugung das es sich um einen Terroanschlag handelt.
In den Film wurden etliche teilweise absurde “Beweise” dafür gebracht warum es sich nicht um einen Anschlag handelt, sondern um sprengladungen von der Regieung oder so.
Nach dem Film waren ALLE (auser mir) der Meinung das das ganze nicht mit Rechten Dingen zugegangen ist.
Unabhängig davon was am 11. September war find ich es erschreckend wie leicht man (auch sehr kluge) Menschen mit einseitigen Berichten beeinflussen kann.
Wer weiß wie viele der Dinge die ich glaube bewusste Manipulaton sind…
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