15 Jul
Sommer, Sonne, schönes Wetter und Grillen. Das ist der Sommer und das sind die Sommerferien.
Aber nicht alle Schüler liegen den ganzen Sommer auf der Faulen Haut oder sind auf Achse. Es gibt auch Schüler die – wie ich damals – in den Ferien Jobs annehmen und sich bis zu 8 Stunden am Tag Arsch reißen, um ihr Taschengeld aufzubessern.
Was viele Leser nicht wissen: Es gibt in diesem Land eine Zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Ferienjobbern.
Bedarfsgemeinschaften:
Es ist in diesem Land schon lange nicht mehr egal, welchen sozialen Stand man hat, sondern es wird zuerst die Frage gestellt, ob man Hartz IV bekommt – oder nicht. Oder wie in diesem Fall, ob die Eltern eines Schülers Hartz IV bekommen – oder nicht. Denn bekommen die Eltern eines enthusiastischen Ferienjobbers Hartz IV, so ist dieser Schüler Teil einer “Bedarfsgemeinschaft” und darf nicht mehr als 100 Euro im Monat verdienen.
Kein Scherz
Von jedem Euro, der über diese 100 Euro-Grenze hinausgeht, werden einem Schüler aus solch einer “Bedarfsgemeinschaft”, vom Staat wieder 80 Cent weggenommen. So werden die Ferienjobber Deutschlands in Kinder aus sozial-schwachen Familien und ‘normalen’ Familien eingeteilt. Zudem hat eine Nichtmeldung der Einkünfte des Schülers aus einer “Bedarfsgemeinschaft” sogar noch ein Strafverfahren und ein Bußgeld bis zu 2.500 Euro zur Folge.
Das Problem ist übrigens nicht neu, nur wurde ich erst dieses Jahr darauf gestoßen. Warum die Bundesregierung diesen Schmu mit Hartz IV verabschiedet hat, darüber kann ich nur rätseln. Ich vermute es ist dafür gedacht, dass die Kinder nicht “für ihre Eltern” arbeiten gehen. Denn Ferien- und Nebenjobs – so fern sie nicht mehr als 7500 Euro im Jahr einbringen – sind größtenteils Steuer- und Abgabenfrei für die Schüler.
Schulung zum Sozialhilfeempfänger
Für einen Schüler aus solch einer Familie lohnt sich Leistung nicht. Warum sollte man denn auch Leistung bringen, seine Sommerferien aufopfern, wenn man am Ende mit nur 100 Euro dasteht? Da kann man auch einfach zwei bis drei Mal im Sommer eben irgendwo aushelfen und sich den Rest der Zeit in die Sonne legen. Das wirklich Schlimme an dieser Reglung ist nicht nur die schreiende, soziale Ungerechtigkeit, sondern auch dass diesen Kindern beigebracht wird, dass sich Leistung und harte Arbeit einfach nicht lohnen.
Wer arbeitet schon in seinen Ferien 4-8 Stunden am Tag, wenn er weiß, dass nicht viel mehr als 100 Euro dabei herumkommen? Wie fühlt man sich als Schüler, wenn man herausfindet, dass für einen selbst andere Regeln gelten, als für seine Klassenkameraden? Was denkt man, wenn die einzige Möglichkeit gleich viel in den Sommermonaten zu verdienen, Schwarzarbeit ist?
Doch der Witz kommt noch besser
Das Problem an der Sache ist nicht nur, dass hier Ferienjobber in zwei Klassen eingeteilt werden, sondern es ist auch ein bürokratisches.
Arbeiten zwei Schüler in den Sommerferien für 800 Euro im Monat, hat er eine 800 Euro verdient und der aus der sozial-schwachen Familie kaum mehr als 100 Euro. Da aber die Behörden bei “Bedarfsgemeinschaften” allen Verdienst anrechnen, der pro Monat in so eine “Bedarfsgemeinschaft” einfließt, sieht es wieder ganz anders aus, wenn sich der Schüler dort die nächsten 8 Monate jeden Monat 100 Euro auszahlen lässt.
Und doch, bei allen Tricks die man anwenden kann sieht es so aus, dass ein Schüler aus einer Bedarfsgemeinschaft nicht mehr als 1200 Euro im Jahr neben der Schule her verdienen kann, während die Schüler, die es stellenweise nicht mal nötig hätten 7500 Jährlich verdienen können.
Feines Deutschland.
Schlagworte: Armes Deutschland, Ferienjobs, Politik, Sommerferien, Soziale Ungerechtigkeit
13 Kommentare for "Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Ferienjobs"
Wie Metallica schon sagte “Sad but true” … Soziale Ungerechtigkeit wird immer schlimmer :S
:| da komm ich mir jetzt richtig mies bei vor … als Schüler bin ich 4 stunden für 50 DMark arbeiten gegangen einmal paar mal inner Woche wenn ich zeit hatte und hab mir somit meine Klassenfahrten und Taschengeld organisiert.
aber das es ungerecht ist wird im Internet schon seit einführung dieser Regelung geschriehen geschimpft und weiteres … das doofe … es ist genau so gewollt. SO und nicht anders schafft man eine Moderne Sklavengeselschaft die sich allmählich daran gewöhnt für nichts anderes außer das sie nicht verhungern knochenjobs zu machen.
PS: Globale Enslavement.
Wir sollen alle verdummen,
Wir sollen alle nichts mehr hinterfragen.
Ja das Problem kenne ich. Es ist schon geil wenn man total geflasht nach Hause kommt und sagt “Ich habe einen Job durch zufall bekommen!”. Um dann als Antwort zu bekommen “Der Anwalt hat gesagt alles über 100 Euro darfste abdrücken.”.
Es gibt zwar Arbeitgeber die dein Geld in den nächsten Monat “schieben” aber man kann wie du sagtest nicht mehr als 1200 Euro verdienen.
Ich wusste bisher nichtmal wieviel ich abegeben müsste aber wenn deine Aussage stimmt habe ich soeben jegliche Wünsche nach einem job beerdigt. Ich arbeite ganz sicher nicht für 1-2 Euro die Stunde…
Naja aber was sind wir schon Wert? Wir sind ja die vom Staat geschaffene soziale Unterschicht.
Kinderarbeit ist in Deutschland halt legal. Ich dachte schon daran zu klagen aber die sozial Gerichte sind so überlastet das ich erst drankäme wenn ich bereits fertig mit studieren wäre…
Am schönsten sind noch die wie sie sich selbst auch gerne titeln “Bonzen-Kinder”. Die einem ständig aufn Sack gehen und die Antwort “Nein ich habe dafür kein Geld” nicht peilen und nur meinen “Geh doch arbeiten”.
Achja am besten ist übrigens dass es kaum Arbeitgeber gibt bei denen man für 100 Euro arbeiten könnte. Rein von der Zeitkomponente gesehen…
Was soll man dazu schon sagen? Willkommen in Deutschland. Traurig ist es. Wie kommt es das sowas einfach so beschlossenw erden kann?
Auf wessen Kappe geht denn dieser Beschluss?
Willkommen in der Welt meiner Familie und mir. Auf meinen kleinen Bruder trifft nämlich genau das zu, was du geschrieben hast. Wenn du noch mehr Unfug aus dem SGB II aus erster Hand wissen willst, dann kann ich dir so einiges erzählen…
Mr. dafür muss man es ja nur aufschlagen nech….
Na so einfach ist es nicht, glaub mir.
Achja das Feriengeld Problem lässt sich lösen indem man für Sportvereine oder so arbeitet. Halt Jobs wo man im nachhinein Bar auf die Kralle bekommt und nicht angestellt ist.^^
@MR.FGWZ
Also ja ich BIN interessiert. Wäre toll wenn du mir eine Mail schreiben könntest, vielleicht kann man da sogar einen Artikel draus machen.
Das werde ich gerne tun. Wirst dann übers Wochenende von mir hören.
[...] Artikel zum Thema: Bam Stevinho ZachSeinBlog – Hartz IV – [...]
Diese Geschichte über die Hartz 4 Reform ist langsam kaum noch zu ertragen. Wer blickt da noch durch?! Ich finde es schlimm was für eine Hinhalterei die Minister da vollziehen. Wer hat denn eigentlich was davon? Etwa der einzelne Hartz 4 Empfänger? Ich denke 5 Euro bringt doch niemandem wirklich was. Aber kosten tut das viel Geld. Ich denke der Ansatz sollte ein anderer sein. Das Ziel muss sein, allen wieder einen Job zu vermitteln. Vielleicht sollte man mehr in die Unternehmen investieren.
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