26 Jul
Ralf (der “eine Ralf” nicht der “andere Ralf”) machte mich gestern kurz vor “zu spät” auf den folgenden Post aufmerksam. Ich wollte darüber bloggen, habe mich dann aber lieber in die Kiste begeben. Na ja, irgendwann muss auch ich schlafen. Gerade eben rief mir dann mein Leser Florian in den Geist, dass da noch was war und zwar:
Flash-Mobs sind ab sofort in Braunschweig verboten.
Ein “Flashmob” ist leicht zu erklären. Ein Haufen Leute verabredet sich, ohne größeren Hintergrund, an einen Ort zu einer bestimmten Zeit und trifft sich da, zu “was auch immer”. Meistens geschieht das natürlich über das Internet, da dieses die einfachste Möglichkeit dafür zur Verfügung stellt.
Es ist nun so, dass in den letzten Jahren in Braunschweig immer wieder zu einem Picknick auf dem dortigen Schlossplatz aufgerufen wurde, bei dem sich bis zu 70 Menschen zusammen fanden. Dieses Jahr, so kann man auf de.indymedia.org lesen, wurde einer der Organisatoren ‘rechtzeitig vorher’ zum Ordnungsamt der Stadt zitiert und bekam folgendes gesagt:
Beim Termin mit Herrn Paschen wurde mir dann folgendes mitgeteilt:
1) Jegliche öffentliche Flashmobs in Braunschweig sind illegal und werden notfalls mit einer Allgemeinverfügung verboten und polizeilich aufgelöst.2) Auch der World Freeze Day, über den die Braunschweiger Zeitung sehr freundlich berichtet hat, werde zukünftig vom Ordnungsamt verboten, sofern sie rechtzeitig davon erfahren. Sad
3) Der öffentliche Raum in Braunschweig dient ausschließlich dem Verkehr, also dem Transfer von Wohnung a zu Wohnung b, von Wohnung a zu Geschäft b oder von Geschäft a zu Geschäft b.
4) Ich habe die Aufgabe, öffentlich bekannt zu geben, dass am 8.8. von 16 bis 18 Uhr KEIN Picknick auf dem Schlossplatz stattfinden wird.
Aber es wird noch besser, den die Begründung warum man nicht auf einem öffentlichen Platz Picknicken dürfe, liest sich wie folgt:
Die Begründung für das Verbot lautet wie folgt:
a) Öffentliches Eigentum ist durch das Picknick gefährdet. (…)b) Das Picknick könnte ähnlich wie eine Flashmob-Party auf Sylt ausarten (…) eine wüste Orgie wie im Film „Das Parfüm“. (…)
c) Auch die Anmeldung einer Demonstration ähnlich wie bei der Love Parade wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am 8.8. keine Aussicht auf Erfolg haben, weil eine Demonstration mit Picknick (schriftliches Zitat Paschen) “eine nicht genehmigungsfähige Sondernutzung” darstellt.
Lest unbedingt den ganzen Artikel hier, er ist wirklich lesenswert.
Aber hier sieht man etwas, dass ich schon die ganze Zeit vermute:
Bürgerrechte wie die “Freie Meinungsäußerung” oder die “Versammlungsfreiheit” scheinen heutzutage in Deutschland nur so lange gültig zu sein, bis man davon Gebrauch machen möchte. Es scheint fast, als hätten zu viele Beamte und Politiker keine Lust sich mit ihren Bürgern und die neuen sozialen Kommunikationsformen auseinander zu setzen. Entweder das, oder viele Beamte und Politiker sind von einer latenten und dauer-präsenten Angst erfasst, dass das Volk unter ihnen jederzeit querschlagen oder gar rebellieren könnte. Wenn etwas den Behörden nicht passt, wird es verboten.
“Bäh, Flashmob das ist sowas Neues aus dem Internetz! Mögen wir nicht! DIE NEHMEN DOCH ALLE DROGEN!”
Wir leben in einem Land, in dem die Prävention meiner Meinung nach mittlerweile so groß geschrieben wird, dass augenscheinlich mehr Ressourcen dafür ausgegeben wird, als für die Schadensregulierung – wenn denn mal tatsächlich etwas passiert. Das ist genau das Gleiche wie die (meiner Meinung nach) relativ unsinnigen Nebelwerfer um die Atomkraftwerke. Hat jemand von Euch schon mal davon gehört, was die Regierung eigentlich in der Tasche hat, wenn wir mal tatsächlich einen SuperGAU haben? Ich wette die neusten Studien und Pläne die es gibt, sind diejenigen die nach Tschernobyl zwangsweise erstellt wurden.
Eben so hier
Ein Flashmob, der sich friedlich zum Picknicken trifft und dabei niemanden in seiner Freiheit stört, ist durch die Versammlungsfreiheit geschützt und der Gesetzgeber darf nur eintreten, wenn dieser Mob “ausartet” (…oder sag ich hier besser schon “entartet”? *zwinker-zwinker*). Auch in diesem Fall machen sich die Behörden scheinbar lieber mehr Arbeit, eben diese 0,000001% Wahrscheinlichkeit abzudecken, dass die Picknicker auf die Idee kommen eine Raveparty zu veranstalten, als dass sie einfach zwei Polizisten abstellen, die kurz nach dem Rechten sehen … und dann einschreiten wenn jemand auch wirklich eine Sexorgie anfangen möchte.
Das derartige Verhalten von Behörden und Politikern, die versuchen alles (für sie) Störende wegzuregeln gehört meiner Meinung nach direkt zurück in die DDR… oder gleich unter den ausgestreckten rechten Arm eines Österreichers.
Schlagworte: Armes Deutschland, Flashmobs, Versammlungsfreiheit
12 Kommentare for "Wie war das gleich mit der Versammlungsfreiheit?"
Ich war zu langsam und auch noch blind! *Am Boden zerstört*
Tjaja, wie ich schon in der Mail schrieb, wir sind dem “Sieg H…” wieder einen Schritten näher gekommen.
Hmm, schade, wollte ich eigentlich mit ein paar meiner Kommilitonen hin. Naja, vlt werden wir ja trotzdem hingehen, nur um zu schauen wie die Behörden reagieren :-P
einfach nur traurig
man könnte zwar dagegen klagen (und bekäme wahrscheinlich sogar recht) aber irgendwie will man am ende nicht drum kämpfen…nicht zuletzt, wegen der hohen Kosten
Jetzt bräuchte man ein paar durchgedrehte, die setzt man ins rathaus von braunschweig und lässt sie dort picknicken =P
@MCLesotho Wie gesagt, schaut doch mal ob da nicht ne Demo angemeldet wird.
1. Nüsse nicht vergessen
2. Handtuch ! niemals ohne Handtuch vor die Tür. you know “don’t panic”
Frage: Anhalter Ring. Rechter oder Linker Daumen? … ;D
omfg… ich wohne in braunschweig… das ist sowieso die chaotenstadt wenns um die politik geht… naja… alles viel komplizierter als nötig…
Also bei der Piratendemo kurz nachdem das Zensurgesetz verabschiedet wurde hat uns die Polizei vom Hauptweg weggejagt mit der Begründung “Ihr blockiert den Fahrradweg”. Mein Lehrer wurde aber mal an der gleichen Stelle angehalten mit den Worten “Das hier ist eine Fußgängerzone da dürfen sie nicht mit dem Fahrrad fahren”
Fällt uns was auf…?
Ich würd die Veranstaltung einfach durchziehen. Wie gesagt: Versammlungsfreiheit. Die können einem das garnicht verbieten (außer man randaliert oder zeigt alle Nas lang wie hoch der Weizen steht oder so).
pla1n würde ich auch machen.^^
Offiziell abblasen und inoffiziell kommen doch Alle. ;P
Seh ich auch so und kann ich mir gut vorstellen:
“Huch, was machst denn du hier?”
“Öhm ja, ich wollte mir nur die Stadt anschauen.”
“Hey da kommt ja auch der Peter, so ein Zufall aber auch.”
^^
So ich hatte mit Zach schon im ICQ bissel drüber diskutiert. Ich seh das etwas anders hier
1. Schützt die Versammlungsfreiheiten a) nur Versammlungen (Das sind politische Kundgebungen) und b) nur Versammlungen auf Privatgrundstücken (Absatz 2 von Artikel 8 schreibt ausdrücklich vor, dass Versammlungen unter freiem Himmel eingeschränkt werden können von Gesetzen und das Versammlungsgesetz sieht zum Beispiel eine Anmeldung vor)
2. Ist die Praxis, dass unangemeldete “Menschenansammlungen” aufgelöst werden in Hamburg schon seit Jahren üblich. Besonders wird dies natürlich bei unangemeldeten Nazi Demonstrationen gemacht, wo es dann auch meistens keinen nicht betroffenen stört.
Ganz persönlich kann ich die Stadt verstehen, vor allem nachdem in Sylt 40.000 Euro Schaden entstanden ist. Entweder meldet sich ein Verantwortlicher und organisiert das und haftet dann auch dafür (Was der Veranstalter aber ja wohl nicht möchte), oder sie machen es auf Privatgrund.
Man kann natürlich streiten ob die Gefahr groß ist die von 50 friedlichen Picknickern ausgeht… Aber was passiert wenn die NPD morgen ein Baseballspiel auf dem Marktplatz ausruft?
Hmm, als ich den Artiklen den Leuten verlinkt hatte, die eigentlich mitkommen wollten, haben die irgendwie kalte Füße gekriegt…
Feiges Studentenpack :-P
Die Berichterstattung wird dann wohl Herr Riebmann übernehmen müssen, da ich auch keinen Anderen finde, der Zeit hat.
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