15 Mrz
Ich stelle ja gerne zu aktuellen Themen einfach mal andere andere Fragen, beziehungsweise gewisse Fragen einfach mal anders.
So fragen sich die meisten Leute zur aktuellen Tragödie: „Wie kann man nur 15 Menschen erschießen?“ – dabei lautet doch die viel bessere Frage: „Was treibt jemanden dazu sich selbst umzubringen?“. Denn meiner Meinung nach sind die Hauptgründe warum sich eine Person selbst richtet, die gleichen warum ein Schüler ein School-Shooting begeht. Ein so gearteter Amoklauf war bei allen Beispielen kaum mehr als ein selbst-inszenierter Selbstmord, ein Knall mit dem der oder die Protagonisten ihres eigenen Massakers abtreten wollten. Zwar fehlen mit natürlich die Details und ich denke ich bin meilenweit davon entfernt ein Experte zu sein, aber alle Indizien die ich kenne deuten darauf hin.
Wenn ich es mir so überlege, ist es für einen Menschen aus unserer heutigen Gesellschaft, welcher seit 15 bis 30 Jahren unsere Medienkultur vorgesetzt bekommt, fast schon erschreckend logisch, dass man ohne zu Zucken über Leichen geht, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. Selbst Hollywood haut es uns in unzähligen Filmen mit Schwung um die Ohren, „Wenn ich schon sterbe, dann nehme ich einige von diesen Bastarden mit in die Hölle.“ Jemand der sein Leben aufgegeben hat oder wissentlich einlöst, hat keine Hemmschwellen mehr. Überleben in der Nähe einer solchen Person ist Glücksache. „Wenn ich schon abtrete dann auch so, dass ich einen Eindruck hinterlasse“. Und genau das hat er bekommen, nicht wahr? Wenn ihr es mir nicht glaubt, schaltet den Fernseher an – aber dazu mehr.
Und da haben wir auch die nächste Facette in diesem Puzzle: Purer und reiner Egoismus. Bezeichnet man den Selbstmord schon bereits als rein egoistische Tat, ist dieses noch mal eine ganze Etage höher anzusiedeln. Während der Selbstmord eine Ausflucht aus einem psychischen oder physischem Leid sein mag, mit dem man Freund und Verwandte um sich herum psychisch verletzt, ist ein mit dem Selbstmord verbundener Amoklauf ist ungleich widerwärtiger.
Es ist eine Sache seinen Tod, als letzten Ausweg aus seinem persönlichen Leiden zu sehen und dabei „über seine eigene Leiche zu gehen“, eine völlig andere vorher seinen Mitmenschen Schaden zuzufügen… und das aus den Gründen, dass man A) nach seinem Tod wenigstens ein Medienspektakel wert ist und B) für seine Taten nicht mehr zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Das Schlimme ist, das in meinen Augen der Mensch der so einen Tat durchführt, das pathologische Potential besitzen muss einen Menschen über den Haufen zu schießen, wenn er damit davon käme. Das heißt gäbe es irgendwo eine Möglichkeit andere Menschen zu nach Lust und Laune erschießen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden – täte diese Person das. Diese Überlegung ist fast noch grauenhafter, als die Tatsache eines Amoklaufes mit Selbstrichtung.
Um hierbei auf die „Killerspiele“ kurz zurück zu schwenken:
Die nächste Frage wäre im aktuellen Killerspiel-Kontext: „Dann hat er also Ego-Shooter gespielt um Leute zu erschießen, weil er da seine Phantasien ausleben konnte – also nicht zur Rechenschaft gezogen wurde?“ Das Problem ist, das wissen wir nicht. Tim K. hat genug andere Freizeitaktivitäten gehabt und ausgeführt, die eben darauf hinweisen, dass er sich vielleicht nicht bei jedem toten Pixelhaufen einen echten Menschen dahinter vorgestellt hat. Es scheint bis jetzt keine Hinweise für ein extremes ‘sich im Spiel verlieren’ zu geben, kein: „Mir genügen die Spiele nicht mehr um meine Gewaltphantasien auszuleben“. Und wenn es doch so war, dann ist er Täter mit einer komplett anderen Grundhaltung an das Spiel herangegangen, als die meisten anderen Spieler, die sich solche Games zu Gemüte führen, nämlich im Falle von Tim K. das Verlangen Menschen zu töten.
Zusammenfassend haben wir also einen Menschen, der lebensmüde, lebensverachtend und/oder maßlos egoistisch zugleich ist. Und wie ich es drehe und wende, sind für mich gewalttätige Computerspiele in diesem Fall höchstes das, was es auch wäre im Bett zu liegen an die Decke zu starren und sich vorzustellen, wie man seinen Mitmenschen eine Kugel durch den Kopf jagt. Und an diesem Punkt interessiert mich doch viel mehr, wie es überhaupt erst dazu kam dass er dieses Tötungs-Verlangen entwickelte und nicht womit er gegen Ende dieses auslebte.
Die Idee, seinem Leben auf diese widerliche Weise ein Ende zu bereiten kommt meiner Ansicht auch gar nicht aus den Gewaltfilmen oder dem Computer, sie kommt aus dem Fernsehen und den Zeitungen, welche die alten Amokläufe aus geschlachtet haben und bis heute in der bekannten Weise berichten. Grotesker Weise wird die Nachahmungswahrscheinlichkeit bei Amokläufen als ‘sehr hoch’ eingestuft. Gerade weil der Täter durch die Bilderflut und die teilweise reißerische und Opfer-Unwürdige Berichterstattung in den Augen anderer, potentieller Amokläufer in den Status eines Helden erhoben wird.
Wo sind also die Gründe für den Amoklauf von Winnenden? Wichtig ist zu sehen, dass es keine einzelnen Ursache gibt. Es gibt immer eine Reihe von Faktoren die ursächlich sein könnten und bei denen die eventuelle Schuld jeweils anders wiegt.
Schlagworte: Amoklauf, ZachDenktNach
17 Kommentare for "Tiefergehende Gedanken zu Amokläufen"
Zach ich muss dich glaube ich korrigieren. Nach dem Anwalt der Famile war Tim K. nie in psychologischer Behandlung. In den anderen Punkten kann ich dir nur zustimmen. Die Amokläufer werden beinahe zu Märtyrern gemacht.
Ich finde den Aspekt der Killerspiele-Community auch höchst interessant. Im Prinzip haben die Medien und die Politiker Hand in Hand eine neue Randgruppe geschaffen oder anders eine neue Mobbing-Opfer-Gruppe. Ich merke es ja selber, dass man inzwischen seltsam angeguckt wird, wenn man sagt “Ich spiele Computerspiel”. Wenn es wirklich so ist, dass Killerspiele Amokläufer züchten, so verstärken die Politiker und Medien nur dieses Potenzial. Neben den üblichen “Beledigungen” muss man sich zur Zeit auch Dinge wie “Müssen wir uns jetzt um Dich sorgen machen?” anhören.
Meiner Meinung nach ist Gewaltspiele spielen bei Weitem nicht so schlimm wie Gastschütze mit 17 zu sein.
@ Denker: wenn man sagt “Ich spiele Computerspiel” wird man schief angeschaut, weil das kein deutsch ist :D
Man kann meiner Meinung nach beinahe jede Verhaltensweise auf den Fakor “Egoismus” schieben, weil dieser die einzige wirkliche Motivation ist, die dem Menschen zugrunde liegt. Das ist keine Erziehungssache. (Rücksichtslosigkeit wäre treffender)
Allerdings sprichst du einen sehr wichtigen Punkt an: Die Medien und ihre Darstellung der “Angelegenheit”.
Ich finde es schlimm, wie Tim K. und Co. im TV etc. dargestellt werden. Ich möchte auf keinen Fall Amokläufer verteidigen und ich finde es armseelig und dumm, so etwas zu tun. Nur wächst die Gefahr von Trittbrettfahrern enorm durch den “Hype”.
Auch die Privatsphäre wird zerstört, sobald man ein schlimmes Verbrechen begeht. Was interessiert mich wieviele Pornobilder er zuhause hatte und was er am Tag der Tat zum Frühstück hatte. Auch das Leben der Eltern ist ruiniert, sobald ihr Nachname Publik wird. Nicht, dass sie nicht schon genug Schwierigkeiten (persönlcih und rechtlich) hätten, nein, sie werden auch noch öffentlich auf den Pranger gestellt…
Ich hoffe die Hysterie legt sich bald, weil ich es bald nicht mehr hören kann.
“Wir” sind einfach wie Martin Luther der Neuzeit, wenn man es Stumpf betrachtet: Erst werden wir verfolgt und so und jeder Erzkonservative würde uns gerne Brennen sehen! aber immer mehr schließen sich uns an, bald sind wir mächtiger!
@DerDenker:
Ich denke es geht hier mehr um die Definition von “Psychologische Behandlung”. Der Anwalt der Familie dementiert dieses, die Behörden sagen ja. Der Anwalt macht dieses vermutlich um die Strafe, die auf die Eltern zukommt zu mindern. Wenn die Eltern – wie gerüchteweise behauptet – ihren Sohn sogar aus der Behandlung abgezogen haben, bekommen die nicht wenig Ärger. Im gleichen Atemzug verklagt der Anwalt natürlich auch den Leiter der Klinik auf Bruch des Arztgeheimnisses, was aber meiner Ansicht nach in diesem Fall legitim ist.
@Turindo
Also wirklich, nimm’s mir nicht übel, aber das ist Bullshit. Martin Luther hat seiner Überzeugung nach für den Glauben und gegen die kirchliche Unterdrückung gekämpft, er wollte dem Volk den Glauben näherbringen… und nicht seine Art von Abendunterhaltung vor Überreaktionen aus der Politik schützen.
In einem Punkt kann ich dir überhaupt nicht Recht geben und zwar was den Selbstmörder (nicht Amokläufer!) und Egoismus angeht.
Eine Person, die einen Selbstmord als letzte Lösung ansieht ist in vielen Fällen tot besser dran als Lebend, daher ist es genau der gleiche Egoismus zu sagen, dass wenn er sich umbringt ein schlechter Mensch ist, weil er andere damit verletzt und besonders wenn ich einen Menschen so liebe, dass mich sein Leid verletzt, dann wäre mein Gedanke “Dann hatt wenigstens er jetzt Frieden” und nicht “Das Arschloch, was wird jetzt aus mir?!”…
@Emdykay
Doch ist es.
Es ist eine Tat um dich selbst von Leid zu erlösen. Durch diese Tat versetzt du aber alle Leute denen etwas an dir liegt in Trauer. Jemand muss mit dem Bild leben, dich tot zu sehen. Andere Leute werden sich Vorwürfe machen, warum sie dich nicht aufhalten konnten. Wenn du nicht gerade Sterbenskrank bist und dir einen sanften Tod wünscht, gehst du irgendeiner Verantwortung aus dem Weg. Du machst Arbeit, da dich ein anderer verbuddeln oder einäschen muss, jemand muss deine Beerdigung zahlen (und sei es letzten Endes die Gesellschaft) – das ist laut Definition egoistisch.
Ich sage nicht, das es nicht absolut tragisch ist, das jemand so seinem Leid ein Ende macht. Oder das man deswegen nicht um die Personen trauern soll… Aber das macht die tat nicht weniger egoistisch.
Hier gehen einfach die Meinungen auseinander… Zum Thema Arbeit machen… bitte? Ich sterbe so oder so irgendwann, irgendwann werden dies Kosten und die Arbeit so oder so fällig werden, da spielt es keine Rolle wann und ich kann natürlich auch nen Briefumschlag mit der Aufschrrift Beerdigungskosten zurücklassen…
Und es ist exakt der gleiche Egoismus, wenn ich eine Person daran hindere, sich umzubringen, weil ich an ihr hänge, denn dieser Mensch leidet und wenn er sich umbringen will, leidet er extrem!
Ich lasse also einen Menschen in einem Maße leiden, dass die wenigsten kennen (nämlich nur die, die man gehindert hat), weil ich nicht verletzt werden will durch sein Ableben und damit das Ende seines Leids.
Das ist genauso Egoistisch, nur ist es hier Ansichtssache wer im Recht ist.
Ich glaube kaum, dass ein 17 Jähriger das Geld für seine Beerdigung zusammen hat. Nicht mal für eine Plastiktüte und eine Einäscherung.
Außerdem ist es ein Unterschied ob Du Dir bei einem Unfall das Bein brichst, oder ob Du Dir willentlich das Bein brichst um dich pflegen zu lassen. Gleiches gilt für einen Autounfall bei dem du die Versicherung bescheißt.
Und selbst abgesehen vom Selbstmord. Sich in von einer wie-auch-immer gearteten Form des Leidens zu erlösen und dadurch Leid bei anderen zu verursachen ist egoistisch. Ich sage nicht – dass es in spezifischen Fällen nicht sogar verständlich, notwendig oder sogar unumgänglich ist so zu handeln, wie man handelt.
Das ist ein Problem, dass die Gesellschaft heutzutage hat, es zählt kaum noch warum man handelt, wie man handelt.
Ich muss Emdykay zustimmen, ich halte es eher für egoistisch jemanden zum Leben zu zwingen weil man nicht ohne diese Person kann. Den Zeitpunkt des Todes zu bestimmen ist eine der wenig echten Freiheiten die man im Leben hat.
Man stirbt früher oder später, den Schmerz jemanden zu verlieren erfährt man also immer. Wenn sich jemand selbst umbringt, ist dieser Schmerz nur ein paar Jahre früher da. Der der sich getötet hat muss aber diese paar Jahre Schmerz nichtmehr aushalten.
Jayy
PS:”Die Erziehung war ein Faktor, weil er zu einem Egoisten erzogen wurde.”
Muss ich wiedersprechen, ich glaube die Ausprägung von Egoismus ist nicht direkt durch Erziehung bestimmt. Meine Mutter hat mich versucht “sozial” zu erziehen und heute gehe ich trozdem über leichen, wenn ich mir dabei selbst helfen kann.
Das zeichnet Dich in der “Kategorie Mensch” nicht wirklich aus.
Traurig was du da erzählst Jayy.
Also du meinst das Leid deiner Eltern wäre das gleiche wenn du dich selbst umbringst wie wenn du an ner Krankheit oder bei nem Unfall stirbst?
Das ist es definitiv NICHT! Der Schmerz ist immer da, klar, aber das Ausmaß ist ein völlig anderes. Ich werfe einfach mal das Wort Schuldgefühle in den Raum…
Zu deinem PS hat Zach genug gesagt…
Selbstmord ist einfach ein egoistischer Ausweg.
So ziemlich aus jeder beschissenen Lage kann man rauskommen solang man nur will, wer dazu zu faul ist und den Selbstmord als Lösung sieht der ist wie Zach richtig sagt ein Egoist weil er nicht im geringsten dabei an die Leute denkt die ihm nahe stehen.
Ich würde nur denjenigen ebenfalls Egoist nennen der einem sowieso schon langsam und qualvoll Sterbenden dazu zwingt am Leben zubleiben.
DAS wäre eine EGO-EGO Situation bei der wohl beide egoistisch sind wobei der Sterbende hier meiner Meinung nach (was aber eben Ansichtssache ist) das Recht hat egoistisch zu sein.
Selira:
In deinem zweiten Fall hätte der Nichtsterbende doch gar keinen Grund den anderen gegen seinen Willen am Leben zu halten. Schließlich könnte er es nicht ertragen ihn Leiden zu sehen wenn er ihm wichtig ist.
Wir reden doch von einer unheilbaren tödlichen Krankheit?!
Es geht in diesem Fall nur um eine Person die Depressionen, finanzielle und andere nicht physische Probleme hat. Im Falle eines terminal kranken Menschen liegt der Sachverhalt meiner Meinung nach anders. Allerdings wäre eine Diskussion, wie man ethisch und moralisch zum Suizid in gewissen Einzelfällen steht oder stehen sollte, zu weit weg vom eigentlichen Thema des Postes.
@pander
Sollte auch nur ein schnelles Beispiel sein um zu zeigen in welchem Punkt ich nachvollziehen könnte jemanden als egoistisch zu bezeichnen. ^^
Im endeffekt kann ich hier eh nur Zach und pander zustimmen.
“Das zeichnet Dich in der “Kategorie Mensch” nicht wirklich aus.”
Es geht ja jetzt nich direkt um mich, ich wollte nur verdeutlichen, dass man die Eltern zumindest für diesen Punkt nicht verantwortlich machen kann.
Außerdem ist egoismus sehr Menschlich, früher oder später tut man alles nur für sich. Sozial eingestellte Menschen helfen anderen auch nur um ihr Gewissen zu beruhigen bzw. sich “gut zu fühlen”. Das ist natürlich besser als jemand aus Rache zu töten, hat aber die selben Wuzeln. Diese sind beim einen eben mehr ausgeprägt als beim anderen.
Die Einstellung ob Selbstmord egoistisch ist, hängt wohl einfach von der Ethik, den Werten und den Normen ab, mit denen man erzogen wurde, denn ich kenne genug Leute die diese These auch vertreten.
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