arbeitsamt

Und nochmal ein Leserbrief (*) von Nico aka. MR.FGWZ, dieser führt darin seine Erfahrungen mit Hartz IV und dem “Zweite Buch, Sozialgesetzbuch” weiter. Er dreht sich wieder um die Probleme die er mit der Arbeitsagentur hat:

Hartz IV+SGB II – Ein kleiner Einblick wie man damit leben muss (Teil2)

In Teil 1 habe ich über Bewerbungskosten, Fall-Manager und „Qualifizierungs-maßnahmen“ geschrieben. Vielleicht verlinkt Zach ja zum ersten Teil… ;-)

Ein großer Faktor als Hartzer ist natürlich das Geld. Mal abgesehen vom Regelsatz hat man kaum Möglichkeiten noch Geld zu bekommen bzw. zu verdienen. Alles was über 100 Euro Zusatzeinkommen hinaus geht, wird auf den Regelsatz angerechnet. Geht man so wie ich einem 400 € Job nach, so darf man zwar die 400 € zwar behalten, aber man bekommt vom Amt gerade mal noch 50 €. Zudem wird fast jede Art von Einkommen angerechnet. Ob es nun Kindergeld, Witwen-& Weisenrente, Zahlung von Versicherungen oder sonst etwas ist. Die Liste ist bis ins unendliche erweiterbar. Es gibt nur wenige Ausnahmen die nicht angerechnet werden. Dies sind zum Beispiel Fahrkosten oder Bewerbungskosten.

Natürlich ist klar, dass bei entsprechenden Einkommen das Amt nichts zahlen will oder muss, das ist auch völlig in Ordnung. Allerdings ist doch auch klar, dass sich niemand arbeitslos meldet oder melden würde, wenn sein Einkommen aus (unter Umständen) verschiedenen Quellen hoch genug ist, um davon leben zu können.

Generell versuchen die Damen und Herren der zuständigen Abteilungen immer, den auszuzahlenden Betrag zu drücken oder es möglichst lange hinaus zu ziehen. Mit allen möglichen Mitteln. So werden bestimmte Unterlagen einfach drei-, viermal verlangt und man kann hier nur Abhilfe schaffen, wenn man sich das Abgeben der Unterlagen schriftlich bestätigen lässt. Aber meist hat das unnötige Diskussionen zur Folge, da die Menschen so etwas nicht unterschreiben wollen. Der Grund hierfür ist ja klar.

Ebenso beliebt: Statt alle benötigten Sachen auf einmal anzufordern, wird jedes Mal noch etwas neues erfunden, das benötigt wird. Und natürlich ist es so, dass der Antrag nur weiter oder zu Ende bearbeitet werden kann, wenn genau dieses Dokument vorliegt. Auch versuchen die zuständigen Sachbearbeiter immer wieder anrechnungsfreies Einkommen anzurechnen oder tun es einfach.

Dessen sind sie sich auch immer bewusst, aber wie jeder weiß, Recht haben und Recht bekommen, sind zwei grundverschiedene Dinge. Man muss Widerspruch einlegen, manchmal zweimal, muss unter Umständen vor das Sozialgericht und in all der Zeit ist es der Regelfall dass die Zahlung entweder ausgesetzt wird oder eben der geringere Betrag ausgezahlt wird.

Bekommt man dann Recht und eine Nachzahlung in entsprechender Größe, so wird gleich wieder versucht, diese Nachzahlung anzurechnen. Dies wird aber häufig von einer anderen Person veranlasst, da oft mehrere Personen eine so genannte „Bedarfsgemeinschaft“ bearbeiten, wovon allerdings keiner weiß, was der andere zuvor gemacht hat. Ebenso schauen sich die verschiedenen Sachbearbeiter sich nie den ganzen Fall oder Sachlage an, sondern fällen ihre Unterlagen, nach denen ihnen unmittelbar vorliegenden Unterlagen, aber eben nicht nach der ganzen Akte.

Zahlungen werden auch bevorzugt kurz vor Monatsbeginn eingefroren, falls „angeblich“ Unterlagen fehlen oder anderes Einkommen zu hoch ist. Für die Sachbearbeiter spielt dabei keine Rolle oder viel mehr es ist ihnen egal, ob der Mensch dem sie Zahlungen verweigern wie jeder andere Rechnungen bezahlen muss, Kleidung braucht oder vielleicht auch mal was essen oder trinken will, denn sie können sich nach ihrem Arbeitstag an ihren Tisch setzen, Essen & Trinken wann sie wollen und müssen darüber keine Gedanken machen, ein Hartzer muss sich schon genau überlegen was er isst und wann.

Ich habe bewusst jetzt mal nur die elementarsten Dinge aufgezählt, denn alles andere ist Luxus pur laut den Sachbearbeitern. Sie treten auf eine sprichwörtlich am Boden liegende Person ein, ohne auch nur ansatzweise mit der Wimper zu zucken. Frei nach dem Mottos „Ist mir doch scheißegal“ und „Guck doch, wie du zurecht kommst“. Viele machen dies um auch zu genießen wie es ist über andere Menschen Macht zu haben und um ihre Karriere zu fördern.

Denn kaum ein Sachbearbeiter bleibt länger als zwei Jahren auf seinem Posten, so dass sich die Menschen sich immer wieder an andere gewöhnen müssen. Ebenso wird dadurch konstant verhindert dass die Sachbearbeiter erfahrener werden und lernen mit ihrem Handwerkszeug dem „Gesetz“ umzugehen, denn kaum einer kennt es wirklich.

Eine der fiesesten Verordnungen bzw. der fiesesten Gesetze ist, dass man erst sämtliches Erspartes komplett aufbrauchen muss, bevor man ALG II beantragen darf. Jetzt wird der ein oder andere sagen, wer arbeitslos ist, hat doch nix auf dem Konto oder Sparbuch, aber davon rede ich nicht. Ich meine damit Anlagen in jeglicher Form die man sich für den Altersruhestand angelegt hat und/oder, jetzt wird es richtig schlimm, man muss die Konten, Sparbücher, Anlagen in ebenso jeglicher Form die man für die eigenen Kinder für deren Start ins Leben angelegt hat, bis auf kleinem Teil ( bis man eben unter die Grenze fällt) komplett ausgeben. Man muss also Geld dass einem quasi nicht gehört, aber über dass man verfügt, verleben. Somit wird man von Vater Staat dazu gezwungen, die Zukunft der Kinder zu versauen oder zumindest schwieriger zu gestalten, nur damit „ER“ Geld sparen kann.

Es ist ja schön dass wir im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ein Sozialsystem haben, also jammern wir auf einem sehr hohem Niveau. Aber was nützt uns ein Sozialsystem, wenn das System, sobald man Hilfe von ihm benötigt, es dafür sorgt dass man immer mehr der so genannten Hilfe von ihm benötigt und im Gegenzug dafür gesorgt wird, dass man kaum Chancen hat wieder da raus zu kommen und quasi konsequent immer untern gehalten wird?

(*) Dieser Leserbrief ist mit Einverständnis des Autoren veröffentlicht worden, ich habe an diesem Brief keine inhaltlichen Änderungen oder Korrekturen vorgenommen – die Aussagen darin sind die des Autoren, ich mache mir diese nicht zu eigen. Ich habe nur die Formatierung für das Web etwas lesbarer gestaltet und Links hinzugefügt die weitere Informationen enthalten.

ZachSeineLeserbriefe - Hartz IV + SGB II - Teil 2, 5.0 out of 5 based on 1 rating