2 Aug
Und nochmal ein Leserbrief (*) von Nico aka. MR.FGWZ, dieser führt darin seine Erfahrungen mit Hartz IV und dem “Zweite Buch, Sozialgesetzbuch” weiter. Er dreht sich wieder um die Probleme die er mit der Arbeitsagentur hat:
Hartz IV+SGB II – Ein kleiner Einblick wie man damit leben muss (Teil2)
In Teil 1 habe ich über Bewerbungskosten, Fall-Manager und „Qualifizierungs-maßnahmen“ geschrieben. Vielleicht verlinkt Zach ja zum ersten Teil… ;-)
Ein großer Faktor als Hartzer ist natürlich das Geld. Mal abgesehen vom Regelsatz hat man kaum Möglichkeiten noch Geld zu bekommen bzw. zu verdienen. Alles was über 100 Euro Zusatzeinkommen hinaus geht, wird auf den Regelsatz angerechnet. Geht man so wie ich einem 400 € Job nach, so darf man zwar die 400 € zwar behalten, aber man bekommt vom Amt gerade mal noch 50 €. Zudem wird fast jede Art von Einkommen angerechnet. Ob es nun Kindergeld, Witwen-& Weisenrente, Zahlung von Versicherungen oder sonst etwas ist. Die Liste ist bis ins unendliche erweiterbar. Es gibt nur wenige Ausnahmen die nicht angerechnet werden. Dies sind zum Beispiel Fahrkosten oder Bewerbungskosten.
Natürlich ist klar, dass bei entsprechenden Einkommen das Amt nichts zahlen will oder muss, das ist auch völlig in Ordnung. Allerdings ist doch auch klar, dass sich niemand arbeitslos meldet oder melden würde, wenn sein Einkommen aus (unter Umständen) verschiedenen Quellen hoch genug ist, um davon leben zu können.
Generell versuchen die Damen und Herren der zuständigen Abteilungen immer, den auszuzahlenden Betrag zu drücken oder es möglichst lange hinaus zu ziehen. Mit allen möglichen Mitteln. So werden bestimmte Unterlagen einfach drei-, viermal verlangt und man kann hier nur Abhilfe schaffen, wenn man sich das Abgeben der Unterlagen schriftlich bestätigen lässt. Aber meist hat das unnötige Diskussionen zur Folge, da die Menschen so etwas nicht unterschreiben wollen. Der Grund hierfür ist ja klar.
Ebenso beliebt: Statt alle benötigten Sachen auf einmal anzufordern, wird jedes Mal noch etwas neues erfunden, das benötigt wird. Und natürlich ist es so, dass der Antrag nur weiter oder zu Ende bearbeitet werden kann, wenn genau dieses Dokument vorliegt. Auch versuchen die zuständigen Sachbearbeiter immer wieder anrechnungsfreies Einkommen anzurechnen oder tun es einfach.
Dessen sind sie sich auch immer bewusst, aber wie jeder weiß, Recht haben und Recht bekommen, sind zwei grundverschiedene Dinge. Man muss Widerspruch einlegen, manchmal zweimal, muss unter Umständen vor das Sozialgericht und in all der Zeit ist es der Regelfall dass die Zahlung entweder ausgesetzt wird oder eben der geringere Betrag ausgezahlt wird.
Bekommt man dann Recht und eine Nachzahlung in entsprechender Größe, so wird gleich wieder versucht, diese Nachzahlung anzurechnen. Dies wird aber häufig von einer anderen Person veranlasst, da oft mehrere Personen eine so genannte „Bedarfsgemeinschaft“ bearbeiten, wovon allerdings keiner weiß, was der andere zuvor gemacht hat. Ebenso schauen sich die verschiedenen Sachbearbeiter sich nie den ganzen Fall oder Sachlage an, sondern fällen ihre Unterlagen, nach denen ihnen unmittelbar vorliegenden Unterlagen, aber eben nicht nach der ganzen Akte.
Zahlungen werden auch bevorzugt kurz vor Monatsbeginn eingefroren, falls „angeblich“ Unterlagen fehlen oder anderes Einkommen zu hoch ist. Für die Sachbearbeiter spielt dabei keine Rolle oder viel mehr es ist ihnen egal, ob der Mensch dem sie Zahlungen verweigern wie jeder andere Rechnungen bezahlen muss, Kleidung braucht oder vielleicht auch mal was essen oder trinken will, denn sie können sich nach ihrem Arbeitstag an ihren Tisch setzen, Essen & Trinken wann sie wollen und müssen darüber keine Gedanken machen, ein Hartzer muss sich schon genau überlegen was er isst und wann.
Ich habe bewusst jetzt mal nur die elementarsten Dinge aufgezählt, denn alles andere ist Luxus pur laut den Sachbearbeitern. Sie treten auf eine sprichwörtlich am Boden liegende Person ein, ohne auch nur ansatzweise mit der Wimper zu zucken. Frei nach dem Mottos „Ist mir doch scheißegal“ und „Guck doch, wie du zurecht kommst“. Viele machen dies um auch zu genießen wie es ist über andere Menschen Macht zu haben und um ihre Karriere zu fördern.
Denn kaum ein Sachbearbeiter bleibt länger als zwei Jahren auf seinem Posten, so dass sich die Menschen sich immer wieder an andere gewöhnen müssen. Ebenso wird dadurch konstant verhindert dass die Sachbearbeiter erfahrener werden und lernen mit ihrem Handwerkszeug dem „Gesetz“ umzugehen, denn kaum einer kennt es wirklich.
Eine der fiesesten Verordnungen bzw. der fiesesten Gesetze ist, dass man erst sämtliches Erspartes komplett aufbrauchen muss, bevor man ALG II beantragen darf. Jetzt wird der ein oder andere sagen, wer arbeitslos ist, hat doch nix auf dem Konto oder Sparbuch, aber davon rede ich nicht. Ich meine damit Anlagen in jeglicher Form die man sich für den Altersruhestand angelegt hat und/oder, jetzt wird es richtig schlimm, man muss die Konten, Sparbücher, Anlagen in ebenso jeglicher Form die man für die eigenen Kinder für deren Start ins Leben angelegt hat, bis auf kleinem Teil ( bis man eben unter die Grenze fällt) komplett ausgeben. Man muss also Geld dass einem quasi nicht gehört, aber über dass man verfügt, verleben. Somit wird man von Vater Staat dazu gezwungen, die Zukunft der Kinder zu versauen oder zumindest schwieriger zu gestalten, nur damit „ER“ Geld sparen kann.
Es ist ja schön dass wir im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ein Sozialsystem haben, also jammern wir auf einem sehr hohem Niveau. Aber was nützt uns ein Sozialsystem, wenn das System, sobald man Hilfe von ihm benötigt, es dafür sorgt dass man immer mehr der so genannten Hilfe von ihm benötigt und im Gegenzug dafür gesorgt wird, dass man kaum Chancen hat wieder da raus zu kommen und quasi konsequent immer untern gehalten wird?
(*) Dieser Leserbrief ist mit Einverständnis des Autoren veröffentlicht worden, ich habe an diesem Brief keine inhaltlichen Änderungen oder Korrekturen vorgenommen – die Aussagen darin sind die des Autoren, ich mache mir diese nicht zu eigen. Ich habe nur die Formatierung für das Web etwas lesbarer gestaltet und Links hinzugefügt die weitere Informationen enthalten.
Schlagworte: Armes Deutschland
6 Kommentare for "ZachSeineLeserbriefe – Hartz IV + SGB II – Teil 2"
Tja, an den Arbeitslosen (mir eingeschlossen) hängt eine ganze Industrie ;)
Wenn es keine Arbeitslosen gäbe, wären die Arbeitslos die sich um die Arbeitslosen kümmern ^^
Das schöne ist ja das Firmen heutzutage den 1€ Jobber gerne in Anspruch nehmen, natürlich auch die Staatlichen Zuschüsse die im Paket enthalten sind. Wenn man die nicht bekommen? Tja, dann droht man eben damit ins Ausland zu gehen xD
Is schon geil, nicht wahr?
wie hieß das damals in “der Hauptmann von Köpenick”?
“Die Assel kann so gut leben, weil ERST die Assel kommt und dann die Asselordnung. ERST der Mensch, dann die Menschenordnung”
(ich bin mir nicht mehr sicher, ob es Assel oder nen anderes Tier war^^)
Also, nach meinen eigenen Erfahrungen (ich hab meine Ausbildung im öffentlichen Dienst gemacht und hab daher mitbekommen, wie das so bei Ämtern läuft) ist es so, daß die meisten Angestellten, die da solche Fälle bearbeiten, selbst nur “arme Schweine” sind.
Wenn da Sachen nur unzureichend bewertet werden (wie in der Mail gesagt, daß ständig neue Mitarbeiter irgendwelche Fälle bearbeiten bzw. daß immer nur der aktuelle Stand in Betracht gezogen wird), dann liegt das in der Regel leider daran, daß die eigentlich unterbesetzt sind. Da kann einfach keine fach- und sachgerechte Bearbeitung stattfinden. Dafür fehlt die Zeit.
Und natürlich sind die Bearbeiter angehalten die Kosten möglichst klein zu halten. Die Kassen, egal in welchem Bereich, sind de facto leer.
Ich hatte mich neben meiner Tätigkeit als Chemielaborant auch auf ne Ausbildungsstelle als “Bürofachangestellter” beworben und hab auch ein dementsprechendes Gespräch gehabt. Da gab es schon Fragen, die in eben diese kostenminimierende Richtung zielten.
“Wie würden sie vorgehen, wenn jemand mit diesem und jenem Problem zu ihnen kommt?” oder mal ganz konkret die Situation, wie sie damals (unter anderem) in dem Gespräch war:
“Jemand, der Arbeitslosenhilfe bezieht, kommt zu ihnen und sagt ihnen, daß er das zugewiesene Geld abgeholt hat, aber es ihm dann abhanden gekommen ist. Wie reagieren sie darauf?”
“Na ja, ich würde nach den genauen Umständen fragen, um zu sehen, was geschehen ist.”
“Er sagt, daß er das Geld abgehoben und dann die Brieftasche verloren hat. Jetzt braucht er dringend Geld, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.”
Was antwortet man dann? Da werden den Azubis in spe schon solche Situationen vorgesetzt, bei denen es darum geht “potentielle Schmarotzer” zu erkennen und möglichst “kostenschonend” zu agieren. Und das “brennt sich ein” bzw. wird in den Jahren der Ausbildung dann “trainiert”.
Für den, der das Geld braucht, ist das natürlich egal. Wenn kein Geld kommt, dann kommt keins, egal warum, aber die Sachbearbeiter sind leider daran meist nicht schuld.
Und diese gelehrte Arbeitsweise führt dann leider meist zu dem, was der, der den Antrag stellt, als “lmaA-Haltung” empfindet.
fazit (zumindest für diesen Punkt: In der BRD ist man momentan so ziemlich immer am/der Arsch, egal ob man Arbeit hat oder nicht.
Also ich wage dem Beitrag mal ziemlich entschieden zu widersprechen.
Ich selbst bi zwar nur Sachbearbeiter im Sozialamt und nicht in der ARGE, kann aber trotzdem ganz gut mitreden.
Du unterstellst den Sachbearbeiten dass sie
a) grundsätzlich dir nur schlechtes
und
b) sich selbst möglichst viel Arbeit machen wollen.
Jedes mal, wenn von dir Akten oder sonst etwas angefordert werden müssen ist das wieder neue Arbeit für den Sachbearbeiter. Zu glauben, dass würde man mit Absicht machen ist schlichtweg Unsinn. Ich selbst erlebe es ja auch oft genug.
Die Arbeitsabläufe sind nun mal einfach komplex, was sich aber nicht verhindern lässt. Wenn man aufgrund dieser komplexen Arbeitsabläufe dann aber darauf schließt, dass ja grundsätzliche alle Menschen im öffentlichen Dienst nur darauf aus sind, euch möglichst gut das Geld aus der Tasche zu ziehen bekomme ich echt zu viel.
“Viele mchen das nur um es zu genießen…”
Spätestens ab diesem Punkt habe ich aufgehört dich ernst zu nehmen. Du klingst verbittert und iehst deswegen schlüsse, die einfach unfassbarer Unsinn sind. Sachbearbeiter sind zu 100% an das Gesetz gebunden und können auch nur danach handeln. Kein Mensch versagt dir eine Leistung, einfach weil er böse ist. Gerade jetzt, kurz vor der Wahl, würde er damit seinen Job riskieren, wenn ein Vorgesetzter davon Wind bekommen würde.
“Für die Sachbearbeiter spielt dabei keine Rolle oder viel mehr es ist ihnen egal, ob der Mensch dem sie Zahlungen verweigern wie jeder andere Rechnungen bezahlen muss, Kleidung braucht oder vielleicht auch mal was essen oder trinken will, ”
Und wieder, ein verbitteter Kommentar ohne jeglichen Sinn. Es gibt gesetzliche Vorgaben, diese werden Eingehalten.
wie glaubst du denn, wäre es fairer? Wenn man jedem, der lieb darum bittet zum Ende des Monats nochmal nen Hunni überweist, damit der auch ja zufrieden ist? Denk mal drüber nach, wie sinnvoll das ist.
Ich sage dir mal was: Ich habe auch eine Ausbildung auf auf einem Amt gemacht. Also erzähle mir nicht, wie die Abläufe sind. Weiss ich auch selbst. Zum anderen: Du zweifelst meine Erfahrungen an? Oder anders, du bezichtigst mich der Lüge oder so ähnlich? Das sind alles Tatsachenberichte, die exakt so mir passiert sind. Wenn dir nicht passt, dass deine “Kollegen” eine solche Arbeitsweise an den Tag legen, bzw. diese verteidigen möchtest, dann ist das nicht mein Problem, sondern deines. Du bist ja nicht in der Lage wie Millionen andere Menschen und ich. Sicherlich ist mein Fall sehr extrem, das streite ich nicht ab, aber so und so ähnlich passiert es tagtäglich in unserem Lande.
“Für die Sachbearbeiter spielt dabei keine Rolle oder viel mehr es ist ihnen egal, ob der Mensch dem sie Zahlungen verweigern wie jeder andere Rechnungen bezahlen muss, Kleidung braucht oder vielleicht auch mal was essen oder trinken will, ”
Und wieder, ein verbitterter Kommentar ohne jeglichen Sinn. Es gibt gesetzliche Vorgaben, diese werden Eingehalten.
wie glaubst du denn, wäre es fairer? Wenn man jedem, der lieb darum bittet zum Ende des Monats nochmal nen Hunni überweist, damit der auch ja zufrieden ist? Denk mal drüber nach, wie sinnvoll das ist.
Und wie sinnvoll ist das? Warum sagst du mir das? Ich weiss sehr genau dass es Regelungen geben muss. Das es auch schwer ist, ist mir auch klar, aber hast du dir nicht einmal auch Gedanken gemacht, ob diese Vorgaben sinnvoll sind? Den Kommentar mit den HUndert Kröten ist unnötig und beleidigend. Und verbittert ist der Kommentar sicher nicht, es ist Realität. Nur weil du diese Kritik vielleicht auch nicht wahrhaben kannst, redest du entsprechend. Und viele wollen die eben die Macht genießen. Ist einfach so. Wenn das bei dir anders ist, dann ehrt dich das, aber dann bist du die Außnahme. Aber eines ist bei dir wie bei jedem anderen im öffentlichen Dienst, fängt man euch zu kritisieren, passiert genau das, ihr reagiert, gelinde gesagt, angepisst…
Wenn du also nochmal meine Erlebnisse und Erfahrungen als Lüge oder ähnliches hinstellen willst, frage mich doch mal erst mal persönlich. Ich könnte ja jetzt wieder ein persönliches Erlebnis zum besten geben, aber dann lüge ich ja wieder, gelle? Denn ihr seid ja so tolle Sachbearbeiter und macht alles richtig und seit menschenfreundlich. Jaja… blabblubb…
Sry für Doppelbeitrag!
Mir ist klar dass Sachbearbeiter an das Gesetz gebunden sind. Mir geht es doch auch nicht darum, sondern wie weit mancher Sachbearbeiter die Gesetz zu seinem bzw. der ARGE ihren Vorteil dehnt. Lies einfach das ganze mal etwas konzentrierter. Die Gesetze prangere ich nicht an, auch wenn sie mir nicht passen. Mir ist klar, dass irgendwo die Grenzen gezogen werden müssen. Es liegt in der Natur der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst, dass sie niemanden (mehr) ernst nehmen, wenn Kritik geäußert wird. Warum auch? Sie wissen ja, dass sie am längeren Hebel sitzen.
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