Wie einige von Euch mitbekommen haben, geht es in der Sache mit den deutschen Internetsperren, seit gestern/heute offiziell heiß her. Den Supermutti-Ministerin Uschi hat es geschafft, dass sich fünf große Provider freiwillig dazu verpflichten, die von ihr angedachten ‘Internetsperren gegen Kinderpornografie’ bin in sechs Monaten durchzusetzen.

Um den fragend dreinschauenden Rest von Euch zu updaten:
Siebenfache Supermutter und Familienministerin Ursula von der Leyen setzt sich seit Januar dieses Jahres für Internetsperren ein. Ziel der Kinder-jonglierenden Politikerin ist es kinderpornografische Seiten für den deutschen Internetnutzer unzugänglich zu machen und so die Verbreitung dieses Drecks im Netz zu stoppen.

Aus der Bild-Leser-Perspektive:
So wie sich diese Idee beim ersten Mal anhört, mag man als Standard-Bürger nichts dagegen sagen. Ist ja auch eine gute Idee, eben den Leuten das Material abzugraben, welches vermutlich deren abartigen Phantasien noch weiter anheizt. Gleichzeitig verhindert man, dass jemand auch noch seinen perversen ‘Nutzen’ aus diesen dokumentierten Missbrauchsfällen zieht. Rundum eine Idee gegen die man also nichts sagen kann…

…aaaaaaber unsere Super-Uschi wäre nicht unsere Super-Uschi, wenn sie nicht (schon wieder) das Problem mit einem Lehrbuchbeispiel von eindimensionalen Aktionismus angehen würde, wa’? Jeder von uns weiß, dass bei den ganzen selbsternannten Experten, die wir in der Regierung haben, dieses nur der Anfang einer Zensurwelle sein könnte, welche das Internet durchschemmt, also lasse ich das Thema einfach außen vor und fange besser gleich an den Pudel zu entkernen:

“Vorhang drüber”:
Mit der Sperrung dieser Seiten innerhalb eines EU-Landes oder anderer nationaler Grenzen, wird nur ein Vorhang über das hässliche Gesicht der Kinderpronografie gehängt. Die Verantwortlichen dieses Vorstoßes glauben sie würden damit etwas bewegen, schauen aber in meinen Augen nur weg, nicht mehr. Man zieht hier nur ein rot-weißes Absperrband um das Problem und stellt ein Schild auf auf dem “Nicht gucken!” steht, nicht mehr.

Die angedachten Maßnahmen kann jeder Perverse mit nur ein paar Computerkenntnissen umgehen.

Aber die eigentliche, grundlegende Überlegung welche man sich bei dieser ganzen Sache machen muss, ist diese: “Warum sollte man denn das Internet sperren wollen, wenn es denn vernünftig funktionieren würde den Betreiber eines solchen Servers in Gewahrsam zu nehmen? Warum das Problem einfach aus dem Blick nehmen, wenn es übernational möglich wäre, Daten auszutauschen und dann die lokalen Behörden auf den jeweiligen Server-Betreiber anzusetzen?” Man könnte so nicht nur die bestrafen, die sich bereits eines Missbrauches schuldig gemacht haben, man könnte auch kommende Missbrauchsfälle verhindern. Und das ist der Punkt, eben dieser Datenaustausch klappt nicht.

Christian Bahls, der Begründer von Mogis, den Verein “Missbrauchsopfer gegen Internetsperren”, dazu bei golem.de:

“Weil er (von der Leyens Plan) Kinderpornografie nicht bekämpft. Da ist irgendwo im Internet ein Missbrauch dokumentiert und die Bundesregierung schaut weg. Und sagt uns Bürgern, wir sollen auch wegschauen. Was noch viel krasser ist: Es werden zwischen den Staaten nur die Sperrlisten für die Filter ausgetauscht. Doch niemand bekämpft in seinem eigenen Land die Server, auf denen die Inhalte lagern. Wenn die zu den 1.500 Adressen gehörenden Server in den USA, Holland, Kanada und Deutschland dichtgemacht würden, die derzeit existieren, wären 90 Prozent der weltweit mit einem Browser erreichbaren Kinderpornografie nicht mehr verfügbar.”

Statt dass man sich um einen Über-Nationalen Austausch von Informationen zwischen einzelnen National-Kripos kümmert, wir von unserer Regierung mal wieder der leichte Weg gewählt um ein Problem aus dem Sichtfeld der Öffentlichkeit zu schieben. Opferschutz und Vorbeugung sind Fehlanzeige, ein Schlag in das Gesicht all derer, die Opfer solcher Perversionen geworden sind. Denn was macht der Betreiber eines solchen Servers, wenn dieser mitbekommt, dass seine Seite in zu vielen Ländern nicht mehr erreichbar ist – selbst im Falle, dass die Sperre einwandfrei funktionieren würde? Er zieht mit seiner Seite um, neuer Server, neue Adresse, nicht in der Sperrliste, neue Runde…

Zu aktuellen Entwicklung:
Heute haben fünf große Provider freiwillig einen Vertrag zur Durchsetzung der Internetsperren unterschrieben (Telekom, Vodafone, Alice/HanseNet, Kabel Deutschland und Telefónica O2). Von der Leyen dazu: “…wollen nicht länger tollerieren, dass die Vergewaltigung von Kindern massen im Internet in Deutschland abrufbar ist…”. Uschi, nur weil man alle Fotos vernichtet macht es die Tat nicht ungeschehen… wenn es so leicht wäre, wäre Ausschwitz mit Sicherheit “nie passiert”.

…aber ich persönlich habe nicht viel von einer Frau erwartet, die ihre Zöglinge vermutlich zum Großteil über ihre Kindermädchen erzogen hat. Oder glaubt jemand ernsthaft man kann gleichzeitig eine gute Mutter für SIEBEN Kinder sein UND zugleich eine Karriere verfolgen an deren Ende man zur Familienministerin ernannt wird? Also bitte.

Der Vertrag besagt übrigens, dass spätestens in sechs Monaten die Technik funktionsfähig sein muss. Doch ist das einzige was abgeblockt wird, der Zugriff auf die entsprechenden Seiten über das Domain Name System (DNS) und das ist leicht zu umgehen. Es wird hierbei also nur verhindert, dass die in der vom BKA geführten Liste genannte Seiten durch Eingabe des Namens aufgerufen werden können.

Natürlich hat von der Leyen für diesen Aktionismus ihre eigenen Argumente. So sagt sie: “…dass mit jedem Seitenaufruf die Vergewaltigung eines wehrlosen Kindes fortgesetzt wird”, das Massengeschäft mit Kinderpornografie werde gestört und ein Signal zur gesellschaftliche Ächtung von Kinderpornografie gesetzt. “Wo kein Geld mehr zu verdienen ist, wird organisierte Kriminalität immer weniger lukrativ.” Ich frage mich wirklich, was die Opfer dazu sagen, dass sich zwar die Mühe gemacht wird, die Zeugnisse ihres Leidens zu überstreichen aber den Verbrechern die daraus nutzen ziehen nicht so nachgegangen wird wie es eigentlich Pflicht wäre.

Der CCC dazu:
Vorgestern rief der Chaos Computer Club gegen “Zensursula” auf und schaffte es heute 300 Demonstranten auf die Straße zu bringen, die gegen die Sperren demonstrier(t)en. Das Video oben ist auf dieser Demo geschossen worden.

Quelle: golem.de (1, 2, 3), CCC